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Dorothea Schrade präsentiert ihre Werke beim Kunstaustausch in Schloss Wilflingen.


Diepoldshofen – Die Künstlerin Dorothea Schrade, als Malerin und Galeristin im Oberland bekannt, geschichtskundig und heimatkundlich versiert, ist am 14. September 2025 mit 82 Jahren gestorben. Sie wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Diepoldshofen beigesetzt.

Die Begegnung mit Dorothea Schrade verdanken wir dem LEADER/REMO-Projekt „Frauen.Land.Oberschwaben“ im Jahre 2019. Damals konnte freilich noch niemand ahnen, dass die Teilnehmerinnen das „Marienland Oberschwaben“ mit rund siebzig Frauen begründen würden; die an den ungewöhnlichsten Orten auf die Bühne treten, um Unveröffentlichtes zu lesen; die gemeinsam Schreibwerkstätten besuchen und neben einem Hörbuch auch eine Weihnachtsanthologie veröffentlichen würden.

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Dorothea reihte sich bescheiden bei den rund zwanzig teilnehmenden Frauen ein. Sie war sich für nichts zu schade; was wir uns ausgedacht hatten, um das Projekt zum Laufen zu bringen, begleitete sie. Vom Besuch im Tonstudio bis zum Texte-Coaching und Präsentationstechnik-Übungen war sie bei allem dabei. Neugierig. Offen. Fokussiert. Zeitgleich veröffentlichte sie mit „O Fortuna, du Luder“ ihre Lebensgeschichten (die sie über ihren jüngsten Sohn Tobias Schrade und seine Frau verlegte).

Dorothea Schrade bei einer Lesung im Kulturzentrum Schloss Meßkirch. Bild: Günther Brender / LIO-Netzwerk

Die Lokalreporterin Waltraud Wolf berichtet nach der ersten Lesung in Riedlingen: „Dorothea Schrade betonte, was sie in ‚O Fortuna, du Luder‘ geschrieben habe, sei keine Biografie, sondern ‚Geschichten aus meinem Leben‘.“ Sie schildert darin ihren Wegzug aus ihrer Geburtsstadt Reutlingen als ledige Schwangere und das noch von einem Schwarzen. „Ich war so stark, ganz allein gegen den Rest der Welt“, blickt die Autorin mit feinem Humor zurück. Bei allem, was ihr zum Schicksal gereichte, sei es ihr gelungen, es „in etwas Gutes rumzudrehen“, habe Schrade lächelnd festgestellt, berichtet Wolf.

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Zur Lesung und Bilder-Ausstellung bei „Liselottes Gartenfrühstück“ im Schloss der Familie Stauffenberg in Wilflingen  hatte Dorothea Schrade dreizehn Bilder im Gepäck, platziert auf Staffeleien. Passend zum Anlass hatte sie „Gartenbilder“ aus ihrem großen Fundus ausgewählt: Bäume zu jeder Jahreszeit, Blüten, Mohn, der sie berühmt gemacht hat, eine „kleine Idylle“ mit einer Sitzgruppe zwischen Blumenstöcken und Hühnern, denn, so die Künstlerin, die gehörten zu ihrem Garten, erinnert sich Wolf an die Begegnung. Zu ihren Bildern meinte die Malerin: „Ich bin eine Zauberin“, sie male Farbfläche an Farbfläche und es sei „ein Wunder“, was daraus entstehe.

Im Kunstaustausch mit Beate Rygiert berichtete Dorothea über das Verschiedene in den Herangehensweisen von Künstlern, die dennoch das Gleiche wollten. Die einen stellten den Untergang dar, um aufzuwecken, die anderen lockten mit der Schönheit, die erhalten bleiben müsse. Zu diesen Anderen zählte sie sich. Anlass für ihre Mohnbilder sei der Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl gewesen, stünde der Mohn doch für Leben und Vergehen. Ihm sei sie „verfallen“, gestand die Künstlerin. Gestalterisch sei der Mohn in allen Phasen schön, von der Knospe, in der Blüte, die sich auch vom Wind nicht zerfleddern lasse, bis zur Kapsel mit ihren Samen.

Mit Dorotheas Tod ist ein buntes, auf ihre Art barockes Künstlerinnen-Leben zu Ende gegangen. Wir schätzen uns glücklich, dass wir einige Jahre und über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus daran teilhaben durften. Durch ihre Geschichten hat sie das Füllhorn des Lebens über alle ausgeschüttet, die sie erlebt haben. Ihr Leben in aller Freude und in der großen Liebe für die Welt bleibt Ansporn und Ermutigung für alle künstlerisch tätigen Frauen. Wir verdanken ihr viele schöne Begegnungen und genüssliche literarische Stunden und werden vor allem ihre Herzensbildung und Herzenswärme immer vermissen. Eine wie sie wird es nicht mehr geben.

Für das Literaturnetzwerk Oberschwaben: Henrike Müller
Unter https://lio-netzwerk.org/dorothea-schrade/ ist eine Kurzlesung von Dorothea Schrade zu hören (aus „O Fortuna, du Luder“).



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