Ortsheimatpfleger mit Brief und Siegel ausgestattet
Bad Wurzach – Die Stadtverwaltung lud die bereits benannten Ortsheimatpfleger zur Übergabe ihrer Bestellungsurkunden sowie alle an der Heimatpflege Interessierten zu einem ersten gemeinsamen Gedankenaustausch in den Sitzungssaal in Maria Rosengarten ein.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer zeigte sich erfreut, dass so viele Bürger der Einladung zu dem informellen Treffen gefolgt waren. Ihre Urkunde überreicht bekamen Alfred Engelhardt (Haidgau), Gebhard Baumann (Arnach), Siegfried Stampfer (Seibranz) sowie Dr. Siegfried Roth.
Siegfried Roth, Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried, ist neuerdings auch der Schriftführer der AG Heimatpflege Württembergisches Allgäu, dessen Vorsitzender Stephan Wiltsche vor kurzem in einer Gemeinderatsitzung die Werbetrommel für die Heimatpflege gerührt hatte. In der AG sind Städte und Gemeinden Mitglied, aber auch Vereine wie etwa der Heimatverein „Wurzen”.
Eine illustre Runde
Es war eine illustre Gesellschaft, die den Weg in den Sitzungssaal gefunden hatten: Karl Ehrmann, Gründer von Ehrmann-Reisen und Betreiber eines kleinen Museums, war der Senior der Versammlung, Hubert Bohner (Ortschaftsrat) in Haidgau der Benjamin. Mit Engelhardt und Bohner war auch Ernestina Frick, die Ortsvorsteherin aus Haidgau, gekommen und demonstrierte damit eindrücklich, wie groß Heimatpflege in Haidgau geschrieben wird. Die Ortschaft Hauerz war durch den ehemaligen Gemeinde- und Ortschaftsrat Hermann Müller sowie Hildegard Kussauer vertreten; Frau Kussauer ist als ehemalige Vorständin des Leprosenhaus-Vereins sowie als Restauratorin schon tief mit der Materie vertraut. Reinhold Mall, der auf Initiative von Adelgund Mahler gemeinsam mit anderen Filmschaffenden die Interview-Reihe mit ehemaligen Torfarbeitern realisiert hatte, war ebenso gekommen wie Adelgund Mahler, die mit dem Sepp-Mahler-Haus bereits ein Gedenkstätte betreibt. Eine prominente Geschichts- und Heimatforscherin ist Gisela Rothenhäusler, die sich als Historikerin intensiv mit der Deportation der Bewohner der Kanalinsel Jersey ins Wurzacher Schloss während des Zweiten Weltkriegs befasste und maßgeblich an der Pflege der engen partnerschaftlichen Verbindung zu St. Helier beteiligt ist. Der Arnacher Ortsvorsteher Manfred Braun sowie als Vertreter der AG Heimatpflege Württembergisches Allgäu Günter Brutscher aus Mennisweiler vervollständigten neben Martin Tapper, in dessen Ressort bei der Verwaltung die Heimatpflege fällt, die Runde.

Die Teilnehmer am ersten Ortsheimatpfleger-Treffen. Foto: Uli Gresser
„Tradition und Brauchtum erhalten“
„Uns ist wichtig, dass Geschichte, Tradition und Brauchtum für die Zukunft erhalten werden“, sagte die Bürgermeisterin, die auf die sehr detaillierte Homepage der AG verwies, auf der das ganze Spektrum, was Heimatpflege sein kann, dargestellt werde. Alexandra Scherer regte an, in den Ortschaftsräten vorzustellen, was die Ortsheimatpfleger machen. „Nichts muss, aber alles kann“, das sei das Motto der Heimatpflege.
Die Alten befragen
Hildegard Kussauer kennt zum Beispiel in Hauerz eine Frau, die sehr viel über Waldarbeiter und ihre Geschichte in der Gegend weiß. Deswegen sei es so wichtig, dass man solche Leute interviewt und auf Video aufnimmt; ebenso wie die noch lebenden Mitarbeiter in den Webereien, weil Wurzach ja Jahrhunderte lang eine Weberstadt gewesen sei.
Ortsarchive geordnet
Martin Tapper erklärte, dass in den letzten 20 Jahren die Archive in den Ortschaften vom ehemaligen Hauptamtsleiter Jürgen Schumacher gemeinsam mit der Museologin Ines Ebert überarbeitet wurden. Mit Ausnahme von Gospoldshofen und Ziegelbach, deren Überarbeitung noch aussteht. Siegfried Stampfer verwies in diesem Zusammenhang auf das Landesarchiv in Ludwigsburg, das Kurse anbietet, wie man ein Archiv führt. Gisela Rothenhäusler kennt dies auch vom Kreisarchiv. Kontakt zum Kreisarchiv könne man am 7. März bei einer Tagung in Weingarten, Sauterleute-Straße, aufnehmen, regte Alfred Engelhardt an.
„Identitätsstiftend“
Ernestina Frick fasste den Zweck des Abends treffend zusammen: „Wir wollen die Leute dazu bringen, sich mit Geschichte zu befassen. “ Dies sei auch wichtig für den Erhalt der eigenen Identität. Alfred Engelhardt ergänzte, dass jeder Augenblick bald Geschichte sei und es ohne das Wissen um die Vergangenheit keine Zukunft gebe. Um diesen Prozess zu steuern, wolle man gezielt interessierte Leute ansprechen, sagte die Bürgermeisterin zum Abschluss. Heimatpflege sei vor allem ehrenamtliche Arbeit, die Stadtverwaltung werde diese gerne unterstützen.
Uli Gresser















