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Barnys Advent

Ein Weihnachtswunder



Foto: Silberburg

Mit vom Weinen geröteten Augen sitzt in der vierten Adventswoche im vergangenen Jahr eine junge Frau schluchzend auf der Treppe der Basilika. Geschäftig eilen die Menschen in der Vorfreude auf das kommende Fest über den Vorplatz des großen Kirchengebäudes hoch über dem Schussental. Niemand beachtet die offensichtlich tieftraurige junge Frau, der auch die Kälte langsam zu schaffen macht. Aus dem Kirchenportal, auf dem ein Plakat in bunten Farben hängt, tritt ein Mann mit einem farbenfrohen Schal um den Hals. Auf dem Plakat wird zu einer Aufführung von Teilen des Weihnachtsoratoriums und verschiedener Variationen des aus vielen Psalmen bekannten jüdischen Jubelrufs „Halleluja“ am kommenden Adventssonntag mit einem international besetzten Orchester und dem örtlichen Basilika-Chor eingeladen.

Der Mann blickt suchend über den Platz, entdeckt die weinende Frau, stutzt kurz und setzt sich dann in gebührendem Abstand neben sie auf die Treppe: „Kann ich Ihnen behilflich sein? Was bedrückt sie denn so sehr in dieser stimmungsvollen Vorweihnachtszeit?“

„Ich bin so unendlich traurig, weil ich einen großen Lebensfehler gemacht habe.“

„Na, so schlimm wird es doch nicht sein. Was ist denn passiert?“

„Mein Opa ist ein ganz großer Freund der Musik von Bach und Händel. Er liebt das Halleluja aus dem Messias über alle Maßen und hat sich auch über die Neuinterpretation des Halleluja von Leonard Cohen riesig gefreut. Er hat den Cohen-Song sogar mit seinem Kirchenchor bei uns im Dorf einstudiert. Seit ich denken kann, ist er begeisterter Chorleiter. Ich habe ihm seit Jahren versprochen, ihn bei Gelegenheit zu einem Konzert mit dem entsprechenden Programm einzuladen. Aber wie es halt so ist, ich habe mir nie Zeit dafür genommen.“

„Da passt es doch wunderbar, dass am kommenden Sonntag genau diese Werke hier in der Basilika zu hören sein werden.“

„Ja, schon. Aber …“

„Was, aber?“

„Meinem Opa geht es nicht gut. Er liegt seit einer Woche dort drüben im Krankenhaus. Die Ärzte sprechen von einem multiplen Organversagen und gestern Abend fiel er dann ins Koma. Ich bin so verzweifelt. Nie werde ich es mir verzeihen können, ihn nicht mit in ein Konzert genommen zu haben. Und jetzt, jetzt ist es zu spät!“

„Du darfst die Hoffnung nicht verlieren. Weihnachten ist doch die Zeit, in der Wunder geschehen. Sei hoffnungsfroh und zuversichtlich!“

Mit diesen tröstenden Worten trennen sich die beiden, nicht ohne vorher ihre Namen ausgetauscht zu haben.

Am Sonntag drauf sitzt die junge Frau am Krankenbett ihres Großvaters, hält seine Hand und erzählt ihm, auch wenn er regungslos bleibt und keine Reaktion zeigt, von ihren Erlebnissen in der vergangenen Woche, auch von der Begegnung auf der Treppe vor der Basilika. Die medizinischen Gerätschaften im Krankenzimmer tönen gleichmäßig und beruhigend.

Plötzlich kommt draußen auf dem Flur Unruhe auf. Die Geräusche von Stühle scharren, leisem Geraune, Wispern und Gemurmel dringen bis ins Zimmer.

Neugierig erhebt sich die junge Frau und öffnet die Tür. Überrascht macht sie einen Schritt zurück ins Krankenzimmer, als sie draußen den jungen Mann mit Schal erkennt. Er hält einen Dirigentenstab in der Hand, vor ihm sitzen und stehen Musikerinnen, Musiker, im Vordergrund ein kleiner Chor in der Auftrittskleidung, in der alle miteinander offensichtlich noch zwei Stunden vorher vor dem Altar der Basilika musiziert haben.

Der Dirigent hebt seine Arme, gibt den Einsatz und schon klingt das Halleluja prächtig und erhaben im Krankenhausflur. Türen auf der Krankenhausstation öffnen sich, Patienten und Besucher lauschen andächtig und ergriffen dieser himmlischen Musik, die gleichermaßen Glauben und Zuversicht ausstrahlt.

Die junge Frau eilt ans Bett ihres Opas, nimmt seine Hand, streichelt ihm über die Stirn und da geschieht das Unerwartete: Der alte Mann bewegt seine Finger und öffnet ganz vorsichtig seine Augen. Lautlos bewegen sich seine Lippen. Unhörbar singt er den alten Lobpreis mit: Halleluja!

Was Ärzte nicht für möglich gehalten haben, die Musik hat die Kraft dazu.

Musik wirkt Wunder! Und dies nicht nur in der Weihnachtszeit!
Bernhard Bitterwolf

Vorstehende Geschichte, von Bernhard („Barny”) Bitterwolf geschrieben für den Advent 2025, ist bisher nicht gedruckt erschienen. Wer schwäbische Weihnacht, wie sie im Buche steht, genießen möchte, dem sei das Werk „Frai de heit, s isch Weihnachdszeit” von Bernhard Bitterwolf und Edi Graf empfohlen.

Bernhard Bitterwolf, Edi Graf: Frai de heit, s isch Weihnachdszeit
Schwäbische Geschichten, Gedichte und Lieder
144 Seiten, ca. 50 Abb. (Grafiken) und Noten,
14,0 x 21,0 cm, Hardcover mit Fadenheftung
Silberburg-Verlag, Tübingen
19,99 €
ISBN: 978-3-8425-2389-0


Auf dem Cover des Weihnachtsbuches „Frai de heit, s isch Weihnachdszeit“ schmettern drei junge Sternsinger mit weit geöffneten Mündern inbrünstig ihre Lieder. Gezeichnet ist diese Darstellung des lebendigen Brauchtums im Ländle vom bekannten Illustrator Uli Gleis. Das Buch kam zu Weihnachten 2022 heraus.

Einige Jahre zuvor, 2016, hatten die beiden Parade-Oberschwaben das Buch „I wünsch dir s Chrischtkendle ens Herz“ herausgebracht. Namhafte schwäbische Autoren sind hier vertreten, etwa Willy Reichert, Oskar Heiler und Werner Veidt, Bernd Kohlhepp und Winfried Wagner. Auch weihnachtliche Texte bekannter Nichtschwaben wie Udo Jürgens und Rolf Zuckowski tauchen auf – ins Schwäbische übersetzt.

Auch das Buch „Weihnachten auf Schwäbisch” (2015) stammt aus der Werkstatt der beiden. Alle drei Bücher wurden von Silberburg verlegt und sind noch verfügbar.

Zum 1. Adventssonntag in diesem Jahr haben wir Bitterwolfs Geschichte „Wieder wird’s Licht” aus „Frai de heit, s isch Weihnachdszeit“ veröffentlicht. Nachstehend der Link dazu. Bereits im Advent 2024 hatten wir eine Serie Barnys Advent” aufgelegt. Nachstehend auch Links zu jenen Gschichtla:


 
 



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