Die „Aktionsgemeinschaft für das Leben” besteht seit 40 Jahren
Wolfegg – Die Aktionsgemeinschaft für das Leben, ein eingetragener Verein, der sich in Oberschwaben für den Schutz des menschlichen Lebens in all seinen Phasen, zu Beginn und auch am Ende, einsetzt, besteht seit 40 Jahren. Gegründet 1985 von den CDU-Politikern Josef Dreier, Claus Jäger, Alfons Maurer und Alois Graf von Waldburg-Zeil, wird die Vereinigung seit 32 Jahren von Maria Hartel aus Aulendorf geführt. Am 29. November hielt man Rückschau auf die 40 Jahre und die Ehrenvorsitzende Benedikta Gräfin von Waldburg-Zeil nannte eine Zahl, die staunen macht: In 600 Fällen habe man „Leben gerettet“, habe man mitgeholfen, dass Schwangere und ihr Umfeld in einer Konfliktsituation ja sagten zum ungeborenen Leben. Benedikta von Waldburg-Zeil, die lange Jahre die Vereinskasse führte, dankte bei der Festversammlung in der „Post“ in Wolfegg allen, die daran mitgewirkt haben, und insbesondere der unermüdlichen Maria Hartel.
Gräfin von Waldburg-Zeil schloss ihre Ansprache mit den Worten: „Mein Job als Schatzmeisterin hat mir immer Spaß gemacht und vielleicht der Allgemeinheit ein wenig geholfen. So bedanke ich mich herzlich für die hohe Ehrung, die ich heute empfangen darf.“ Im Rahmen des Jubiläumsfestes war die Ernennung von Benedikta Gräfin von Waldburg-Zeil zur Ehrenvorsitzenden dankbar nachvollzogen worden; die Ehrung war am 4. Dezember 2024 beschlossen und im Frühjahr 2025 im Rahmen einer erweiterten Vorstandssitzung gefeiert worden (die Bildschirmzeitung hat darüber berichtet (https://www.diebildschirmzeitung.de/allgaeu-oberschwaben/allgaeu-oberschwaben/benedikta-graefin-von-waldburg-zeil-nun-ehrenvorsitzende-121743/).

Maria Hartel, Nachfolgerin der Gründungsvorsitzenden Marianne Härle, würdigte in ihrer Rückschau auf das in den 40 Jahren Geleistete die vier Hauptgründer sowie den 2014 verstorbenen Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Schockenhoff, der dem Verein bei seiner Arbeit hilfreich zur Seite gestanden sei. Und sehr anschaulich schilderte sie, wie Staatssekretär Josef Dreier mit einer stattlichen Limousine auf einem Bauernhof vorgefahren sei, der in wirtschaftlichen Nöten war und wo sich zu allem Überdruss noch ein Kind ankündigte. Ihm sei es gelungen, einen Ausweg aus Not und Verzweiflung zu finden.
In einem ähnlichen Fall schaltete Maria Hartel den Bundestagsabgeordneten Claus Jäger – Maria Hartel: „Er war der spiritus rector unseres Vereins“ – ein. In jener hochdramatischen Situation – die zum fünften Mal schwangere Bäuerin war suizidgefährdet – wandte sich Maria Hartel auch an den damaligen Rottenburger Bischof Walter Kasper und an die Landwirtschaftsspitzenbeamten Anton Denninger und Franz Schweizer. Es wurde bei der Bank für sieben Milchkühe gebürgt und das Bauernpaar bekannte sich zu seinem Kind. Beim jüngsten Kind ist Maria Hartel Patin.
„Blutverschmiertes Geld“
Hohe Wellen schlug Maria Hartels Kampf gegen eine als Tinnitusklinik getarnte Abtreibungsklinik, die in Aulendorf, ihrem Wohnort, in den 1990er-Jahren geplant war. In der damals hochverschuldeten Stadt wurde sie angefeindet, weil sie eine Investorin vergraule und die Schaffung von Arbeitsplätzen verunmögliche. Die Kampagne eskalierte so sehr, dass Stadtpfarrer Dr. Josef Utz sich in einer Predigt mit ihr solidarisierte – „eine Frau wird verleumdet“ – und vor „blutverschmiertem“ Geld warnte. Der Protest der Maria Hartel gegen die geplante Abtreibungsklinik fand in den Medien erheblichen Widerhall. Außer der ortsansässigen „Schwäbischen Zeitung“ griffen auch der SWR, der „Schwarzwälder Bote“ und die „Stuttgarter Zeitung“ den Widerstand der Lebensschützerin auf. Die „Stuttgarter Zeitung“ nannte sie eine „katholische Fundamentalistin“. Maria Hartel schloss ihre Ansprache beim Jubiläumsfest am 29. November 2025 in Wolfegg mit den Worten: „Ich bin stolz darauf, zum Fundament eines guten Hauses zu gehören.“

Maria Hartel bei ihrer Ansprache. Neben ihr (sitzend) der Referent des Festvortrages Vitus Graf von Waldburg-Zeil.
„Der Eid des Hippokrates wird entwertet“
Vitus Graf von Waldburg-Zeil befasste sich im Festvortrag mit zentralen Aspekten der Abtreibungsproblematik, ausgehend von der Antike. Der Referent beklagte eine Aufweichung des Hippokratischen Eides, demzufolge Schwangerschaftsabbrüche ärztlichem Ethos widersprechen. Sei in der Erklärung der UNO-Charta 1945 Abtreibung noch abgelehnt worden, so werde die Frage, wann menschliches Leben beginne, zunehmend relativiert. Der gesellschaftliche Konsens verändere sich stetig zu Lasten des ungeborenen Lebens, wie man zuletzt bei der Aufhebung des Werbeverbotes für Abtreibung (§ 219a StGB) durch die Ampel-Regierung gesehen habe.
„Mensch von Anfang an“
Vitus Graf von Waldburg-Zeil, Priester der römisch-katholischen Kirche, sprach Klartext: „Menschliches Leben beginnt mit der Vereinigung von Eizelle mit Samenzelle.“ Ab diesem Zeitpunkt bestehe ein Recht auf Leben. „Der Atem Gottes wird uns bei der Zeugung eingehaucht.“ Wer von einem „unwerten“ Zellhaufen spreche, dessen Ehrfurcht vor menschlichem Leben sei auch an dessen Ende nicht in ausreichendem Maße gegeben. „Mensch ist man von Anfang an. Und Mensch ist man bis zum letzten Atemzug!“, rief der Geistliche aus. Es sei frappierend, wie in den reichen Gesellschaften des Westens das Recht auf Leben aus materiellen Gründen („Kostenfaktor Kind”) mit Füßen getreten werde. Beim Schreddern von männlichen Küken gäbe es den Aufschrei von Tierschützern, den Skandal der Abtreibung von mehr als 100.000 ungeborenen Menschen allein in Deutschland – Jahr für Jahr – verbuche man unter Selbstbestimmung der Frau. Es gebe in der moralischen Einordnung der Abtreibung zunehmend eine Verwirrung und eine Entwertung wichtigster ethischer Standards. „Hier darf die Kirche nicht schweigen!“ Ihre Kernaufgabe sei es, auch in dieser Frage zur Gewissensbildung das Richtige zu sagen: „Du sollst nicht töten. Die Tötung von Kindern im Mutterleib ist eine schwere Sünde.“
Natürlich stellte sich der Geistliche in seinem Plädoyer auch den Fragen von Barmherzigkeit und Vergebung. Das sei etwas Urchristliches. Dessen ungeachtet sei es Aufgabe und Pflicht der Kirche, „der Kultur des Todes“ entgegenzutreten. Mit diesem Zitat von Johannes Paul II. beschloss der Referent seinen Vortrag, in dem er bessere Rahmenbedingungen für Schwangere in Konfliktsituationen forderte und auch an die Verantwortung der Väter appellierte. Und dem Verein für seine stille Hilfe in unzähligen Notsituationen im Rahmen seiner Möglichkeiten dankte (die Aktionsgemeinschaft wird von etwa 200 Mitgliedern getragen und unterstützt Schwangere in Not im Kreis Ravensburg).

Vitus Graf von Waldburg-Zeil bei seinem Vortrag.
Ehrungen
Zur Jubiläumsversammlung des Vereins gehörten auch Danksagungen und Ehrungen. Namentlich dankte die Vorsitzende Maria Hartel Regina Adler fürs Helfen beim Vorbereiten des Festes und dem kürzlich verstorbenen Vereinsmitglied Anton Geray für sein standhaftes Eintreten für den Lebensschutz in der Öffentlichkeit, insbesondere durch unermüdliches Schreiben von Leserbriefen, oft veröffentlicht in der „Schwäbischen Zeitung“ und im „Katholischen Sonntagsblatt“. Herzlich dankte Maria Hartel auch Thomas Schwegler, der Woche für Woche eine Gebetsstunde im Schönstattzentrum Aulendorf abhält (dienstags von 18.00 Uhr bis 18.45 Uhr). Beten sei in Zeiten der Umwertung der Werte von größter Wichtigkeit; der Betende stemme sich gegen den Zeitgeist.
Außer Gräfin Benedikta wurden geehrt:
für 40 Jahre Mitgliedschaft:
Minister a. D. Rudolf Köberle
Dr. Hubertus Pogorzelski (in Abwesenheit)
Dr. Joseph Graf von Waldburg-Zeil
für 25 Jahre:
Angela Amann (Schriftführerin)
für 20 Jahre:
Josef Traub (Schatzmeister); in Abwesenheit
für 10 Jahre
Gerhard Reischmann (Pressereferent)
„Maria hat ihr Ja gesagt“
Die Aktionsgemeinschaft für das Leben e. V. versteht sich als ökumenisch und überparteilich. Aber sie lebt aus katholischem Geist. Deshalb war es für die 40 Teilnehmer eine Selbstverständlichkeit, die Jubiläumsfeier „40 Jahre“ mit einer Eucharistiefeier zu beginnen. Zelebrant bei der Heiligen Messe war Pfarrer Vitus Graf von Waldburg-Zeil. Er stellte die Gottesmutter Maria in den Mittelpunkt der Feier, die Ja gesagt habe zum völlig Unerwarteten. Dabei warf er auch den Blick auf Josef, der unter skandalösen Umständen – sie war unverheiratet schwanger – zu Maria gestanden sei. „Die beiden haben zusammengehalten. Und sie haben auf Gott vertraut“, so Pfarrer Vitus Graf von Waldburg-Zeil in seiner Predigt.
Die Fürbitten verlas Maria Hartel. Sie wandten sich an Gott als der Quelle allen Lebens. Eine der Bitten lautete sinngemäß so: Hilf uns, nicht nachzulassen in unserem Einsatz für das Leben an dessen Beginn und an dessen Ende.

Ministrant bei der Heiligen Messe in St. Katharina in Wolfegg war der fast 80-jährige Franz Blank, auch er ein Mitglied der Aktionsgemeinschaft. Es zelebrierte Pfarrer Vitus Graf von Waldburg-Zeil.
Am Festtag der Aktionsgemeinschaft für das Leben e.V nahmen unter anderem die ehemaligen Landesminister Ulrich Müller und Rudi Köberle und die Landtagsabgeordneten Raimund Haser und August Schuler teil. Grüße kamen vom Bundestagsabgeordneten Axel Müller, der in Berlin unabkömmlich war, und von Clemens von Waldburg-Zeil, Sohn des Mitbegründers Alois Graf von Waldburg-Zeil.
Die Vorstandschaft der Aktionsgemeinschaft für das Leben e. V.
Vorsitzende: Maria Hartel, Aulendorf
Stellvertretende Vorsitzende: Margret Biechele, Ochsenhausen
Schatzmeister: Josef Traub, Baindt
Schriftführerin: Angela Amann, Bad Wurzach
Pressereferent: Gerhard Reischmann, Bad Wurzach
Kassenprüfer: Johannes Hepp, Bad Waldsee
Spendenkonten
Aktionsgemeinschaft für das Leben e.V.
Volksbank Allgäu-Oberschwaben
IBAN: DE40 6509 1040 0283 2220 00
BIC: GENODES1LEU
Kreissparkasse Ravensburg
IBAN: DE 26 6505 0110 0000 9459 45
BIC: SOLADES1RVB
Der Verein ist gemeinnützig, Spenden sind absetzbar, eine Spendenbescheinigung erhalten Sie auf Anfrage.
Kontakt
Frauen in Not können sich gerne an Maria Hartel wenden (Tel. 07525 / 1508).
Wer Mitglied werden möchte, wende sich ebenfalls an Frau Hartel.
Unter Downloads haben wir den Flyer der Aktionsgemeinschaft hinterlegt
Nachstehend Links zu Artikeln, die skizzieren, was die Aktionsgemeinschaft macht und wofür sie steht:
Text und Fotos: Gerhard Reischmann




