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Rebecca Harnau in der Lehrwerkstatt – ihr Arbeitsplatz während der Semesterferien, in denen sie den Praxisteil ihrer Ausbildung zur Industriemechanikerin absolvierte. Fotos: Liebherr

Riedlingen/Ehingen – Rebecca Harnau erzählt begeistert von ihrer Kindheit auf dem Land, geprägt von Familie und Freunden, vom Heimwerken und der Hobby-Landwirtschaft mit familieneigenem Traktor. 2022 folgte das Abitur am Kreisgymnasium Riedlingen mit sprachlichem Profil, Spanisch – nicht etwa Naturwissenschaft und Technik. Das erstaunt, denn die Riedlingerin wurde im Dezember 2025 zur besten Industriemechanikerin Deutschlands gekürt. Grund genug, die 23-Jährige an ihrem Arbeitsplatz bei Liebherr in Ehingen zu besuchen.

Am Empfang erwarten mich Berenike Nordmann, die im „Marketing und Communication“ beim weltweit agierenden Familienbetrieb arbeitet – und natürlich Rebecca. Über das große Außenlager, auf dem gigantische Kranausleger deponiert sind, geht es in eine der Fertigungshallen. Dort befinden sie auch die Lehrwerkstatt und der Schulungsraum. Wir treffen Kurt Meixner, den Fachbereichsleiter Metallausbildung und Andreas Reichart, Rebeccas zuständigen Ausbilder. Mobil- und Raupenkrane werden hier in Ehingen produziert, erfahre ich. Doch zunächst zur Auszeichnung, auf die die Industriemechanikerin nicht alleine stolz ist, denn mehr ging nicht: mit 99,6 aufgerundet zu 100 Punkten. Rebecca selbst war erst einmal ungläubig, als sie die Nachricht der Auszeichnung durch die Industrie- und Handelskammer IHK erhielt. 

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Zwischen Oktober 2022 und Februar 2025 fand während der Semesterferien der Praxisteil ihrer Ausbildung zur Industriemechanikerin statt. Laut IHK seien IndustriemechanikerInnen in der Herstellung, Instandhaltung und Überwachung von technischen Systemen eingesetzt, also tätig in der Einrichtung, Umrüstung und Inbetriebnahme von Produktionsanlagen. Bei Liebherr arbeiten Industriemechaniker vor allem in der Vor- und Endmontage der Krane, in der Reparatur, aber auch auf der Kranabnahme und im Kundendienst, erklärt Rebecca. Rebecca erhält inzwischen während der Praxisphasen Einblicke in die Ingenieurswelt bei Liebherr und somit in mögliche Zielabteilungen nach dem Studium. Während der Vorlesungszeit hingegen studiert sie an den Hochschulen Ulm und Neu-Ulm Wirtschaftsingenieurswesen. Das Konzept dahinter ist das sogenannte Ulmer Modell, ein duales Studienmodell mit Kombination aus Berufsausbildung und Studium. Rebecca schätzt daran die vielseitigen, umfassenden Prägungen. Speziell am Studium zur Wirtschaftsingenieurin im Ulmer Modell reizt sie die große Abwechslung, wodurch sie eine Vielzahl ihrer Interessen und Talente miteinander verknüpfen kann. Dazu zählt Rebecca kaufmännische und technische Aspekte.

In der Lehrwerkstatt werden jährlich rund 90 junge Menschen in gewerblichen Berufen ausgebildet.

Auch Englischkenntnisse werden mittels englischsprachiger Vorlesungen vertieft. Im Fall von Rebecca auch durch ihren Aufenthalt in Kanada: Liebherr ermöglichte ihr ein sechswöchiges Auslandspraktikum am Reparatur- und Servicestandort in Edmonton. Die Riedlingerin genoss die Zeit in Kanada als ihre erste Reise außerhalb Europas und sammelte auch durchs Alleineleben Erfahrungen. 

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Damit hat ihr dieses Studium ein breit gefächertes Grundlagenwissen ermöglicht. Wirtschaftsinge-nieure können später in sehr unterschiedlichen Bereichen arbeiten, das erhöhe die Flexibilität, führt Rebecca aus. Die Ausbildung war dagegen Teil des Ulmer Modells, hauptsächlich wurden technische Interessen gefördert und gefordert. Da es aber nur ein Teil des Ulmer Modells ist, werden andere Interessen über andere Bereiche abgedeckt.

Nach Abschluss der Facharbeiterausbildung wechselte sie direkt in den Ingenieursbereich und studierte weiter. Der höhere Abschluss im Ulmer Modell ist das Wirtschaftsingenieurstudium, dessen Ziel lautet, später als Wirtschaftsingenieur/in arbeiten zu können. Wirtschaftsingenieure bilden die Schnittstelle zwischen technischer Produktion und wirtschaftlicher Effizienz eines Betriebs. Sie designen und steuern also komplexe Produktionssysteme im Hinblick auf Kosten, Zeit und Qualität.

Dass gerade die Industriemechanik noch immer klischeemäßig als Männerberuf gilt, findet Rebecca schade. Es gebe schließlich keinen Grund dafür, dass Frauen diesen Beruf nicht ausüben könnten. Fingerspitzengefühl sei sehr wichtig, auch körperlich sei die Arbeit gut von Frauen wie von Männern zu leisten. Für Kurt Meixner, Fachbereichsleiter Metallausbildung sowie ihr Ausbilder Andreas Reichart ist Rebecca ein Aushängeschild dafür, dass Liebherr Männer und Frauen gleichwertig alle Türen offen hält.

In ihrer Freizeit genießt die naturverbundene Rebecca neben dem Heimwerken und der Hobby-Landwirtschaft die Heimat und kümmert sich um ihre Pferde. Ihre enge familiäre Bindung, ihre Freunde und ihr Partner sind ein wichtiger Ausgleich zum Arbeitsalltag. Es scheint, als sei dieser Ausgleich der entscheidende Grund für ihren Erfolg – mit Disziplin, viel Motivation und immer mit Spaß an der Sache dabei zu sein. Von der Auszeichnung aus der Spur bringen lassen, will sie sich nicht. So stolz und geehrt sie sich fühle, das Leben gehe ganz normal weiter, erklärt Rebecca. Ihr nächstes Ziel lautet, das Studium nächsten Februar zu beenden. Die weitere Zukunft hält sich Rebecca bewusst offen, möchte schauen, wohin der Weg sie führt. Aber ganz egal wohin: Mit ihrem Erfolgsrezept von Engagement und Leidenschaft sowie Ruhe, Disziplin, Bodenständigkeit und Freude, gewinnt man den Eindruck, stehen ihr die Türen weit offen. In Oberschwaben und anderswo. 

Autor: Benjamin Fuchs



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