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Der Ventilatorengarten im ERBA-Park im Entstehen.

Wangen – Natürlich: Zigtausende Narzissen und Tulpen werden im Allgäu zu bewundern sein, zahllose neu gepflanzte Bäume und Sträucher, die revitalisierten Ufer der Oberen Argen und ein Meer von Blumen. Aber auch ein neuer Stadtteil in innovativer Holz-Hybrid-Bauweise ist entstanden. Von Juni bis Oktober gibt’s zudem hochkarätige Konzerte.

„Das habe ich noch auf keiner Gartenschau erlebt: 62.000 Blumenzwiebeln in zwei Tagen – das ist ein echter Superlativ“, freut sich die Blumenbeete-Planerin Gartenbauingenieurin  Birgit Rosenberger-Rausch. Tatsächlich pflanzten die heimischen Gärtnerinnen und Gärtner im November in nur zwei Tagen diese unfassbare Zahl an Tulpen- und Narzissen-Zwiebeln. Wegen ungewöhnlich viel Regen war der Pflanztermin mehrfach verschoben worden. Kaum steckten die Zwiebeln in der Erde bedeckte am ersten Adventswochenende eine 40 Zentimeter hohe Schneedecke das Gelände. 

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Bei der Gartenschau in Wangen geht es um Bänder, Fäden und Stoff-Flecken, die sich kreuzen, verdrehen, auseinanderdriften und wieder zusammenfinden, sodass ein neuer Stoff, ein neues Gewebe entsteht. In einigen dominiert die Farbe Gelb, in anderen Orange und Rot – die gegenläufigen Bänder werden vor allem in Blautönen leuchten. Damit wird die Geschichte der Baumwollspinnerei und -weberei ERBA weiter erzählt, die auf dem Gelände über hundert Jahre gewirkt hat. Zudem werden sich hier auch die Farben des Gartenschau-Logos widerspiegeln. 

Das brachliegende Industrieareal der ehemaligen Baumwollspinnerei ERBA wurde zu neuem Leben erweckt: 1860 war die Wangener Baumwollspinnerei gegründet und der Werkskanal gebaut worden. 1992 meldeten die ERBA Bauwollspinnerei und Weberei Insolvenz an. 

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2010 erwarb die Stadt Wangen das ERBA Gelände und erhielt im selben Jahr den Zuschlag für die Landesgartenschau 2024. 2013 wurde ein EU-weiter landschaftsarchitektonischer und städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, ein Jahr später beauftragte man für Daueranlagen und städtebauliche Planungen das Büro Lohrer Hochrein / Löhle-Neubauer Architekten.

2019 gab es sechs Architekten- und Investorenwettbewerbe „Auwiesen“ für nachhaltigen Wohnungsbau.  2022 erfolgte der historische Argen-Durchbruch zur Revitalisierung der Oberen Argen. Die alten Industriegebäude sind nun saniert und bieten Menschen und Unternehmen ein neues Zuhause. Auch Kunst, Kultur und Handwerk finden hier eine neue Heimat. Mit den Auwiesen ist ein neuer Stadtteil in innovativer Holz-Hybrid-Bauweise entstanden.

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Landesgartenschau Wangen, Aussichtsturm (Visualisierung). Foto: UniStuttgart

Motto: kunter bunter munter

Die Obere Argen zieht sich wie ein blaues Band durch das gesamte Gelände. Sie bekam ein breiteres Flussbett, für Fische wurden neue Ruhezonen geschaffen, der Artenreichtum des Flusses wurde gestärkt. Zudem hat man die Ufer abgeflacht, um einen sicheren und bequemen Zugang zum Wasser zu ermöglichen. Die Landesgartenschau in Wangen haucht einem alten Industrieareal neues Leben ein, zeigt innovative Holzbau-Architektur und feiert ein sommerlanges Gartenfest. Immer am rauschenden Fluss entlang, Lebensader und starkes Band zwischen der mittelalterlichen Stadt Wangen und den neuen Stadtparks am Ufer. 

Der Argenpark wird eine grüne Oase entlang der Oberen Argen. Für Einheimische und Gäste – zum Entspannen, Sporteln und Feiern. Die Macher erwecken das alte Industrieareal ERBA zu neuem Leben: Wo einst Maschinen ratterten, entstanden Wohnungen, neue Arbeitsplätze und Kulturräume. Neu geschaffen wurden in der Großen Kreisstadt mit ihren 27.000 Einwohnern auch Aussichtspunkte mit Panoramablick auf die Allgäuer Alpen. 

Wer Blumen und Pflanzen liebt und Inspirationen für den eigenen Garten sucht, wird bei den Blumenbändern und Schaugärten ins Schwärmen geraten. Neben 2000 Veranstaltungen mit regionalen Akteuren und internationalen Künstlern und Musikern locken kulinarische Spezialitäten des Allgäus. Nostalgiker werden sich freuen, dass der kultige rote Kiosk-Pilz aus den Fünfziger Jahren am Rand der Wangener Altstadt Nachwuchs bekommen hat. Auf dem Landesgartenschau-Gelände schossen zwei weitere Pilze aus dem Boden.

Neben 2.000 Veranstaltungen mit regionalen Akteuren und internationalen Künstlern und Musikern locken kulinarische Spezialitäten des Allgäus. Dienstags wird’s immer literarisch: Neben dem Bestsellerautor Wladimir Kaminer, der mit alten und neuen Schrebergartengeschichten anreist, haben Daniel Speck, Alex Capus und Heinrich Steinfest ihr Kommen angekündigt. Die die bekannte Schauspielerin ChrisTine Urspruch ist zusammen mit dem Klangkünstler Viz Michael Kremietz mit einem eigens für die Landesgartenschau zusammengestellten Klang & Lyrik Programm dabei. 

Musikalisch wird unglaublich viel geboten: Giovanni Zarella, Lena, I Dolci Signori, It’s all PINK, Fättes Blech und Konstantin Wecker etwa. „Für Dauerkartenbesitzer sind fast alle Konzerte kostenlos“, merkt Kathrin Schneider vom Presseteam an, „nur die fünf Top-Acts sind ausgenommen“. Und worauf freut sie sich persönlich am meisten? „Neben all den Kulturveranstaltungen wird sicher auch der bald entstehende Aussichtsturm spektakulär werden“. Vorgesehen ist eine nachhaltige und sehr stabile, gedrehte Holzkonstruktion mit einer nach oben und nach unten gewendelten Treppe. Prof. Achim Menges, der das Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung an der Universität Stuttgart leitet, erklärt: „Unser Turmentwurf basiert auf zwei Prinzipien, die wir aus der Biologie abgeschaut haben: Erstens hat die Natur Wege gefunden, das Schwinden von Holz für einen kontrollierten Formveränderungsprozess zu nutzen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Fichtenzapfen, deren hölzerne Schuppen von der Natur so „programmiert“ wurden, dass sie beim Austrockenen die Form verändern und sich von ganz von alleine öffnen. Ein ähnlicher Selbstformungsprozess führt zu der komplexen Form der Bauteile unseres Turms. Damit wären wir beim zweiten Prinzip. Die Natur zeigt auch, wie durch mehr Form weniger Material benötigt wird. Die Form des Turms ist also kein Selbstzweck, sondern sie ermöglicht eine sehr schlanke, ressourcenschonende und leistungsfähige Holzkonstruktion.“ Es wird der weltweit erste begehbare Turm in dieser innovativen und nachhaltigen Holzbauweise. 

„Der Aussichtsturm ist sowohl für die Landesgartenschau 2024, als auch für die Zeit danach als Attraktion eine große Hilfe für die Stadt Wangen“, sagt Oberbürgermeister Michael Lang. „Viele werden wegen der schönen Aussicht kommen, manche auch, weil sie den Turm sehen wollen, über den im Vorfeld diskutiert wurde“. Sicher wird der Turm auch nach der Landesgartenschau ein Anziehungspunkt auf der Argenwiese sein. 

Wangener Wahrzeichen: im Milchpilz werden künftig Eintrittskarten verkauft.

In Zahlen: Schauzeit ist vom 26. April bis zum 6. Oktober 2024. Mehr als 2000 Veranstaltungen präsentiert die Landesgartenschau Wangen an diesen164 Tagen. Die Fläche beträgt rund 43 Hektar, das entspricht sechzig Fußballfeldern. Neben wechselnden Floristik-Ausstellungen gibt es 3.500 Quadratmeter Wechselflor, zehn Schaugärten vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, zehn wilde Gärten für die Zukunft und farbenprächtige Blumenbänder. Es wurden über 300 neue Wohnungen und 500 neue Arbeitsplätze geschaffen, fünf neue Brücken und viel Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger. Außerdem vier neue Themenspielplätze und 3.000 neue Bäume für Wangen. Erwartet werden 500.000 Besucher. 

Und die Preise? Dauerkarten kosten für Erwachsene (ab 25 Jahre): 125 Euro, im Vorverkauf: 98 Euro. Für Junge Erwachsene (15 – 24 Jahre): 55 Euro, Vorverkauf 40 Euro. Tageskarten kosten für Erwachsene (ab 25 Jahre): 19 Euro, für Junge Erwachsene (15 – 24 Jahre): 7 Euro 
Kinder und Jugendliche (bis einschließlich 14 Jahre) haben kostenlosen Eintritt.  www.lgswangen2024.de

Autorin: Andrea Reck



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