Das Sinfonische Blasorchester Leutkirch/Allgäu feierte zehnjähriges Bestehen
Leutkirch – Das Sinfonische Blasorchester Leutkirch/Allgäu, kurz: SBLA, 2015 auf Initiative des in unserer Region hoch geschätzten Dirigenten und Instrumentallehrers Thomas Wolf gegründet, beging sein zehnjähriges Jubiläum auf ganz besondere Art: Neben gewohnt anspruchsvollen Bläserarrangements wurde eine musikalisch grandios untermalte filmische Hommage der Allgäustadt produziert. Das SBLA konzertierte am 5. und 6. Januar in der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle.
Das SBLA gilt als ideal besetztes Bläserensemble, kann Thomas Wolf doch Musizierende aus immerhin 15 Musikvereinen aus dem Raum Leutkirch für sein Projektorchester gewinnen. Zudem ist er Leiter des Kreisverbandsjugendblasorchesters Ravensburg und Leiter der Bläserschule Fischen. Daher sind alle Register bestens besetzt, was selbst für das Mangelinstrument Oboe gilt. Sicher ist eine weitere Besonderheit die sechsfache Besetzung des Tubaregisters. Üblicherweise ist dies reine Männersache, nicht aber im SBLA, wo gleich zwei Tubistinnen mitwirken.
Luis Lau zieht Bilanz

Vorstand Luis Lau (Bild) eröffnete den Abend mit statistisch-heiteren Informationen beim Zustandekommen des Jubiläumskonzerts. So seien in 34 Proben 440 Liter Getränke, 6 Kilogramm Gulaschfleisch sowie die Unterstützung durch den Oberbürgermeister und den Gemeinderat und durch namhafte Sponsoren nötig gewesen. Und trotz bei Projektorchestern üblichen Fluktuationen seien an die 15 Musiker von Anfang an dabei. Und natürlich seien unter den Besuchern zahlreiche Ehemalige, die Lau bat aufzustehen. Lau übergab schließlich das Mikrofon an Thomas Wolf, der nicht nur dirigierte, sondern auch recht humorvoll die Moderation leistete. Zu Beginn dankte er für den Verkauf aller Plätze an beiden Abenden.
Ein fulminanter Auftakt

Fulminanter Auftakt des Konzerts war die „Overture“ aus der Oper „Ruslan und Ludmilla“ (Mikhail Ivanovitsch, arrangiert von Leontij Dunaev). Sämtliche Register wurden dabei gleichsam vorgestellt und konnten genossen werden. Der folgende „Fatinitza Marsch“ (Franz von Suppé) wurde vor 100 Jahren unter großem Jubel uraufgeführt. Dieser mitreißende Titel wurde vom Dirigenten hochkonzentriert und straff geleitet.
Der „Leutkircher Festmarsch“
Der nun folgende „Leutkircher Festmarsch“ wurde 2016 anlässlich des 1250-jährigen Stadtjubiläums von Franz Watz komponiert und in der Festhalle uraufgeführt und er sei wohl Teil der Gründungsidee des SBLA, erläuterte Thomas Wolf. Somit durfte dieser Titel im Jubiläumskonzert nicht fehlen. Dieser klassische Marsch enthält auch sehr melodiöse Passagen und ist natürlich in seiner Entstehungsstadt sehr beliebt.
Musikalisches Denkmal für einen Seemann
Mit „The Last Letter from Murdoch“(Masanori Taruya) wurde dem Ersten Offizier an Bord der Titanic, William M. Murdoch, einem sehr erfahrenen Seemann, ein würdiges sinfonisches Denkmal gewidmet. Völlig selbstlos setzte er sich angesichts seines sicheren Todes für die Rettung von Passagieren und Crew ein, so wird von Überlebenden berichtet. Zudem schrieb er täglich einen Brief an seine Familie. Worüber er wohl in seinem letzten Brief berichtet hätte, wird man nie erfahren. Aber Taruyas Komposition erzählt einfühlsam über Murdochs Sehnsucht nach Heimat und Familie. Sehr schön zu empfinden war das auch durch die aufwändige Interpretation des SBLA. Soli am Klavier (Romy Segmehl), Passagen von Klarinetten, Flöten, Saxophon, Oboen und Schlagwerk führten die Gäste mit auf die Fahrt des Luxusschiffes. Am Schluss vermittelte der Titel eine sanfte und würdig friedvolle Stimmung.

Thomas Wolf (Bild) war in seiner Ausbildung zum Dirigenten unter anderem Student von Thomas Doss, dem Komponisten der „Romanian Overture“. Er habe daher eine respektvolle Beziehung zu diesem Werk, die auch in der Einstudierung mit dem SBLA deutlich wurde. In diesem Werk wird der reichhaltige Volksliederschatz Rumäniens gewürdigt. Mit solchen Titeln möchte Wolf insbesondere Spaß am Musizieren vermitteln, was sich doch schließlich sehr gelohnt hat, möchte man als Zuhörer gerne bestätigen. Das Werk bestehe aus einem schwungvollen Intro, zwei Klageliedern und einem ekstatischen Finale, erläuterte der Dirigent. Die perfekte Interpretation enthielt erneut herrliche Soli und Passagen, beispielsweise mit Gong, Oboen, Klarinetten, Sopransaxophon und hohem wie tiefem Blech. Die Rasanz des Finales wurde durch Aufstehen, Klatschen und Rufen des gesamten Ensembles eindrucksvoll verstärkt.

Ein filmisches Denkmal für Leutkirch
„Hommage an Leutkirch“ lautete der Titel des Teils 2 des Konzertabends, womit der Stadt ein filmisch-musikalisches Denkmal gesetzt werden sollte. Musikalisch gelang das mit vier sehr ansprechend intonierten Kompositionen: „Evening Snow“ (Julie Giroux), „Wonders of Nature“ (Bert Appermont), „The Wind in the Willows“ (Johan de Meij) und „Fire in the Blood“ (Paul Lowatt-Cooper). Der Film, produziert von „Wolf-Lau-Pictures“, wohl aber nicht nur, denn alle Musiker waren genannt, war fast sphärisch vor allem von Klavier und Holz untermalt und im Dunkeln intoniert. Zuerst waren Bilder aus der gesamten Gemarkung der Allgäustadt zu sehen, Gewässer, Regen, Wind, Schnee, Nebel, Reif, Winter, Sonne und Riede. Typische Dörfer und kleine Kapellen und ein Sonnenuntergang leitete über zum alltäglichen Heute. Center Parcs, Moor- und Badeweiher, Schloss Zeil, eben Heimat. Weiter ging’s mit Menschen in ihrem Alltag. Da erschienen der Genussbäcker, ein Café, Brauer Härle, Kirche, Weihnachtsmarkt, Rummel, Tradition, Brauchtum mit Maibaum, Festlichkeiten, die Banken, Senioren, Spiel, Sport, Kinder, Schulen, ein Italiener und seine Bar, Touristen, die Kraftbox, Talk vorm Bock und Sangesfreude. Nicht fehlen durfte selbstverständlich die Stadtspitze mit OB Hans-Jörg Henle, der unter den Konzertgästen war. Musikalisch stets gefühlvolle oder auch spontane Untermalungen begleiteten die Hommage an Leutkirch. Ein energisches Finale sah mit guter Zuversicht das weitere Werden der Stadt und ihres Umlands. Das Experiment gelang absolut überzeugend!

OB Henle freute sich sehr über den Leutkirch-Film und über das hochklassige Konzert. Diese Aufnahme mit dem Ehepaar Wolf entstand nach dem Konzert.
„Ein ganzheitliches Erlebnis“
Noch völlig außer Atem trat Lau, der Euphonium spielt, ans Mikrofon, um allen Beteiligten, insbesondere aber den Musikern aus den vielen örtlichen Vereinen, den Sponsoren und dem Dirigenten zu danken. Dem Dirigenten gelang es, Freude zu schaffen, viel Lachen habe es während der Proben gegeben. Und schließlich sei doch Thomas nicht nur ein großer Dirigent, sondern auch ein guter Gulaschsuppenkoch! Mit diesem Konzert habe er schlicht ein ganzheitliches Erlebnis bewirkt. Damit erhoben sich alle Musiker quasi als Hommage an ihren Dirigenten.

Luis Lau dankt dem Ehepaar Wolf.
Auch Thomas Wolf selbst dankte allen für das Gelingen des ehrgeizigen Projekts. Seine Schlussworte habe ihm seine Frau, die Saxophonistin Birgit Wolf aufgeschrieben, die er mit der Liebe seines Lebens umschrieb und die ihn stets tatkräftig unterstütze. Als Dank und Anerkennung erhielten die Beiden einen Hotelaufenthalt im Jungholzer Panorama-Hotel. Die nach lang anhaltendem Applaus fällige Zugabe war das Finale von Film und Musik.
Text und Fotos: Peter Lutz














