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Zum 125-jährigen Jubiläum spendete die Bäckerei Keck je 2.000 Euro an die Feuerwehr und ans DRK.

Schemmerhofen – Das Arbeiten in der Backstube ist nicht das Schlimme, betont Daniel Keck, sondern „das Drumherum“. 125 Jahre nach Gründung der Bäckerei belastet nicht mehr die Schwerarbeit des Teigknetens, der Familienbetrieb leidet unter den Zumutungen der Bürokratie.

Genauso alt wie die Handwerkskammer Ulm ist die Bäckerei Keck in Schemmerhofen. Als am 16. August 1900 Johann Michael Keck das Haus Nummer 84 in Aufhofen (wie Schemmerhofen bis zur Gemeindereform 1972 hieß) kaufte, begann eine lange Erfolgsgeschichte. Der 1869 geborene Schwarzwälder, der in Stuttgart das Bäckerhandwerk erlernt hatte, bekam mit seiner Frau Maria zehn Kinder. Jeden Morgen vor der Schule mussten die Kinder die Backwaren verkaufen, indem sie von Haus zu Haus gingen. Verkauft wurde auch im Hauseingang unter dem Treppenhaus. Haupteinnahmequelle war jedoch anfangs die Landwirtschaft. Das Bäckerhandwerk war damals Schwerstarbeit, gab es doch keine Maschinen, die den Teig kneteten. 

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Sohn Alois (1930 – 1970) führte die Bäckerei zusammen mit seiner Frau Johanna weiter. Noch arbeiteten sie vor allen in der Landwirtschaft. Auch die viertausend Quadratmeter Land wurden fast ausschließlich mit der Hand bearbeitet. Neben der Arbeit in der Bäckerei, versteht sich. In den fünfziger Jahren wurde der landwirtschaftliche Teil des Gebäudes abgerissen. Stattdessen entstand ein 20 Quadratmeter großer Laden, in dem die selbst gebackenen Produkte verkauft wurden. Ergänzt wurde das Sortiment um Lebensmittel wie Nudeln, Schokolade, Salz, Zucker, Kaffee und Spirituosen. 1968 erweiterte man das Gebäude nach Westen um rund zwei Meter. Die Verkaufsfläche betrug nun 40 Quadratmeter, die alte Verkaufsfläche wurde zur Wohnfläche. Der landwirtschaftliche Bereich wurde schrittweise aufgegeben.

Historische Ansicht: Der Laden der Bäckerei Keck im Jahr 1910. Ein Ort mit einer langen Tradition.

1975 übernahm Willi Keck das Geschäft. Seine Ausbildung zum Bäckergesellen machte er in Mainz, den Meisterbrief erhielt er von der Handwerkskammer Ulm. 1981 eröffnete er zusammen mit seiner Frau Margret einen neuen Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von rund 130 Quadratmetern. Das Sortiment wurde erweitert, ein Tchibo-Depot und eine TOTO-LOTTO-Verkaufsstelle kamen dazu. Für die steigende Nachfrage an Backwaren wurde die vorhandene Produktionskapazität in den 80er Jahren zu klein. Ein zweiter Backofen verdoppelte die Backfläche, mehrere An- und Umbauten ermöglichten die Anschaffung von Mehlsilos, Kälteanlagen und vielen weiteren Maschinen. 1995 wurde ein Grundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite gekauft, ein Jahr später der neue Lebensmittelmarkt mit 530 Quadratmeter Verkaufsfläche eröffnet. Ein Stehkaffee wurde integriert. Auch die Backstube zog auf die andere Straßenseite um. Die ersten Filiale entstanden.

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2011 folgte mit Michael und Daniel Keck die nächste Generation. Die Firma Keck beschäftigt in Schemmerhofen sowie in den weiteren Filialen in Laupheim und Biberach mittlerweile rund hundert Mitarbeiter. Gefragt, ob der Personalmangel im Betrieb das größte Problem sei, klagt Daniel Keck (49) im Gespräch mit BLIX: „Die Probleme macht der Staat. Das geht aber dem regionalen Eierlieferanten und dem Metzger genauso. Jede neue Verordnung bringt einen kleinen Betrieb um. Die großen Firmen haben dafür eigene Abteilungen, die kleinen eben nicht. Ich muss dokumentieren, dass ich niemanden diskriminiere und jeden Mitarbeiter ständig aufkläre, dass man sich an einem Messer verletzen kann. Der gesunde Menschenverstand ist nichts mehr wert und wird wegdokumentiert.“

Daniel Keck und sein älterer Bruder Michael sind froh, in Zeiten, wo viele nicht mehr körperlich arbeiten wollen, viele langjährige Mitarbeiter zu haben. „Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Anders als die Politiker uns.“ Flexible Arbeitszeiten zwischen ein und sechs Tagen seien möglich. „Wenn man zu gutmütig ist, wird das aber auch nicht immer honoriert.“ Der Staat verspreche seit Jahren Entbürokratisierung, doch er erlebe das Gegenteil. Die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer sei „eine Art Zwangsehe“, sagt Keck.  Hilfreich sei sie bei der Ausbildung. „Eine solide Ausbildung war im Handwerk das Fundament der letzten Jahre.“ Durch die Erhöhung des Mindestlohns erschließe sich vielen Jugendlichen der Sinn einer Lehre nicht mehr, wenn sie auch ohne Ausbildung schnell Geld verdienen können. Seiner Meinung nach sollte der Staat in den niedrigen Lohngruppen lieber die Lohnsteuer streichen.     

Keck liegt sehr daran, auch die schönen Seiten seines Berufs zu betonen. Dazu gehören die vielen Stammkunden, die handwerkliche Qualität zu schätzen wissen. Gefrorene Teiglinge kommen in der Traditionsbäckerei nämlich nicht zum Einsatz. Man arbeitet mit hauseigenem Sauerteig und Dinkelvorteigen, somit kann auf Backmittel- und Backmischungen bei der Brotherstellung komplett verzichtet werden. Manche Kunden kommen speziell wegen des sortenreinen Brotes, etwa aus Emmer, einer der ältesten kultivierten Getreidearten. Dienstags und freitags gibt es bei Keck Roggenvollkornbrot. Seelen würden noch immer nach dem Rezept des Firmengründers gebacken: Mehl (halb Weizen, halb Dinkel), Salz, Hefe und Wasser. Natürlich kommen heute Teigmaschinen zum Einsatz, es wird nicht mehr mit der Hand geknetet. Gefragt, was ihm am besten schmecke, meint er, dass er neben Vollkornbrot auch gerne eine Brezel esse. Sein Bruder schwört auf Altdeutsches Bauernbrot. Das ist auch das Meistgekaufte. Ob das auch in den nächsten 125 Jahren so bleibt, wird sich zeigen. 

Autorin: Andrea Reck



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