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Der Ausstiegsbrief von Timo Egger

„Den Prüfprozess Biosphärengebiet beenden!”



Paukenschlag: Timo Egger, Bürgermeister von Fleischwangen und bisher ein Vorkämpfer bei den Plänen, in Oberschwaben ein Biosphärengebiet zu schaffen, appelliert an Landesumweltministerin Thekla Walter, den Prüfprozess zu beenden. Nachstehend Eggers Offener Brief an die Ministerin im vollen Wortlaut (13.11., 17.00 Uhr):

Sehr geehrte Frau Ministerin Walker,
in den vergangenen Jahren haben wir als Region einen intensiven und breit angelegten Prüfprozess zu einem möglichen Biosphärengebiet in Oberschwaben durchlaufen. Dieser Prozess hat viel Engagement gefordert und wertvolle Einblicke in Einstellungen, Prioritäten und Befindlichkeiten innerhalb unserer Region ermöglicht. Zugleich hat er deutlich gemacht, unter welchen Voraussetzungen regionalpolitische Entwicklungsprozesse aktuell gelingen können – und unter welchen nicht.

Nach zahlreichen Gesprächen, Beteiligungsformaten und fachlichen Arbeitsrunden sind wir im Steuerungskreis und der KAB zu der Einschätzung gelangt, dass der Prozess von der Region beendet werden muss. Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht, ist angesichts der Entwicklungen der vergangenen Monate jedoch folgerichtig.

Es hat sich gezeigt, dass die großpolitische Lage und die wirtschaftlichen Unsicherheiten unserer Zeit den Dialog über solche Zukunftsprojekte grundsätzlich erschweren. Die gesellschaftlichen Spannungen, die Unsicherheiten in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen sowie die zunehmende Polarisierung haben den notwendigen Raum für einen ruhigen, faktenbasierten Diskurs immer kleiner werden lassen.

Ein zentrales Element für das Gelingen eines breit getragenen regionalen Vorhabens ist das Vertrauen der Menschen und eine offene Dialogbereitschaft. Im Verlauf des Prozesses wurde deutlich, dass es hierfür in einigen Bereichen nicht in dem Maße gelang, wie es notwendig gewesen wäre. Die Region ist vielfältig, und mit dieser Vielfalt gehen unterschiedliche Interessen, Erwartungen und Sorgen einher, die wir grundsätzlich respektieren.

Gleichwohl mussten wir feststellen, dass der öffentliche Dialog zunehmend von sehr engagierten, aber auch stark polarisierenden Positionen geprägt wurde. Dies ist ein Phänomen, das weit über unsere Region hinaus zu beobachten ist und gesellschaftliche Debatten insgesamt beeinflusst. Projekte dieser Größenordnung werden heute häufig von einzelnen Interessengruppen intensiv begleitet, die mit hohem Einsatz und klaren Botschaften auftreten. Dieses Engagement ist legitim und Ausdruck aktiver Teilhabe. Zugleich kann es – wenn es nicht von einer breiten Dialogbereitschaft getragen wird – den Raum für einen offenen, differenzierten und sachorientierten Austausch spürbar einengen.

Hinzu kam, dass Informationen in der Öffentlichkeit teils unterschiedlich interpretiert oder verkürzt weitergegeben wurden. Dies führte zu Verunsicherungen und Missverständnissen, welche das gegenseitige Vertrauen belastet und die Diskussion zusätzlich erschwert haben. Unter diesen Bedingungen war es zunehmend schwierig, eine gemeinsame Grundlage zu bewahren, auf der ein derart anspruchsvolles Projekt weiterentwickelt werden könnte.

Trotz dieser herausfordernden Umstände möchten wir die zurückliegenden Arbeiten nicht allein als gescheitert betrachten. Der Prozess war ein wertvoller Lernschritt, und wir konnten wichtige fachliche Grundlagen erarbeiten. Besonders hervorheben möchten wir die Ergebnisse der Arbeitskreise sowie die transparente, parzellenscharfe Zonierung, die in dieser Form ein Novum darstellt und als belastbare Grundlage für künftige Überlegungen dienen kann – wenn sich die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ändern sollten.

Unser Dank gilt Ihnen, Frau Ministerin, sowie den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ihres Hauses für die stets offene, konstruktive und respektvolle Zusammenarbeit. Ebenso danken wir den Vertreterinnen und Vertretern der Landkreise, Kommunen, Verbände sowie den vielen ehrenamtlich Engagierten für ihren Einsatz.

Als kommunale Verantwortungsträgerinnen und -träger bleibt unsere Aufgabe unverändert: Vertrauen zu stärken, Brücken zu bauen und gemeinsam tragfähige Wege für die Zukunft unserer Region zu entwickeln. Diesen Anspruch behalten wir auch nach der Beendigung des Prozesses bei. Nun gilt es, die gemachten Erfahrungen sorgfältig auszuwerten, Missverständnisse abzubauen und verlorene Gesprächsräume wieder zu öffnen.

Mit Dank für das gemeinsame Ringen um die besten Wege für unsere Heimat verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Timo Egger, Sprecher des Kommunalpolitischen Arbeitskreises Biosphärengebiet (KAB), Sprecher Prozessvorstand



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