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Foto: N. Thompson

Bad Buchau – Wer eine Reise zu den Anfängen Europas unternehmen möchte, der sollte sich auf den Weg zum Federseemuseum nach Bad Buchau machen. Dort finden sich auf nur 80 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Herkünfte der Yamnaya, die 3000 Jahre v. Chr. sich aus den Steppen nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres auf den Trail nach Westen gemacht und dadurch einen „Zeitenwandel“ herbeigeführt haben, der in historisch kurzer Zeit den ganzen Kontinent prägte, der späterhin Europa genannt wurde. „Als Europa wurde …“, lautet der Untertitel der Sonderausstellung „Zeitenwandel“, die vom Museumsleiter Ralf Baumeister kuratiert wurde und neugierig machen soll. Was zweifellos gelingt.

Es war die Kombination von Pferden als Reit- und Zugtieren sowie die Erfindung des Rads, mithin des Wagens zum Transport von Hab und Gut, das die Yamnayas hoch mobil machte. Foto: N. Thompson

Ehrlich gesagt: „Yamnaya“ klingt nach Winnetou und Prärie und löst bei mir einen Trigger aus. Auf den die Ausstellungsmacher mit ihrer Bildsprache – mit schemenhaften langhaarigen Reitern am Horizont vor untergehender Sonne – es gezielt abgesehen haben. Touché! Ich will wissen, warum das Museum am Federsee, das sich von Haus aus mit Pfahlbauten und deren sesshaft gewordenen Bewohnern in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, beschäftigt, nun plötzlich mit „Indianern“ aufwartet, die zudem auch noch mit Europa, unserem Europa zu tun haben sollen. „Yamnaya“? Nie gehört. Ich bin doch kein „Tschappel“!

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Europa im 3. Jahrtausend: Glockenbecher, Schnurkeramik und Yamnayas decken gegen Ende der Jungsteinzeit große Teile des Kontinents ab.

Die Ausstellung klärt mich auf. Um 3000 v. Chr. erlebt Europa einen fundamentalen Wandel: Neue Technologien, Wirtschaftsweisen und Denkmuster verändern das Zusammenleben der Menschen in rasantem Tempo. Auslöser sind Migrationsbewegungen vermutlich als Reaktion auf Klimaveränderungen – Viehzüchter aus den Steppen nördlich des Schwarzen und Kaspischen Meeres, heute als Angehörige der Yamnaya-Kultur bekannt, ziehen auf der Suche nach neuem Land westwärts und bringen eine andere Lebensweise mit. Innerhalb weniger Jahrhunderte entstehen dadurch neue Strukturen von Macht, Besitz und Identität.

Möglich machte dem Hirtenvolk diese raumgreifende Expansion über tausende Kilometern ein Tier: das Pferd! Das Huftier gab es schon lange. Als Wildtier wurde es auch am Federsee gejagt. Das machte satt, aber nicht mobil. Im Unterschied zu den Yamnayas, die gelernt hatten, das Wildpferd zu domestizieren und zu reiten. Ein gewaltiger Fortschritt, der einherging mit der bahnbrechenden Erfindung von Rad und Wagen. Denn Pferde als Reit- und Zugtiere sowie von Ochsen gezogene Wagen ermöglichten effizienteren Transport und schnelles Fortkommen. Dies verbesserte die Versorgung, intensivierte die Viehwirtschaft und schaffte neue Verbindungen über große Distanzen. Infolgedessen werden weiträumige wirtschaftliche und kulturelle Netzwerke geknüpft, durch die sich technologische Innovationen schneller als je zuvor verbreiteten. 

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Nachbildung eines Yamnayas, der deutlich größer und stärker war als die seßhaften Bauern, denen das Hirtenvolk begegneten. Foto: Reck

Die reitenden Ankömmlinge hinterlassen zudem deutliche kulturelle Spuren in den kleinteiligen Gesellschaften Europas: Anthropomorphe Steinstelen und aufwendig angelegte Grabhügel tauchen über ganz Europa hinweg auf. Sie zeugen von neuen Herrschaftsformen und die wachsende Bedeutung individueller Identität – sichtbar in der Bestattung von Anführern und ihren Familien. Aus der Bestattungskultur in Gruben mit Grabhügeln leitet sich aus dem russich-ukrainischen Sprachraum schließlich auch die Bezeichnung „Yamnaya“ ab. Es entwickeln sich patriarchale Gesellschaftsstrukturen: Frauen werden meist aus anderen Gruppen „eingeheiratet“, vererbt wird vom Vater zum Sohn. Auch genetisch ist der Wandel offensichtlich: Die Menschen in Europa verändern sich sichtbar – sie werden im Durchschnitt größer, hellhäutiger und tragen zunehmend die Merkmale der eingewanderten Steppenhirten, die in der einheimischen Bevölkerung aufgehen. Gleichzeitig gelangt mit den Yamnayas auch ein weiteres bedeutendes kulturelles Erbe nach Europa: die indoeuropäische Sprache, aus der viele der heutigen europäischen Sprachen hervorgegangen sind.

Hier findet der „Zeitenwandel“ statt. Das Federseemuseum als Pfahlbau ist Ort der Ausstellung. Foto: Federseemuseum

Vielfalt – Fundament Europas 

Die Botschaft der Ausstellung lautet: Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, archäologischer Funde und Rekonstruktionen zeigt die Ausstellung, dass Europa nie ein homogener Kulturraum war. Vielmehr ist seine Geschichte von Beginn an geprägt durch Mobilität, Austausch und Migration. Es war nicht eine einzige Kultur oder ein Volk, das „den Europäer“ hervorbrachte, sondern ein Mosaik verschiedenster Gruppen, die sich ergänzten und verschmolzen. Die Yamnaya trugen einen epochalen Teil dazu bei „als Europa wurde“.

Autor: Roland Reck



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