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Bahnsteige entstanden an der Strecke teilweise in Eigenleistung. Fotos: Förderverein Ablachtalbahn

Drei Freizeitbahnen bieten besondere Bahnfahrten für Tagesausflüge, zum Wandern und Radfahren. Die Biberbahn ist neben der Räuberbahn und der Moorbahn die jüngste der für den Personenverkehr reaktivierten Bahnstrecken in der Region. Sie verbindet Mengen mit Stockach, führt durch eine schöne Landschaft, vorbei an Seen und sehenswerten Städten. Ein Tipp für die Ferien nicht nur für Zugbegeisterte. Für die Biberbahn hat die Region zudem große Pläne.

2021 war es so weit, erstmals fuhren auf den Gleisen zwischen Stockach und Mengen wieder Fahrgäste mit der Eisenbahn. Nach der Räuberbahn von Aulendorf nach Pfullendorf und der Moorbahn von Aulendorf nach Bad Wurzach ist die Biberbahn die dritte reaktivierte Freizeitbahn in der Region.

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Allen drei Strecken ist eines gemeinsam: die Züge fahren auf einstmals stillgelegten Streckenabschnitten. Jahrelang ruhte der Bahnverkehr auf der Räuberbahn zwischen Altshausen und Pfullendorf, ebenso auf der Moorbahn zwischen Roßberg und Bad Wurzach und auch der Personenverkehr zwischen Mengen und Stockach war bis zur Wiedereröffnung lange Zeit Geschichte. 

Nach Bahnreform und Regionalisierung des Schienennahverkehrs war es Land und Gemeinden möglich, selbst Verantwortung für Schienentrassen und den Verkehr auf den Schienen zu übernehmen. Da die Bahn kein Interesse an den brachliegenden Strecken hatte, kauften an der Trasse liegende Gemeinden die Bahnstrecken und richteten dafür Verwaltungen ein. Die Stadtverwaltungen in Pfullendorf, Bad Wurzach und Meßkirch avancierten so zum Sitz kommunaler Eisenbahnunternehmen. Ein Glückfall. Denn die Gemeindeverwaltungen verwalten ihre Strecken nicht nur, sondern vermarkten sie gemeinsam mit Fördervereinen und den Verkehrsverbünden. Kaum ein Wochenende in der Saison vom Mai bis Oktober, an dem nicht Musik in den Zügen spielt, historische Figuren aus der Region über das Werden der Landschaft und ihre Historie erzählen oder besondere Attraktionen und Feste entlang der Strecke angefahren werden. Der Transport von Fahrädern ist genauso unkompliziert wie kostenlos. Bei großem Andrang erweisen sich zugbegleitende Mitglieder der Fördervereine als wahre Experten beim fachgerechten und materialschonenden Verstauen der Zweiräder in den Zügen. Selbstverständlich gelten in den Zügen auch Fahrkarten der Verkehrsverbünde und der Deutschen Bahn.

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Auf der Biberbahn gehören Fahrräder einfach dazu. 

Nun also die Biberbahn. Schon der Name ist eine Besonderheit. Er geht nicht auf eine historisch belegte Räuberfigur zurück wie die Räuberbahn oder auf Landschaftsmerkmale wie bei der Moorbahn.  Es ein Friedensangebot an denjenigen, der am Damm der Bahntrasse genau so viel Interesse hat wie die neuen Eigentümer und für etliche Schäden an der Trasse verantwortlich war. Die Bahn führt entlang der Ablach vorbei an der Krauchenwieser Seenplatte und dem Naturschutzgebiet Sauldorfer Seen. Hier fühlen sich auch Biber wohl. Aller zeitweisen Differenzen zum Trotz brachte es das geschützte und putzige Tier zum Maskottchen und Namensgeber der Bahn. Engagierte Mitglieder des Fördervereins werben im Biberkostüm für die Fahrten auf der Biberbahn und kommen damit vor allem bei Kindern gut an. Ein Faltblatt bietet Ausflugstipps für die Haltestellen an der Strecke. Es gibt einen Biberbahn-Radweg entlang der Strecke mit der Möglichkeit an den Haltestellen den Zug zu nutzen. 

Die Haltestellen entlang der Biberbahn bekommen im Übrigen Jahr um Jahr Zuwachs. Erst jüngst wurden Haltestellen in Göggingen und Krauchenwies eröffnet, trotz der eher reservierter Haltung der betreffenden Gemeindeverwaltung. Auch das ist eine Besonderheit der Biberbahn: Mengen und Krauchenwies, zwei der Gemeinden an der Bahnstrecke, halten sich bislang gegenüber dem Projekt Schiene in finanzieller Hinsicht zurück. Bürger und der Förderverein nahmen den Bau der Bahnsteige in Krauchenwies und im Ortsteil Göggingen deshalb in die eigene Hand und finanzierten die Vorhaben vornehmlich mit Spenden und Eigenleistung. Die Fahrgastzahlen der Biberbahn sind beeindruckend. 7000 Fahrgäste nutzen im Sommerhalbjahr die Bahn. Mit 1152 Fahrgästen und 82 Rädern verzeichnete die Biberbahn in diesem Jahr bei der Eröffnung der neuen Bahnsteige sogar einen neuen Tagesrekord. 

Doch der Freizeitverkehr und Verkehr an Sonn- und Feiertagen dürfte bei der Biberbahn noch nicht Endstation sein. Mit der Eröffnung der Teilstrecke Mengen-Stockach ist inzwischen die gesamte Strecke von Mengen bis Radolfzell wieder befahrbar. Ein Beispiel, wie eine reaktivierte Bahnstrecke weiterentwickelt werden kann, bekommen Fahrgäste in Stockach zu sehen. Hier übernimmt das „Seehäsle“. Auf diesem ebenfalls reaktivierten Streckenabschnitt fahren Züge schon lange wieder werktags im Taktverkehr und bringen Pendler, Schüler und Gelegenheitsfahrer nach Radolfzell mit Anschluss nach Konstanz und in die Schweiz. 

Die durchgehende Strecke von Mengen nach Radolfzell gehört zu jenen 41 einstmals stillgelegten Strecken, deren Reaktivierung vom Land auch für den Schüler- und Berufsverkehr ins Auge gefasst wurden. Bis die Signale für schnellere Fahrten im Taktverkehr auf Grün gestellt werden können, sind aber noch Investitionen im mittleren bis oberen zweistelliger Millionenbereich in Gleise, Haltestellen, Technik und Bahnübergänge notwendig. So lange bleibt es bei der gemütlichen, entspannten und vielleicht gerade deshalb besonderen Fahrt auf der Biberbahn.

Fahrplan, Tarife und Tourentipps:
Biberbahn Mengen-Stockach:  www.biberbahn.de
Räuberbahn, Aulendorf-Pfullendorf:  www.raeuberbahn.de
Moorbahn: Aulendorf-Bad Wurzach:  www.moorbahn.eu

Autor: Rudi Multer



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