Becker-Schramms Gesangsklasse zeigt erneut Extraklasse
Bad Waldsee – Das 22. Winterkonzert von Elena Becker-Schramms Gesangsklasse durften 13 Schüler gestalten. Wie immer war das Konzert in der Schulmensa sehr gut besucht. Unter den Gästen waren nicht nur die frühere Vorsitzende der Jugendmusikschule Dr. Renate Rettberg und der aktuelle Vorsitzende Martin Pfob, auch Pfarrer Stefan Werner war gekommen und natürlich Schulleiter Michael Dümmler in seiner Doppelfunktion für Technik in der Mensa. Jüngster Gast war das erst sechs Wochen alte Schwesterchen der Jungschülerin Alina Heim. Bürgermeisterin Monika Ludy musste wegen Erkrankung auf ihren angesagten Besuch verzichten. Einige Schüler und auch die Lehrerin selbst traten trotz starker Erkältung auf die Bühne.

Nach dem so gelungenen Konzert gab es Blumen für die Gesangspädagogin.
Alina Heim

Die gerade mal zehn Jahre alte Alina Heim durfte das Konzert eröffnen. Ihr Klassikbeitrag war Ludwig van Beethovens „Marmottenbube“ und im Popbereich „Ein Löffelchen Zucker“ aus dem Musical „Mary Poppins“. Völlig unaufgeregt trat Alina vors Mikrofon. Mit bereits gut ausgebildeter Stimme verkörperte sie die einst armen und bettelnden Kinder aus Savoyen. Das zugehörige Murmeltier (Marmotte) konnten sich die Gäste leicht vorstellen. Ebenso gelang dies Alina mit der magischen Nanny Mary Poppins. „Phantastisch souverän“ war das Urteil ihrer Lehrerin.
Sophie Blust

Sophie Blust, auch Klavierschülerin, wählte Bellinis traurig-nachdenkliches „Dolente immagine“. Erhebliches Können verlangt dieser Titel von seinen Interpreten. Sehr sicher in allen Tonfolgen und Stimmregistern trug sie das Lied vor. Den ansprechenden Poptitel „Angel“ (Sarah McLachnan) trug sie klar und einfühlsam vor.
Lina Scherer

In französischer Sprache interpretierte Lina Scherer „Si tu le voulais“ (Francesco Paolo Tosti) bestens artikuliert. Auch „Million to one“ aus dem Film „Cinderella“ gelang ihr und erinnerte gar an Camila Cabelas’ großartige Auftritte. Lina mache ihr viel Freude und „ganz wunderbar“, lobte Becker-Schramm.
Rosalie Geiger

Rosalie Geiger musste, ebenfalls erkrankt, mit Medikamenten um die Reinheit ihrer Stimme kämpfen. „L’ultima canzone“ (F.P. Tosti), eigentlich ein schmachtender Titel, gelang ihr in allen Registern dennoch lupenrein und sogar mit einem Hauch von Heiterkeit. Auffallend dabei war ihr sensibles Eingehen auf die Klavierbegleitung ihrer Lehrerin. Auch Whitney Houstons „I have nothing“ erklang in höchst präziser Manier. Rosalies eigene Farbigkeit passte bestens zu den sehnenden Wünschen des Liedertextes. Ein vorsorglich geplanter Plan B musste nicht umgesetzt werden, informierte die Lehrerin erfreut.
Anna Martinez-Schellong

Die erst elfjährige Ausnahmeschülerin Anna Martinez-Schellong trat wie immer scheinbar völlig unaufgeregt ans Mikrofon und interpretierte Franz Schuberts Ode „An die Musik“, was wohl keine besondere Herausforderung für sie war. Überzeugend rückte sie die Zuhörer mit ihrer großartigen Stimme „in eine bessere Welt“, so wie der Komponist es wusste. Auch mit „A whole new world“ aus dem Disney-Film „Aladdin“ besang Anna die neue Traumwelt. Mit den Worten „eine Stimme zum Heulen“ verneigte sich die Lehrerin anerkennend vor der jungen Künstlerin.
Luisa Jobke

Luisa Jobke, ebenfalls Klavierschülerin, war umwerfend sicher in den stark wechselnden Tonlagen von Mozarts „Voi che sapete“. Ihr zweiter Beitrag „Für die Liebe“ (Berge) wirbt leidenschaftlich für Liebe, Menschlichkeit und Frieden. Dabei Stimme und Atmung perfekt zu koordinieren ist starke Herausforderung, aber kein Problem für Luisa.
Judith Rundel

Die langjährige Schülerin Judith Rundel wagte sich an die Arie „Ombra mai fu“ aus Händels Oper „Xerxes“. Diese außergewöhnliche Liebeserklärung an die Natur in Sopran(!) begeistert, lobte die Gesangspädagogin. Und um erkrankte Mitschülerinnen zu „vertreten“, bot Judith einen Zusatztitel: „Run“ (Leona Lewis). Die gemeinsame Empathie von Lehrerin und Schülerin war deutlich fühlbar und wurde von Stimme und Körpersprache der Interpretin unterstrichen.
Judith und Benedikt Rundel

Gemeinsam mit ihrem Bruder Benedikt war das Duett „Written in the stars“ aus dem Musical AIDA eine weitere wertvolle Bereicherung des Winterkonzerts. Beide trugen das schwierige Duett strahlend und mit scheinbarer Leichtigkeit vor. Erfreut bat die Lehrerin, diesen Titel auch am diesjährigen Kultursonntag in Bad Waldsee vorzutragen.
Julia Stehle

Ebenfalls von Händel bot Julia Stehle die Arie „Lascia ch’io piango“, das sehr populäre Klagelied der klassischen Musik. Hohe Töne und stakkatohafte Einsätze sind darin zu beherrschen, über die Julia und ihre Lehrerin oft kritisch diskutieren, war zu erfahren. Aber nach dieser so stilecht erfolgten Umsetzung lobte die Lehrerin uneingeschränkt ihre Schülerin. Ähnlich emotional war ihr „Angel by the winds“ aus dem Film „The Eagle Huntress“, in dem ein mutiges mongolisches Mädchen sich gegen alle Traditionen vom Vater zur Adlerjägerin ausbilden lässt. Das Lied, ein Genuss!
Lena Lemmle

Lena Lemmle trat zunächst klassisch mit Franz Schuberts romantischem Liebeslied „Ständchen“ vor das Publikum. Mit geheimnisvoll dunkler Stimme verband sie Melodie und Text „unglaublich schön“, befand Becker-Schramm völlig zurecht. Auch mit „I don’t believe you“ (Pink) bewies Lena ihre Vielseitigkeit. Mit leicht rauer, stählerner oder manchmal fast lässiger Stimme verleitete sie ihre Lehrerin zum anerkennenden „Ein Taschentuch reicht da nicht“!
Lena Lemmle und Celine Nadig

Hochmotiviert stemmte Lena zwei weitere Auftritte: ein Duett mit Celine Nadig und ein weiteres mit ihrer Schwester Lia. Mit Celine wurde, begleitet aus der Konserve, „Talking to the moon“ (Bruno Mars) gesungen, übrigens völlig auswendig. Auch dieser recht sehnsuchtsvolle Titel wurde absolut stilgerecht und doch raumfüllend vorgetragen.
Lena und Lia Lemmle

Die Geschwister präsentierten „The Rose“, das für Bette Midler 1980 ein Welterfolg war. Diesen Song interpretierten die beiden passagenweise solistisch, dann wieder im Duett, begleitet aus der Konserve. Und weil den beiden das Experiment ausgezeichnet gelang, klatschten sie sich zum Abschluss begeistert selbst ab.
Celine Nadig

Die stark erkältete Celine Nadig wagte dann doch noch einen Soloauftritt. Es war der Wunschtitel Becker-Schramms, nämlich „Premier amour“ (Nour). Auf französisch trug Celine diesen wunderschönen Titel, begleitet aus der Konserve, vor. Teilnahmsvoll bewegte sich ihre Lehrerin rhythmisch mit und bat die junge Künstlerin abschließend, dann genesen diesen Song auch am Kultursonntag im Frühjahr vorzutragen.
Lia Lemmle

Lia Lemmle trug natürlich auch zwei Solostücke bei. Es war ein hinreißendes „Ave Maria“ (Franz Schubert) und das berührende „Luftballon“ von Helene Fischer. In diesem sehr persönlichen Titel wird das Loslassen von Vertrauten und der Erinnerungen an diese thematisiert. Fast andächtig nahm Lia diese Atmosphäre stimmlich auf.
Benedikt Rundel

Benedikt Rundels einziger Soloauftritt war seine Arie des Toréador (Georges Bizet) aus der Oper „Carmen“. Den populären Marsch der Toreros sang er sehr gekonnt und energiegeladen.
Benedikt Rundel und Martha Geiger

Nicht nur mit Schwester Judith, sondern auch mit Starsängerin Martha Geiger gab es einen weiteren Duettauftritt. Es war die „Barcarolle“ aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, ein Tophit der klassischen Musik. Dieses Gondellied interpretierten die beiden so exakt und fulminant, als würden sie schon seit Jahren damit auftreten!
Martha Geiger

Selbstverständlich durfte man auch Martha wieder als Solistin genießen. Klassisch war sie mit „Song to the moon“ aus Antonin Dvoraks Oper „Rusalka“ an der Reihe. Marthas großartige Stimme verkörperte perfekt die unerreichbaren Sehnsüchte von Rusalka. Und ihr Musical-Beitrag „Music of the night“ aus A. L. Webbers „Phantom der Oper“ war wieder mal reinster Kunstgenuss.
Rosalie und Johannes Geiger

Martha feierte vergangenen Sommer Hochzeit. Eines ihrer Geschenke war ein Duett, gesungen von Vater Johannes und Schwester Rosalie: „Die with a smile“ (Lady Gaga und Bruno Mars). Wohl in Anerkennung ihrer kontinuierlichen und vorbildlichen Mitwirkung in der Gesangsklasse wurde dieses besondere Duett ins Programm genommen. Hochzeitsfeiern können ja nicht wiederholt werden, aber dazu gesungene Lieder sehr wohl, meinte Elena Becker-Schramm und es lohne sich allemal, dieses berührende und Martha gewidmete Lied hier anzuhören.

Michael Dümmler, Leiter der Jugendmusikschule, und Elena Becker-Schramm, Klavier- und Gesangspädagogin.
Finale
Ganz zum Schluss eines Konzerts der Gesangsklasse bittet die Musikpädagogin üblicherweise alle Mitwirkenden nochmal auf die Bühne und das Publikum um wohl verdienten Applaus. Allerdings wurde diesmal daraus ein zusätzlicher Auftritt. In mehrstimmigem Chor sang die Klasse „Caresse sur l’océan“ (Bruno Coulais), ein herrliches Lied, das Becker-Schramm auch zum jüngsten Adventskonzert der Jugendmusikschule Bad Waldsee singen ließ. Einen gelungeneren Abschluss eines so aufwändigen Winterkonzerts konnte man sich nicht wünschen. Sehr lang anhaltender Applaus war damit garantiert! Martha Geiger schließlich dankte der Lehrerin im Namen aller Beteiligten mit einem bunten Blumengebinde.
Text und Fotos: Peter Lutz

















