Ulm – Die Handwerkskammer Ulm blickt auf 125 Jahre zurück und feiert ihre Erfolge. Aber viele ihrer Mitgliedsbetriebe durchleben gerade schwierige Zeiten.
Was war 1900? In Paris präsentierte die Weltausstellung technische Errungenschaften, die das 20. Jahrhundert prägen sollten. Darunter der Dieselmotor, der Tonfilm und die Rolltreppe. Im Deutschen Reich, das gerade mal 56.345.014 Einwohner hatte, traten das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft. Wladimir Iljitsch Uljanow (später Lenin genannt) verließ Russland und ging über Genf nach München in ein fünfjähriges Exil. Die chinesische Volksbewegung der Boxer richtete sich gegen den wachsenden Einfluss der Kolonialmächte und die christliche Missionierung. Eine Telefonleitung zwischen Berlin und Paris wurde freigeschaltet. In Friedrichshafen unternahm Ferdinand von Zeppelin Probefahrten mit seinem 128 Meter langen Starrluftschiff LZ 1. Auf seiner Jungfernfahrt nach Nordamerika errang das Passagierschiff Deutschland das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung. Die Baker Motor Vehicle Company stellte auf der Automobil-Show in New York ihr erstes Elektroauto vor (das Thomas Alva Edison kaufte).
Und in Ulm? Da wurde am 1. Dezember 1900 die Handwerkskammer gegründet. 125 Jahre später hat sich viel verändert. Auch im Handwerk. Die Institution vertritt heute über 20.000 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee. In einem Festakt in Stuttgart wurde dieses Jubiläum, das auch die weiteren sieben Kammern im Land begehen, mit prominenten Gästen wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann gefeiert. Seit 125 Jahren ist die Handwerkskammer Ulm Sprachrohr und Berater des regionalen Handwerks. Dabei übernimmt sie Aufgaben wie die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften aus dem In- und Ausland, berät Betriebe bei Neugründungen und in wirtschaftlichen Fragen und dient als Vertreter des gesamten Handwerks und dessen über 130 verschiedenen Berufen. „In unseren Betrieben sprechen tausende handwerkliche Stimmen – wir machen daraus eine starke und bringen sie ein. Wir bündeln deren Anliegen und Forderungen und kanalisieren sie als Lautsprecher in die Öffentlichkeit und zur Politik. Dazu sind wir für unsere Mitgliedsbetriebe immer erreichbar und unterstützen diese mit unseren kostenlosen Beratungsangeboten bei allen Fragen“, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.
Als Selbstverwaltung des Handwerks mit ihren hoheitlichen Aufgaben – wie etwas das Führen der Handwerks- und Lehrlingsrolle oder das Prüfungswesen – und mit direkt gewählten Vertreterinnen und Vertretern aus den eigenen handwerklichen Reihen, trägt die Handwerkskammer Ulm auch aktiv zur Stärkung der Demokratie bei. Über 40 Prozent aller Handwerkerinnen und Handwerker engagieren sich ehrenamtlich – sei es in Politik, Vereinen oder sozialen Projekten, hob Professor Dr. Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichts in seiner Rede hervor.
Ebenfalls setzt sich die Handwerkskammer Ulm aktiv für Toleranz und Vielfalt ein und hilft bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Jeder vierte Auszubildende im Kammergebiet hat eine ausländische Staatsangehörigkeit – insgesamt kommen diese Menschen aus über 70 Ländern.
Die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer zwischen Jagst und Bodensee generierten im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 17 Milliarden Euro. Zentrale Aufgabe der Handwerkskammer Ulm ist es, die Interessen der regionalen Handwerksbetriebe in Politik und Öffentlichkeit zu vertreten. Zu den Aufgabenschwerpunkten gehören neben Ausbildung, Prüfungswesen und Führen der Handwerksrolle auch berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, vielfältige Beratungsleistungen für Betriebsinhaber wie Personalberatung und Angebote für Existenzgründer oder rund um die Unternehmensnachfolge und die Begleitung der Betriebe durch alle Fragen der Energiekrise.
In der jüngsten Sitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm Dr. Tobias Mehlich mit dem Handwerkszeichen in Gold geehrt, der höchsten Auszeichnung, die der Wirtschaftsbereich Handwerk in Deutschland zu vergeben hat. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke betonte: Mehlichs Einsatz für die berufliche Bildung, die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung und sein Beitrag zum Erhalt des Meistertitels seien Leistungen, die weit über das regionale Gebiet der Kammer hinausstrahlten. Mehlich kommentierte die Auszeichnung: „Unsere Betriebe haben derzeit tiefgreifende strukturelle Probleme auszuhalten. Das wird uns allen einiges abverlangen, von jedem und jeder in Deutschland. Ich bin dankbar für diese Auszeichnung.“
Autorin: Andrea Reck
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