Ulm – Das kleine Naturmuseum Ulm und das große Museum Ulm wachsen zusammen. Hochmotivierte Teams wollen noch mehr Menschen jeden Alters Natur erlebbar machen.
Dass das Museum künftig noch sichtbarer werden soll, zeigt schon die Anwesenheit von Oberbürgermeister Matin Ansbacher und Dr. Stefanie Dathe (Leiterin Museum Ulm). Ansbacher unterstreicht, wie wichtig ihm das kleine Museum sei, in dem vor allem Kinder erleben, was Natur bedeutet. „Da ist Leben in der Bude“, wie er bei einem Besuch vor kurzem selbst erleben durfte.
Cora Carmesin, seit vier Jahren Leiterin des Museums, betont, wie eng Biologie, Chemie und Physik miteinander verzahnt sind, etwa im Ideen-Salon des Naturmuseums. Hier präsentieren jeden ersten Dienstag des Monats Naturmuseum und Botanischer Garten in einer Mischung aus Krimi-Dinner und Pub-Quiz besondere Stücke ihrer Sammlung. Die Biologin weist hin auf das Phänomen der „Pflanzenblindheit“. Nähmen wir doch die Anwesenheit von Pflanzen weniger wahr als die von Tieren, obwohl Pflanzen eine Schlüsselrolle einnahmen bei der Besiedelung der Erde.
Kostenlose Mitarbeiter
Volontärin Alina Fotiadis stellt die kostenlosen, aber unbezahlbaren Mitarbeiter der Stadt Ulm vor: Die „ Talking Trees“, zehn Bäume im Stadtgebiet, die mit Sensoren versehen Faktoren wie Trockenheit und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen. Auch Parameter wie der tageszeitlich schwankende Baumumfang lassen sich auf der Website des Museums abrufen. Alle Bäume haben bereits einen Namen, bis auf die Winter-Linde vor dem Rathaus, für die sich der OB zusammen mit Stefanie Dathe einen Namen überlegen darf. Die Bäume werden noch mit geschnitzten Gesichtern, die derzeit in einem Ideen-Wettbewerb gesucht werden, ausgestattet.
Cora Camesin bedauert, wie sehr Artenvielfalt und Artenkenntnisse im Schwinden begriffen sind. Das Naturmuseum will Menschen begeistern, sich als Expertinnen und Experten ausbilden zu lassen. Beispielsweise für Moose und Flechten, die man dort findet, wo es für andere Lebewesen zu unwirtlich ist. Sie sollen im Ulmer Umland kartiert werden. Die anwesenden Presseleute dürfen einen Blick mit beleuchteten Lupen auf das mit bloßem Auge unscheinbare Mondbechermoos werfen – und sind fasziniert.
Anja Dünnebeil, stellvertretende Museumsleiterin, präsentiert einen Schildkrötenpanzer, der bis vor kurzem noch im Museum Ulm zu sehen war. Die „Unechte Karettschildkröte“, ist schon seit Urzeiten auf der Erde, gleichzeitig mit den Dinosauriern, deren Verwandte die Vögel sind.
Die im Sonderausstellungsraum nebeneinander arrangierten Vögel Wiedehopf, Star, Amsel und Schleiereule habe eine Gemeinsamkeit, wie Pädagogin Getrud Heiserer augenzwinkernd verrät. Na? Ja klar, die „Vogelhochzeit“. Mit der neuen Reihe „Musikalisch durch die Jahreszeiten“ sollen schon Kindergartenkindern Volkslieder vermittelt werden, die sich um Tiere und Pflanzen drehen. Am Mittwoch, den 18. März von 10:30 bis 11.30 Uhr geht‘s um den Frühling.
Mit Sand und Götterspeise
Der Neurobiologe Prof. Dr. Harald Wolf, Vorsitzender des Freundeskreises, freut sich, dass man mit dem neuen „Geowindow“, nun ein wunderbares didaktisches Instrument habe, um Geologie erlebbar zu machen und erdgeschichtliche Prozesse wie Dolinen-Entstehung zu simulieren. Zum Teil auch mit dem Einsatz ungewöhnlicher Materialien – etwa mit Sand und Götterspeise. Hier lassen sich auch Faltengebirge modellieren und Meeresströmungen simulieren.
Schließlich erläutert die Kunsthistorikerin Dr. Stefanie Dathe, wie es zur Zusammenarbeit der beiden Museen kam. Nicht etwa nur, weil Archäologie auch im Museum Ulm, das die nächsten vier Jahre komplett saniert und neu aufgestellt wird, eine große Rolle spielt. Sie selbst hegt eine große Leidenschaft für die Natur. Als Leistungskurs in der Schule habe sie nicht etwa Kunst gewählt, sondern Biologie. „Das Naturmuseum Ulm und das Museum Ulm sind erst seit 28 Tagen ein Team“, sagt sie, “aber ich habe jetzt schon allergrößte Hochachtung vor der Arbeit, die hier geleistet wird“. Sie freut sich sehr darauf, gemeinsam Neues zu entwickeln. Man darf gespannt sein, wie die vielen Ideen umgesetzt werden. Die Begeisterung der Expertinnen, die bei der Vorstellung der Pläne spürbar war, lässt erwarten, dass Wissen hier mit großer Sachkenntnis aber genauso viel Herzblut und Fantasie vermittelt wird.
Die aktuelle Sonderausstellung „Am Busen der Natur“ läuft bis 22. März. Warum man einen Bären aufgebunden bekommt, die Katze aus dem Sack lässt, Schmetterlinge im Bauch hat? In der Ausstellung kann man Sprichwörter und Redewendungen, die durch Tiere, Pflanzen und Naturphänomene inspiriert wurden, erraten. An interaktiven Stationen lässt sich nachfühlen, wie es ist, ein Brett vor dem Kopf zu haben oder gar Tomaten auf den Augen.
Info: www.naturmuseum-ulm.de
Autorin: Andrea Reck
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