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Der gebürtige Oberschwabe Christoph Reisinger ist ab 1. Januar der neue Chefredakteur bei der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg.

Stuttgart / Ravensburg. „Was kommt aus Stuttgart?“, fragt der Kollege Reck und bittet um ein paar Zeilen, die mehr erklären als die Antwort, die er schon parat hat: „Nix recht’s“. Es möge „etwas Luzides“ zu der neuen Personalie bei der „Schwäbischen Zeitung“ sein, schreibt er. Zum neuen Chefredakteur, der noch bei den „Stuttgarter Nachrichten“ und dem „Schwarzwälder Boten“ wirkt und zum Jahresbeginn in Ravensburg aufschlägt. Also gut. 

Er heißt Christoph Reisinger, ist Jahrgang 1962, gilt als konservativ-liberal,  promovierter Historiker (mittelalterliche Geschichte), Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, Oberstleutnant der Reserve, Militärischem gegenüber zugewandt, früherer Radrennfahrer, verheiratet, katholisch und gebürtiger Leutkircher.

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Letzteres ist wichtig, weil er nach längerer Zeit der erste Erste in dem Laden ist, der den Weg nach Schloss Zeil ohne Navi findet. Dort residiert Erich Fürst von Waldburg zu Zeil, der rechtslastige Hauptverleger der „Zeitung für christliche Kultur und Politik“. Seine Durchlaucht pflegt mit der Presse nicht zu sprechen. Wenn er etwas zu sagen habe, erledige das seine eigene Zeitung für ihn, heißt es. 

Luzide gesagt: Die Orientierungsprobleme der Führungskräfte beziehen sich nicht auf das Inhaltliche, vielmehr auf die Landkarte der Region, weil sie in Berlin oder Meck-Pomm beheimatet sind, eifrig zwischen Mengen und Brandenburg im Privatjet hin- und herfliegen, und so keine wirkliche Nähe zu Oberschwaben herstellen können. 

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Nun ist Reisinger auch kein Nesthocker, rumgekommen bei Zeitungen in Braunschweig, Flensburg und Osnabrück, aber seit 14 Jahren zurück in The Länd, wo er mit dem Fahrrad unterwegs ist und viele Verleger kennt. Als Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, später auch noch zusätzlich beim „Schwarzwälder Boten“, hat er das Geschäft mit den zahlreichen Partnerzeitungen geleitet, die den Mantelteil aus Stuttgart beziehen. 

Diese Expertise freut auch Lutz Schumacher, den Chief Executive Officer (CEO) des Schwäbischen Verlags (SV).  Big Boss ist beglückt, „einen so versierten und dem Land und der Region verbundenen Journalisten“ an Bord begrüßen zu dürfen, und übersieht dabei großzügig, dass er es war, der die  Jetsettruppe aus Nordost ins Haus geholt hat. Mit all ihren Begleiterscheinungen. 

Wir erinnern uns: Im Sommer 2024 gerät das Blatt bundesweit in Verschiss.  Von einem „Rechtsruck“ und einer „AfD-Affinität“ wird berichtet, kuriose Interviews mit Krah & Co füllen Seiten, Chefredakteur Gabriel Kords will die Brandmauer zur AfD fallen sehen und dementiert einen Kurswechsel. Der Ruck nach rechts wird bei der Schwäbischen als „Öffnung des Meinungskorridors“ verkauft und kommt beim liberalen Publikum ganz schlecht an. Die Drohungen, die Abos zu kündigen,  nehmen zu. Der Buchhändler Michael Riethmüller (Osiander) spricht in der „Kontextwochenzeitung“ von einer „Machtübernahme aus dem Osten“. Kords kehrt zum Schweriner „Nordkurier“, der zum Portfolio der SchwäZ gehört, zurück. 

Jetzt hätten wir gerne mit Christoph Reisinger darüber geredet, warum er sich das antut? Aber der mag nicht. So neigen wir der Vermutung zu, dass er einem last Call folgt, der einem 63-Jährigen eine anständige letzte Runde ermöglichen könnte.  Gar nicht so sehr wegen der Kohle, eher wegen der Challenge, es noch einmal mit Journalismus zu probieren. 

In Stuttgart, das weiß er, hat er sie nicht mehr. Das gedruckte Wort wird hier nicht mehr geschätzt, es wird behandelt, als hätte es Lepra. Und er, der Old-School-Printler, dem journalistische Standards nicht fremd sind, ist für die Papierausgaben von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ zuständig. Allein es zählt Online, und hier das Schnelle, das Bauchfixierte, das scheinbar Skandalöse, das zutiefst Menschliche, das Blutdruck und Klickzahlen in die Höhe treibt. Wenn der Oberstleutnant in die Stuhlkreise der digitalen Seelenkruschtler muss, kriegt er die Krätze.  

Erschwerend tritt hinzu, dass er neue Eigentümer hat. Im Juni 2025 hat die Neue Pressegesellschaft (NPG) in Ulm, welche die „Südwestpresse“ herausgibt, überraschend gemeldet, die Stuttgarter Gazetten mitsamt dem „Schwarzwälder Boten“, der „Eßlinger Zeitung“ und der „Kreiszeitung“ in Böblingen zu übernehmen. Spätestens in diesem Augenblick muss Reisinger klar geworden sein, dass seine Zeit im Möhringer Pressehaus eine endliche ist. Die Ulmer Sparfüchse brauchen keine Vielfalt, keine Titel mit eigenen Mantelredaktionen, und damit auch keine Vielzahl von (Chef)Redaktionen, die ihnen nur als Kostenträger erscheinen. 

In Ravensburg werden sie ihm den roten Teppich ausrollen. Nicht, weil sie anders wären als die Schwaben von der Donau. Ihr Motiv ist das Imageproblem (das sich auch auf die Geschäftszahlen auswirkt). Ein Chefredakteur, der weniger vernagelt ist als Kords & Halle & Co., kann hier helfen. Ob das gelingt, steht in den Sternen oder, doch näher, hinter den Mauern von Schloss Zeil, wo die Nachfahren des „Bauernjörg“ wohnen.

Zum Autor:

Josef-Otto Freudenreich hat just vor 75 Jahren in Bad Waldsee das Licht der Welt erblickt. Der mehrfach ausgezeichnete Journalist hat viele Jahre bei der Stuttgarter Zeitung im Sport und als Chefreporter gearbeitet, bevor er mit KollegInnen 2011 die Online-Wochenzeitung KONTEXT gründete und dort immer noch seine besondere Handschrift hinterlässt. Als unterschiedliche Medien befruchten sich KONTEXT und BLIX gegenseitig. Vielen Dank, liebe KollegInnen, für die gute Zusammenarbeit!

Zum Rechtsruck der SchwäZ:  www.kontextwochenzeitung.de/medien/699/oberschwaben-ist-nicht-meck-pomm-9704.html

Autor: Josef-Otto Freudenreich

Illustration: Michael Weißhaupt



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