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Kommentar

Hausarzt verzweifelt gesucht



Die Gesundheitsversorgung hierzulande weist immer mehr Lücken auf. Wir nennen ein Beispiel aus Bad Wurzach. Und das ist kein Einzelfall.

Karl Ehrmann ist für seine 90 Jahre bemerkenswert gut beieinander. Er ist eine stadtbekannte Persönlichkeit. War ein erfolgreicher Unternehmer. Und ein Mann, der der Allgemeinheit diente. Der das Brauchtum um das Heiligblutfest hochhielt. Der 58-mal Hilfstransporte nach Weißrussland organisierte. Und dabei selbst am Steuer saß.

Er ist ein Mann, der auf ein gelungenes Leben zurückschaut und eigentlich rundum zufrieden ist. Eigentlich.

Denn er hat ein Problem. Obwohl wirklich rüstig, braucht auch er seine Tabletten. Jetzt hat sein Hausarzt aufgehört.

Es ist unglaublich: Herr Ehrmann findet keinen neuen Hausarzt. Die am Ort praktizierenden Ärzte haben alle übermäßig viel zu tun; es liegt gewiss nicht am fehlenden Willen. Es liegt am System!

Der Fall Ehrmann ist kein Einzelfall. Wir haben ihn herausgegriffen wegen seiner Prominenz.

Viele – ob namhaft und verdienstvoll oder bescheiden und unauffällig – suchen verzweifelt nach einem Hausarzt. Nicht nur in Bad Wurzach. Nein, im ganzen Land. Überall in Deutschland.

Die Stadt Bad Wurzach weiß um das Problem. Und sie tut auch etwas. Sie hat eine Webseite geschaltet, auf der für die Niederlassung von Ärzten in der lebenswerten Stadt am Ried geworben wird. „Jetzt eigene Praxis in Bad Wurzach gründen und Natur und Freizeit im Wohlfühlort genießen“, heißt es da. Und: „Alpen-Fans haben die Berge in Bad Wurzach in Sichtweite und können sich schon bei der Arbeit auf das nächste Gipfelglück freuen.“

Vor bald zwei Jahren ging diese Webseite online. Sie werde in einem erfreulichen Maße angeklickt, weiß Martin Tapper, der bei der Stadt dieses Projekt betreut. Es habe auch vereinzelt schon Rückmeldungen von auswärtigen Ärzten gegeben. Ein konkretes Ergebnis sei aber bisher nicht zustandegekommen.

Man muss es klar benennen. Das ist kein Problem Bad Wurzach. Hier wird ein bundesweites Problem sichtbar. Das Gesundheitswesen in Deutschland ist an die Wand gefahren. Stichwort: Notaufnahme. Stichwort: Ärztemangel.

Frau Warken, übernehmen Sie.
Gerhard Reischmann

PS: Nina Warken ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Gesundheit der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat ein dickes Brett zu bohren.




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