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Lukas Häfele und Freunde der letzten Generation hatten aufgerufen

Demonstration „Hitzefrei“ war schwach besucht



Foto: Uli Gresser
Der Demonstrationszug auf der Ravensburger Straße.

Bad Wurzach – Lukas Häfele, der sich selbst als „Aktiver der letzten Generation“ bezeichnet, hatte die Demonstration „Hitzefrei“ in Bad Wurzach organisiert, aber kaum jemand aus den Schulen und der Bevölkerung beteiligte sich an dem Demonstrationszug vom Schulzentrum zur Haltestelle Salvatorkolleg, von dort dann zum Klosterplatz und nach einem weiteren Zwischenstopp beim Postplatz noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit über die B465 durchs Ried hinaus nach Willis.

Drei der Redner am Postplatz: Samuel Bosch, die Studentin Christiane aus Ulm und der Windkraft-Befürworter Ulrich Walz (von links). Foto: Uli Gresser

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Als der Demonstrationszug sich mit Verspätung vom Sammelplatz beim Schulzentrum in Bewegung setzte, dürfte Lukas Häfele schon etwas ernüchtert gewesen sein: Kaum jemand war seinem Aufruf gefolgt, insbesondere die Schülerschaft von allen Schulen blieb der Demonstration fern. Dafür war das Aufgebot der Polizei umso beeindruckender: 15 Polizisten mit sechs Fahrzeugen begleiteten die Demonstranten „auf ihrem Zug durch die Gemeinde“, anfangs quasi jeweils ein Gesetzeshüter als Begleitschutz für jeden Demonstranten.

Dabei verlief alles friedlich. Die Landschaftsschützer hatten sich an der Bushaltestelle gegenüber dem Schulzentrum mit einem Transparent postiert; mit ihrem Transparent warnten sie vor der Errichtung von riednahen Windkraftanalagen.

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Anwesend waren auch die Leiterin des Ordnungsamtes und die Vollzugsbeamtin, die gemeinsam mit einer Vertreterin der Genehmigungsbehörde Landratsamt als Obrigkeit das Geschehen beobachteten.

„Das Mehr-höher-Weiter funktioniert nicht mehr“

Am Postplatz erläuterte Lukas Häfele zunächst, wie er zu dem Titel „Hitzefrei “ jetzt mitten im Dezember gekommen war: „Wir haben viele heiße Rekordsommer nacheinander gehabt und es werden noch viele folgen“, sagte er vorab. Unsere Gesellschaft sei auf Wirtschaftswachstum „gepolt“, „aber die Ressourcen dieser Erde sind endlich.“ Das Mehr-höher-weiter-Prinzip habe vielleicht die letzten 50 Jahre funktioniert, „aber es geht nicht an, dass man auch jetzt noch immer größere Autos und Wohnungen kauft.“ Und nahm damit Bezug auf ein mitgeführtes Transparent: „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten!“

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Dr. Ulrich Walz sagte: „Bei der Weltklimakonferenz in Dubai wurde eine Erderwärmung von 2,7 Grad als Ziel ausgegeben, dabei ist bekannt, dass viele Städte ab 3,0 Grad bereits unbewohnbar sind.“ Es sei jetzt an der Zeit zu handeln, angesichts von 50 Millionen Autos auf Deutschlands Straßen und rekordverdächtigen 21 Millionen Flugpassagieren im letzten Jahr.

Heruntergerechnet auf Bad Wurzach ergebe sich so eine Last von 14 Tonnen CO2 pro Einwohner. Um dies zu ändern, propagiert er den Bau von möglichst vielen Windkraftanlagen auf den Anhöhen rund um Bad Wurzach und Bad Waldsee, da diese die am besten geeigneten Standorte dafür seien. Wörtlich empfahl er, „die Blockierer zu blockieren“.

Samuel Bosch, der es im Baumhaus-Camp im Altdorfer Wald zu einiger Bekanntheit gebracht hat und nach eigener Aussage von der Rettung von Lebensmitteln vor Waste-Food (Verschwendung) lebt, sagte in seinem Beitrag, die Schuld am Klimawandel liege bei den fünf großen Volkswirtschaften; betroffen seien vor allem die Südländer.

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Christine, eine 25-jährige Studentin aus Ulm, sprach den riesigen Wasserverlust an, den Deutschland und insbesondere Oberschwaben in den letzten Jahren erlitten habe. Er liege etwa in der Größenordnung vom Volumen des gesamten Bodensees. Sie appellierte hier auch an die Verantwortung der Lokalpolitiker.

Noch einmal Lukas Häfele: Er sprach nach der Rückkehr vom Klosterplatz bei der Zwischenstation am Busbahnhof noch einmal den riesigen ökologischen Fußabdruck der Reichen an, die mal kurz mit dem Privatjet für einen Kaffee nach Sylt flögen. Und er prangerte auch das Verhalten der Behörden an, nachdem bei Unterzeil / Aichstetten ursprünglich Windkraftanlagen geplant waren, dann aber wieder – eben wegen des Flugplatzes – von der Agenda genommen wurden (im neuen Regionalplan-Entwurf wieder enthalten / Anm. d. DBSZ.-Red.).

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Landschaftsschützerin Carmen Pöhl bat die Veranstalter darum, sprechen zu dürfen. Ihr Anliegen ist der Schutz des Wurzacher Riedes, eines hochwertigen Naturschutzgebietes und einer bedeutenden CO2-Senke. Als die Veranstalter registrierten, dass sie eine Gegnerin des Errichtens von Windkraftanlagen in Riednähe ist, wurde ihr vorübergehend das Mikrophon entzogen.

Lukas Häfele wiederum sprach sich dezidiert für die Errichtung von WKA im Hummelluckenwald bei Humberg aus (etwa 4 Kilometer Luftlinie vom Ried entfernt).

Der Wunsch von Lukas Häfele, „zivilen Ungehorsam“ zu zeigen, wurde von den Bad Wurzacher Schülern nicht erfüllt. Dafür machten sich die Demonstranten mit ihrem Marsch über die B465 nach Willis nicht gerade viele Freunde, auch nicht bei den begleitenden Polizisten, die sich fragten: „Wer beim Landratsamt genehmigt so etwas und bindet 15 Polizisten für so einen Zweck?“
Uli Gresser

„Schulpflicht gibt’s. Punkt!“

Für die Teilnahme an der Klima-Demo „Hitzefrei“ hatte es von der Schulleitung des Salvatorkollegs keine Schulbefreiung gegeben. Auf Anfrage der Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ beschrieb Klaus Amann, der Rektor des Gymnasiums, die Rechtslage und das daraus abgeleitete Handeln der Schulleitung mit eindeutigen Worten: „Schulpflicht gibt’s. Punkt!“ Zur Demonstration hatten die Veranstalter um Lukas Häfele bereits ab 11.30 Uhr aufgerufen – zu einem Zeitpunkt also, an dem noch Unterricht stattfand. „Schule ist ein neutraler Ort“, sagte Klaus Amann im Gespräch mit der Bildschirmzeitung. Er schätze das Demonstrationsrecht als hohes Gut und auch das Anliegen des Klimaschutzes. Aber die Schule als öffentliche Institution dürfe sich nicht mit politischen Themen solidarisieren – und seien sie noch so ehrenwert. Deshalb habe die Schulleitung auch keinerlei Werbung für die Veranstaltung im schulischen Bereich zugelassen. Einen am Morgen des Kundgebungstages an einem Fenster angebrachten Flyer habe er entfernen lassen.

Die ab 13.00 Uhr auf dem Platz vor der ehemaligen Post angesetzte Kundgebung (gestartet war die Demonstration um etwa 11.30 Uhr an der Riedsporthalle) habe erhebliche Auswirkungen auf das Heimkommen der Auswärtsschüler der Bad Wurzacher Schulen gehabt. Zusammen mit der Stadt, dem Landratsamt und dem Busunternehmen Ehrmann habe man den Schulbusverkehr am Kundgebungstag auf das weiträumige Areal vor dem Aldi verlegt. Er sei dankbar für das kollegiale Miteinander bei der Umorganisation der Schülerbeförderung, sagte Klaus Amann. (rei)

Viele Bilder von der „Hitzefrei“-Demonstration am 15. Dezember in unserer Galerie.



Fotos: Uli Gresser

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