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Im Großen Sitzungssaal im Rathaus tagt auch der Jugendgemeinderat. Zehn Mädchen und Jungen unterhielten sich mit Chefredakteur Roland Reck über ihre Motivation zur Mitarbeit in dem Gremium. Meist genannt: der Spaß am Mitgestalten. Foto: Andrea Reck

Weingarten – Wenn in Weingarten über Skateparks, Schulwege, Freizeitangebote oder digitale Ausstattung gesprochen wird, sitzen Jugendliche nicht nur im Publikum – sie sitzen mit am Tisch. Der Jugendgemeinderat Weingarten (JGR) ist seit 1985 die offizielle Stimme der jungen Generation und gilt mit 40 Jahren als ältester aktiver Jugendgemeinderat Deutschlands. Was 1985 als Experiment begann, ist heute ein etabliertes Beteiligungsmodell, das bundesweit als Vorbild gilt. Und eines zeigt: Politische Teilhabe beginnt nicht erst mit 16 oder 18. BLIX sprach mit den Jugendlichen und wollte von Alexandra Sailer, Verwaltungsfachfrau und zuständig für die Gremienarbeit, wissen, wie er funktioniert der älteste Jugendgemeinderat Deutschlands. Die 30-Jährige unterstützt seit 2016 die Jugendlichen bei ihrem Engagement im Jugendgemeinderat.

Alexandra Sailer (30) betreut seit zehn Jahren den Jugendgemeinderat und ist hörbar stolz auf das jugendliche Engagement. Foto: Stadt Weingarten

Wie setzt sich der Jugendgemeinderat zusammen?

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Aktuell setzt sich der Jugendgemeinderat aus 26 Mitgliedern zusammen. Davon momentan 12 Mädchen und 14 Jungs. Die aktuelle Mitgliederzahl variiert, je nachdem wie viele Mitglieder aufgrund von Ablauf der Amtszeit oder aus persönlichen Gründen ausscheiden beziehungsweise wie viele ihre Amtszeit verlängern.

Ist es schwierig, ausreichend Kandidatinnen für den JGR zu finden?

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Die Kandidatensuche läuft über die Schulen. An jeder Schule gibt es einen begleitenden Lehrer oder begleitende Lehrerin, die die Geschäftsstelle Gremien bei der Durchführung der Wahlen unterstützen. Die Suche nach ausreichend Kandidaten gestaltet sich von Schule zu Schule unterschiedlich. In einigen Schulen gibt es mehr Kandidaten als Sitze, wodurch eine spannende Wahl zustande kommt. An anderen Schulen gibt es gleich viel Kandidaten wie Sitze und in manchen Jahren kann es leider auch mal vorkommen, dass keine Kandidaten gefunden werden. 

Welchen Zeitaufwand im Monat bringen die Mitglieder des JGR für ihre Tätigkeit auf?

Über das Jahr verteilt finden fünf Sitzungen, fünf Arbeitsgruppentreffen und ein Arbeitsseminar statt. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen an denen der Jugendgemeinderat Präsenz zeigt und aktiv ist. Der monatliche Zeitaufwand lässt je nach Sitzungslänge und Anzahl der Veranstaltungen auf zwei bis fünf Stunden schätzen. 

Mit welchen Themen befasst sich der JGR?

Aktuell hat der Jugendgemeinderat das jährliche Arbeitsseminar abgehalten, in welchem die Themen für das kommende Jahr festgelegt werden. Aktuelle Themen, die die Jugendlichen bewegen sind:

• verschiedene Schulthemen (Sanierungen, etc.)

• eine mögliche Kooperation mit dem Schülerrat in Ravensburg

• der Austausch mit Jugendlichen in Polen

• anstehende Wahlen von Sprechern, Welfenpaaren und weiteren Ämtern

• Themen wie Verkehr, Busverbindungen und Sicherheit sind seit Jahren immer wiederkehrende Themen, die die Jugendlichen beschäftigen

In welchem Verhältnis steht der JGR zum Gemeinderat? Hat der JGR ein Mitbestimmungsrecht?

Aus jeder Fraktion des Gemeinderates wird ein Verbindungsgemeinderat gewählt. Dieser Verbindungsgemeinderat nimmt an den Sitzungen des Jugendgemeinderats als Zuhörer teil und ist Ansprechpartner für die Jugendlichen. Außerdem wird für jede Fraktion auch aus den Reihen des Jugendgemeinderates ein Ansprechpartner gewählt, damit ein Austausch zwischen Gemeinderat und Jugendgemeinderat zustande kommt. Zudem haben die Sprecher des Jugendgemeinderates ein Anhörungs- und Antragsrecht im Gemeinderat, das heißt, sie können zu bestimmen Themen im Gemeinderat sprechen und ihre Meinung äußern oder sogar Anträge stellen. Dieses Anhörungs- und Antragsrecht ist in der Geschäftsordnung des Jugendgemeinderates und des Gemeinderates verankert.

Nennen Sie Beispiele, die auf Initiative des JGR in Weingarten realisiert wurden?

• Jüngstes großes Beispiel ist der Kick-Käfig in der Abt-Hyller-Straße

• Neustes Projekt ist die Aufstellung eines Schwätzbänkles im Stadtgarten

• Weitere bzw. länger zurückliegende Projekte sind: Skatepark, Bikepark, Erneuerung der Müllschilder im Stadtgebiet, verschiedene Graffiti-Aktionen, Slackline im Stadtgarten

Wie erleben Sie als Erwachsene das Engagement der Jugendlichen?

Aus Sicht der zuständigen Geschäftsstelle des Jugendgemeinderats erleben wir das Engagement des Jugendgemeinderats als sehr bereichernd, ernsthaft und wirkungsvoll. Der Jugendgemeinderat bringt eine klare jugendliche Perspektive in kommunale Prozesse ein, die für uns Erwachsene oft nicht unmittelbar präsent ist. Die Themen werden von den Jugendlichen sehr konkret und lebensnah formuliert. Dabei erleben wir die Mitglieder des Jugendgemeinderats nicht nur als Ideengeber, sondern als verantwortungsbewusste Akteure, die sich intensiv mit ihren Anliegen auseinandersetzen. Besonders 
 bemerkenswert ist die Verlässlichkeit und Motivation, mit der die Jugendlichen ihr Ehrenamt ausüben. Trotz Schule, Prüfungen und Freizeit nehmen sie regelmäßig an Sitzungen teil, bereiten sich vor, diskutieren sachlich und vertreten ihre Positionen selbstbewusst. Als Erwachsene erleben wir dabei häufig ein hohes Maß an Lernbereitschaft, Offenheit für Kompromisse und demokratisches Verständnis. Aus Sicht der Geschäftsstelle ist das Engagement zudem von einer großen Eigenständigkeit geprägt. Der Jugendgemeinderat initiiert Projekte, organisiert Veranstaltungen und bringt Anträge ein, während wir vor allem unterstützend, beratend und koordinierend tätig sind. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe zeigt, dass Jugendliche Verantwortung übernehmen können und wollen, wenn man ihnen den entsprechenden Raum gibt. Insgesamt erleben wir den Jugendgemeinderat als ein wichtiges und ernstzunehmendes Gremium. Sein Engagement stärkt nicht nur die Beteiligung junger Menschen, sondern wirkt auch in die Verwaltung hinein, es schärft unseren Blick für Jugendthemen und erinnert uns daran, politische Entscheidungen stets auch aus Sicht der nächsten Generation zu betrachten.

Wodurch zeichnet sich der JGR aus?

Ein Kernmerkmal ist seine Rolle als Sprachrohr der Jugend. Der Jugendgemeinderat bringt die Interessen, Bedürfnisse und Ideen junger Menschen gegenüber der Stadtverwaltung und Öffentlichkeit zum Ausdruck. Mit einem eigenen Budget und der Möglichkeit, Projekte finanziell zu unterstützen und zu gestalten, gewinnen die Jugendlichen praktische Erfahrung in politischer Teilhabe, Verantwortung und Selbstorganisation und ist ein einzigartiges Modell für politische Jugendbeteiligung in Deutschland.

Welche Bedeutung hat der JGR in Weingarten?

Der Jugendgemeinderat hat für die Stadt eine zentrale und nachhaltige Bedeutung, sowohl politisch als auch gesellschaftlich. Zum einen ist der Jugendgemeinderat das offizielle Sprachrohr der Jugendlichen in Weingarten. Er stellt sicher, dass die Interessen, Bedürfnisse und Sichtweisen junger Menschen in kommunale Entscheidungsprozesse einfließen. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Kommunalpolitik. Zum anderen ist er ein fest verankerter Bestandteil der kommunalen Demokratie. Durch sein Anhörungs- und Antragsrecht sowie die enge Zusammenarbeit mit Gemeinderat, Oberbürgermeister und Verwaltung wird Jugendbeteiligung nicht nur symbolisch, sondern konkret und wirksam umgesetzt. Die Beteiligung von Jugendlichen ist auch in §41a der Gemeindeordnung Baden-Württemberg festgehalten. Der Jugendgemeinderat wird in Weingarten als ernstzunehmendes Gremium wahrgenommen. Er prägt damit das Selbstverständnis der Stadt als jugendfreundliche und zukunftsorientierte Kommune. Darüber hinaus hat der Jugendgemeinderat eine wichtige bildungs- und gesellschaftspolitische Funktion. Er ermöglicht jungen Menschen, Demokratie praktisch zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und politische Kompetenzen zu entwickeln. Viele ehemalige Mitglieder bleiben der Stadt verbunden und engagieren sich langfristig auch im Gemeinderat.

Wie lässt sich erklären, warum in Weingarten der am längsten existierende JGR in Deutschland beheimatet ist?

Der Jugendgemeinderat wurde 1985 vom damaligen Oberbürgermeister Gerd Gerber ins Leben gerufen. Vorbilder waren das französische ‚conseils des jeunes‘ und das belgische Jugendparlament in Waremme. Im Gründungsjahr wurden 26 Mitglieder aus den 8. Klassen gewählt. Die Idee zur Einrichtung eines Jugendgemeinderates entstand in einer Fragestunde von OB Gerber mit Schülern. Vorsitzender des Jugendgemeinderates ist bis heute der Oberbürgermeister. 

Autor: Roland Reck



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