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Pfarrer Karl Eiberle im Alter von 89 Jahren verstorben

Die Kirchengemeinde Reute trauert um ihren langjährigen Seelsorger



Die Pfarrgemeinde Reute trauert um ihren langjährigen Seelsorger Karl Eiberle. 36 Jahre lang hat er der aus Reute und Gaisbeuren bestehenden großen Kirchengemeinde gedient. Sie nimmt am Aschermittwoch mit einem Requiem in der Pfarrkirche Peter und Paul Reute Abschied (19.00 Uhr). Erwartet werden etliche Geistliche, die in Konzelebration des Verstorbenen gedenken und für ihn beten. Der Kirchenchor wird den feierlichen Trauergottesdienst mitgestalten. Seine letzte Ruhestätte findet der im Alter von 89 Jahren Verstorbene auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Baltringen. Trauerfeier mit anschließender Beerdigung ist dort am Donnerstag, 19. Februar, um 10.30 Uhr. Der Musikverein Reute-Gaisbeuren wird von Pfarrer Eiberle, der Mitglied im Musikverein war, in Baltringen Abschied nehmen. Rudi Heilig, 20 Jahre Kirchengemeinderat und langjähriger Vorstand des Musikvereins Reute-Gaisbeuren, hat für uns nachstehenden Nachruf geschrieben. „Das Mitwirken des Musikvereins bei Fronleichnam und anderen kirchlichen Anlässen war unserem Pfarrer Eiberle stets eine besondere Freude”, sagt Rudi Heilig in dankbarem Rückblick. Das gelte natürlich auch für den Kirchenchor. „Ja, unser Pfarrer verstand es, festlich zu zelebrieren und die musica sacra zur höheren Ehre Gottes einzusetzen.” Mehr als 3000 Seelen zählt die Pfarrgemeinde. Wieviele Taufe, wieviele Hochzeiten und Beerdigungen Karl Eiberle in den 36 Jahren wohl geleitet und mit seinem kraftvollen Wort ausgestattet hat? Wieviele Kinder er auf den Empfang der ersten Heiligen Kommunion vorbereitet hat?

Schnell verbreitete sich in Reute und Gaisbeuren die Nachricht, dass Karl Eiberle, der langjährige Pfarrer von Reute, am Montag, 9. Februar, von seinem Schöpfer ins ewige Leben gerufen wurde. Geboren am 5. März 1937 in Baltringen, wirkte er mehr als drei Jahrzehnte als Seelsorger in der Kirchengemeinde Reute. Neben der Guten Beth war dem passionierten Segelflieger auch der naheliegende Flugplatz Grund genug, um 36 Jahre hier als Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde die Treue zu halten.

Karl Eiberle (Foto: Andy Schupp, 2013), welcher in Tübingen und Innsbruck Theologie studierte, wurde im Jahre 1964 in Stuttgart-Bad Cannstatt zum Priester geweiht. Nach kurzen Stationen in den Kirchengemeinden Blaubeuren und Vaihingen/Enz war der Seelsorger von 1968 bis 1976 Kaplan in Bad Waldsee. Seine erste und einzige Pfarrstelle hatte er von 1976 bis zum Ruhestand im Jahre 2012 in Reute inne. Da Pfarrer gut beraten sind, ihren Ruhestand nicht am letzten Wirkungsort zu verbringen, fand er in Aulendorf-Tannweiler seinen wohlverdienten Altersruhesitz. Als vor ein paar Jahren seine Gesundheit immer mehr Probleme machte, belegte Eiberle einen Pflegeplatz im Jordanbad.

In seiner langen Amtszeit standen viele umfangreiche kirchliche Baumaßnahmen an. So wurde im Jahre 1984 an der großen Pfarrkirche zusammen mit dem Turm der gesamte Putz abgeschlagen und erneuert. 20 Jahre später erfolgte hier eine komplette Dachsanierung. Auch die Kapellen in Kümmerazhofen, Enzisreute und Dinnenried mussten saniert und renoviert werden. Sehr aufwändig war eine notwendige Generalsanierung der Kirchenorgel. Schließlich gab es Grünes Licht für den Bau des Katholischen Gemeindehauses sowie auch des Kindergartens in Reute. Bei all diesen Maßnahmen war Pfarrer Eiberle ein unermüdlicher und erfolgreicher Verhandlungsführer bei der Diözese, beim Denkmalamt sowie bei der Stadt Bad Waldsee.

Pfarrer Eiberle war ein großer Verehrer vom Heiligen Blut. So war er beim Blutfreitag in Weingarten 44 Mal hoch zu Ross mit dabei. In Bad Wurzach führte er 32 Mal die Blutreitergruppe Reute an. Beim jährlichen Leonhardsritt in Gaisbeuren zog er mit seinen Blutreitern betend und singend durch die örtlichen Fluren.

Bei seiner Verabschiedung im Jahre 2012 nannte Anna Mayer, Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Karl Eiberle einen „guten Seelsorger, dem der ganze Mensch mit all seinen Sorgen und Nöten am Herzen lag“. Nie habe er jemanden abgewiesen, der an der Pfarrhaustüre geklopft habe, in welchen Anliegen auch immer. Mayer weiter: „Uns Kirchengemeinderäten war er in Glaubensangelegenheiten immer ein Vorbild, seine Überzeugung war für uns Anspruch und Leitlinie.“ Sehr wichtig waren Pfarrer Eiberle auch die vielen Krankenbesuche.

Generaloberin Schwester Paulin vom Kloster Reute dankte bei der Verabschiedung Pfarrer Eiberle für sein langes seelsorgerliches Wirken in Reute mit den Worten: „Lieber Karl, es war eine gute Zeit der Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Kloster. Ohne große Bürokratie konnten wir Franziskanerinnen immer unsere besonderen Gottesdienste in der großen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul abhalten.“ Unter Beifall der Gläubigen bezeichnete Schwester Paulin die Gute Beth als Schatz des Klosters, der Gemeinde und auch der Diözese: „Sie möge auch weiterhin für Dich sorgen – Vergelt’s Gott, lieber Karl“.

Seit Pfarrer Eiberles Auszug im Jahre 2012 war das Pfarrhaus, ein 26 Räume umfassendes denkmalgeschütztes ehemaliges Gerichtsgebäude, vakant. In Tannweiler musste Karl Eiberle sich an kleinere Räume gewöhnen. Als rüstiger Pensionär war er noch viele Jahre gerne bereit, bei Anfragen in verschiedenen benachbarten Pfarreien Gottesdienste, Hochzeiten und auch Beerdigungen zu halten.

Schon während seiner Zeit im Konvikt in Ehingen war Karl Eiberle vom Fliegen begeistert. So war es nur folgerichtig, dass er schon als Kaplan von Bad Waldsee Mitglied beim Fliegerverein Bad Waldsee wurde. In dieser Zeit gab es konkrete Verhandlungen mit der Stadt Bad Waldsee und dem Kloster Reute mit dem Ziel, auf deren Gelände einen Flugplatz zu errichten. Mit viel Eigeninitiative – Eiberle als treibende Kraft – konnte geplant und gebaut werden. Die erste Landung am neuen Flugplatz Bad Waldsee-Reute war im Juni 1975. In vielen Jahrzehnten schätzten ihn die Reutener Flieger als hilfsbereiten Kameraden, welchem keine Arbeit und kein Einsatz zu viel war.
Rudi Heilig




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