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Kommentar

Anmerkungen, Heimat betreffend



Mobilität und Migration verändern unsere Heimat. Kulturelle Zusammengehörigkeiten lösen sich auf, Identitäten gehen verloren. Die Pflege der Heimat tut not. Der Bad Wurzacher Gemeinderat hat mit Gebhard Baumann für Arnach, Alfred Engelhardt (weiterhin für Haidgau), Dr. Siegfried Roth (Bad Wurzach) und Siegfried Stampfer (Seibranz) vier Ortsheimatpfleger benannt. Tüchtige, bewährte Männer. Nachstehend einige Anmerkungen, Heimat betreffend:

Ein dem Schreiber dieser Zeilen verbundener Stadtarchivar – er lebt nicht mehr – hatte dann und wann geseufzt: „Jetzt fehlt schon wieder ein Haus.“ Sein Wehklagen galt dem Abriss historischer Bausubstanz. Im Nachgang machte er Notizen über den Verlust.

Von den Bomben das Zweiten Weltkrieges blieben die alten Städte Oberschwabens und die schmucken Dörfer weitgehend verschont. Nicht aber von einer Abrisswelle und Neubau-Manie nach dem Krieg, die die Anmutung unserer Orte tiefgreifend verändert hat. Ein Prozess, der bis heute anhält.

Man könnte Beispiele zuhauf nennen. Wir wollen aber keine alten Wunden aufreißen.

Die Pressionen der örtlichen Politik und Immobilienwirtschaft sind gewaltig. Beliebte Methode: der kalte Abriss. Man lässt ein ortsgeschichtlich wichtiges Gebäude so lange ungeheizt und unbewohnt im Regen stehen, bis es unbrauchbar geworden ist. Bis es allenthalben heißt: „Des alt Glomp ghert weg!“

Hier gilt es für die Ortsheimatpfleger, mutig das Wort zu ergreifen. Gegen den Strom zu schwimmen. Vorschläge zu machen.

Heimatpflege ist aber weit mehr als Fassadenerhaltung.

Nehmen wir das Beispiel Mundart. Hier sind zuvorderst die Eltern gefordert. Wohlmeinend, wie Vater und Mutter in aller Regel sind, und im falschen Glauben, dass der Dialekt hinterwäldlerisch und karrierehemmend sei, lehren sie ihren Kindern einen Sprachmischmasch aus Schriftdeutsch und Mundartrelikten. Über dieses Unterfangen ist zum Beispiel das Hessische in weiten Teilen des Landes ausgestorben.

Der Schreiber dieser Zeilen kann sich noch an den Heimatkundeunterricht in der Volksschule Arnach Ende der 1960er-Jahre erinnern. Sorgfältig wurden die Grenzen der damals noch selbständigen Gemeinde umrissen und jeder noch so kleine Wohnplatz wurde eingezeichnet. Er wunderte sich, dass das nahe Riedlings nicht zu Arnach gehörte, wohl aber das Truschwende diesseits der Ach.

Und dann die heimatkundlichen Wanderungen mit Fräulein Köhler! Eines Tages sah der Knirps Gerhard R. ein großes Wasser. Es war – der Holzmühleweiher.

Inwiefern heutzutage ein Heimatliebe entzündender Heimatkundeunterricht angeboten wird, entzieht sich der Kenntnis des Kommentators. Sicherlich gibt es da und dort engagierte Lehrkräfte, die sich darum bemühen. Die vielleicht auch die schönen alten Lieder mit den Kindern singen.

Dass Heimatpflege mehr ist, als sich in einem betulichen Brauchtumskabinett einzurichten, macht Stephan Wiltsche, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im württembergischen Allgäu e.V., vor. Er nahm zu den Windkraftplänen in der Region wie folgt Stellung: „Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im württembergischen Allgäu e.V. erhebe ich Einspruch gegen die Planung von Windenergieanlagen (WEA) in gesamten Bereich des württembergischen Allgäus (Altkreis Wangen) als auch dem angrenzenden Altdorfer Wald. (…) Die zahlreich projektierten Windenergieanlagen (…)  zerstören allein schon durch ihre unverhältnismäßig großen vertikalen Höhen das in seiner Vielfalt, Eigenheit und Schönheit einmalige, horizontal dominierte Landschaftsbild des württembergischen Allgäus. Dies hat wegen seiner weitgehend noch intakten Fauna und Flora, den Mooren, Wäldern, der kulturlandschaftsprägenden Grünlandbewirtschaftung und vor allem dem unverstellten Bergblick einen unmittelbar erholenden und ausgleichenden Charakter. Diese Intaktheit des natürlichen Landschaftsbildes wird durch jede einzelne WEA empfindlich gestört, im unmittelbaren Umfeld sogar zerstört. (…). Für die Allgäuer Landschaft, die im Tourismus wesentlich vom intakten Landschaftsbild lebt, ist solch ein massiver Eingriff in das Landschaftsbild durch WEA auch wirtschaftlich direkt negativ beeinträchtigend. Das unverstellte Landschaftsbild ist ein wesentliches wirtschaftliches Kapital. Ich betrachte diese Form der Energiegewinnung in unserer Region des württembergischen Allgäus als einen Irrweg.“

Gewiss, die ehrenamtlichen Ortsheimatpfleger können keine Wunder wirken. Aber sie können mahnen, warnen, anregen. Und da und dort doch etwas verhindern. Positiv gesagt: Sie können Heimat stiften.

Dabei wollen wir von der Bildschirmzeitung sie unterstützend begleiten. Uns ist Heimatpflege ein Herzensanliegen. Die redaktionelle Linie unserer digitalen Heimatzeitung lautet: „Aus christlicher Verantwortung wollen wir die oberschwäbische Kultur und Natur bewahren.“

Diesen Leitsatz haben wir in unserem Wort zu Weihnachten mit folgenden Formulierungen erneut nach vorne gerückt. „Oberschwaben und das Allgäu, unsere Heimat, sind von der Botschaft, die an Weihnachten in die Welt kam, nachhaltig geprägt. Diese Prägung muss sich im Profil unserer digitalen Heimatzeitung wiederfinden, meinen wir. Wir fühlen uns diesem Erbe verpflichtet und wollen mit unseren bescheidenen Kräften an der Erhaltung und Weitergabe unseres kulturellen Erbes arbeiten.“

Jetzt ist der Kommentator, der den Neu-Ortsheimatpflegern Aufmunterndes und Stärkendes auf ihrem mitunter steinigen Weg mitgeben wollte, aber in arg kulturpessimistisches Fahrwasser geraten. Wir wünschen Gebhard Baumann, Alfred Engelhardt, Dr. Siegfried Roth und Siegfried Stampfer Kraft und Stehvermögen für ihr wichtiges Amt.
Gerhard Reischmann



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