Skip to main content
Aus dem Gemeinderat

„Bei der Windkraft tun wir uns ganz ganz schwer”



Foto: Haythem Gataa / Unsplash
Symbolbild

Mittwochabend, 13. Dezember, ab 17.00 Uhr im Esther-Saal des Neuen Schlosses: öffentliche Gemeinderatssitzung. Fast fünf Stunden lang. Dabei lockte ein Tagesordnungspunkt so viel Publikum, dass die Türflügel zum Nebenraum noch aufgeschwungen werden mussten: Windkraft. „Mehrere“ solcher Türme sollen nach Planung der Ellwanger Windfirma Uhl ab 2026 (2027) im Wald östlich von Kißlegg zwischen Emmelhofen, Haslach und Bremberg stehen. Nabenhöhe: 175 Meter. So ein Windkraftwerk könnte den Strombedarf von rund 10.000 Privatpersonen decken. Bürgermeister Dieter Krattenmacher: „Mit der Windkraft tun wir uns ganz ganz schwer.“ Dennoch rechnete es der Rathauschef Dr. Matthias Pavel vom Windunternehmen Uhl hoch an, dem Rat die gegenwärtigen Planungen zu erläutern.

Dabei gehe es auch nicht um einen Beschluss heute, betonte Bürgermeister Krattenmacher. Sondern nur um Information „zum aktuellen Stand der Planung“. „Unsere Themen sind die Erschließung und die Wasserversorgung der Gemeinde.“ Viel mehr könnten Rat und Rathaus gar nicht entscheiden. Denn: „Man hat die Windkraftanlagen der kommunalen Planung entzogen.“ „Die schöne Landschaft” habe Dieter Krattenmacher “keinen Windkraftbefürworter” werden lassen. Dabei war vom Rathaus-Chef noch diesen Herbst gegenüber der Bildschirmzeitung bekannt worden, dass „wir in unserer Gegend ohne Windkraft nicht auskommen werden“. Kurzum: „Bei der Windkraft tun wir uns ganz ganz schwer.”  Er (Dieter Krattenmacher) habe von Kindern erfahren, deren Eltern im Bereich Windkraft arbeiten. Diese Kinder seien offenbar von Windkraftgegner bedroht worden. Bürgermeister Dieter Krattenmacher: „Das ist tabu. (…) Da werde ich zum glühenden Windkraft-Befürworter.” Lob spendete Krattenmacher dagegen Frauen und Männern aus Haslach, die „uns anhand von Fakten orientieren“. Es gelte, sachlich zu bleiben.

ANZEIGE

Im Waldgebiet östlich von Kißlegg

Das Waldgebiet östlich von Kißlegg zwischen Emmelhofen, Haslach und Bremberg. Hier sind „mehrere“ WEA möglich”. Also Windnergieanlagen. So die Mitteilung des Windunternehmens Uhl. Uhl-Mitarbeiter Dr. Mathias Pavel sagte am MIttwochabend im Neuen Schloss: „Sie sind die ersten, die diese Standortplanung sehen.“ Dr. Mathias Pavel: „Wir haben seit einem Jahr naturschutzrechtliche Untersuchungen gehabt.“ Ergebnis: „Wir haben einen Rotmilan im südwestlichen Bereich.“ Außerdem unterhalte ein Baumfalke sein Nest in dem Forst. Der „Wildtierkorridor“, der den Wald hier durchziehe, bedeute für die Windkraft-Türme kein wesentliches Hindernis. Da man vorhandene Wege mitnutzen könne, sei vorgesehen, „nicht in den Wald große Flächen zu schlagen“. Die Firma BauGrund Süd sei von Uhl mit Baugrunduntersuchungen beauftragt worden. Uhl plane Vestas-Wind-Türme. Jahresertrag: 10 bis 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und Turm. Bei der Höhe denke Uhl nicht an die erwartbar zu genehmigende Höchstmarke von 199 Meter, sondern an 175 Meter Nabenhöhe. Dr. Matthias Pavel: „Wir peilen jetzt mal an, so Richtung April einen Genehmigungsantrag zu stellen.“ Beim zuständigen Landratsamt Ravensburg.

Rodungen im Winter 2024/25 angedacht

Sollte innerhalb von rund neun Monaten die Genehmigung vom Landratsamt Ravensburg kommen, seien im Winter 2024/2025 Rodungen möglich. Dann „können wir 2026 mit dem Bau der Windkraftanlagen beginnen“, führte Pavel aus. Es breite sich also noch genug Zeit aus für eine „gemeinsame Erarbeitung eines Bürgerbeteiligungsmodells“. In diesem Zusammenhang wies Bürgermeister Dieter Krattenmacher auf eine Informationsveranstaltung zum Thema in Kisslegg hin.

ANZEIGE

„Man erschrickt”

Wolfgang Schuwerk (CDU) wollte bei der anschließenden Befragung Dr. Matthias Pavels durch Gemeinderatsmitglieder wissen: „Wo findet die Zuwegung statt?“ Außerdem wünsche er mehr Informationen darüber, wie verlässlich die Lieferfirma Vestas sei. Petra Evers (CDU) las anstelle ihres erkrankten Fraktionsvorsitzenden Christoph Dürr eine Erklärung der CDU vor. So falle auf, dass der Wildwege-Korridor dem  geplanten (und bisher nicht genehmigten) Gewerbegebiet Ikowa „zum Verhängnis geworden“ sei. Die Union sehe das geplante Windfeld östlich von Kisslegg zwischen Bremberg und Emmelhofen deshalb „eher als Notlösung“  an. Monika Dobler (SPD) bewertet die erwarteten Beteiligungs-Möglichkeiten denn auch als „Schadensbegrenzung”. Hubert Braun von der Grün offenen Liste (GOL) führte aus: „Ich war bei der Begehung in dem Wald dabei – und muss sagen: Man erschrickt, dass so etwas genehmigt werden kann.“ Braun legte eine Liste von 25 Fragen zu den Windkraft-Anlagen im Hunauer Wald vor. Deren Beantwortung gibt „einen ganzen Abend”, meinte Bürgermeister Krattenmacher dazu. GOL-Fraktionshäuptling Dr. Andreas Kolb warnte dabei grundsätzlich: „Wie wollen wir die Energiewende schaffen, ohne sich über solche Anlagen hier wenigstens mal Gedanken zu machen?“ Da Wasserkraft “ausgelutscht” sei, müsse eben Windenergie genutzt werden. Detlef Radke, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Kisslegg (FWK) blickte auf „Versäumnisse der letzten zehn Jahre”. Ergebnis: „Wir sind im Süden mit Erneuerbaren Energien unterversorgt.“ Beim ministerial blockierten Gewerbegebiet Ikowa, „da kämpfen wir wegen jeder Mücke“.  Deshalb zeigte sich Radke zum Windfeld östlich von Kissleggs Kernort Richtung Bremberg: „Wir sollten sehr genau hinschauen, was da an Prüfungen ansteht.“

Die Frage nach den Gutachten

Dr. Friedrich Rockhoff fragte: „Die Umweltverträglichkeitsprüfung UVP – wer macht das?” Der Kisslegg-Schurtanner Tierarzt: „Ich habe in der Medizin manchmal den Eindruck: Wenn ein Gutachten entsteht, dann steht da das drin, was der Geldgeber des Gutachtens erwartet.” Damit erntete Rockhoff lauten Applaus im Saal-Publikum.

“Ich mache mir Sorgen um die Brunnen”

Und wenn Dr. Andreas Kolb die Wasserkraft als „ausgelutscht“ bezeichne, sei das schlicht falsch. In der Kisslegger Ach gebe es „fünf Staue“, die sich für Wasserkraftnutzung eignen würden. „Das alles ist von den Grünen verhindert worden.“ Wenn an das Moor im Wald jetzt Windtürme gebaut werden würden, fürchtet  Rockhoff: „Das Moor trocknet aus.“ Auch deshalb betonte Rockhoff als langjähriger Vorsitzender der Bürgerinitiative dezentrale Wasserversorgung (BDW): „Ich mache mir Sorgen um die Brunnen.” –  Bürgermeister Dieter Krattenmacher: „Man könnte grad meinen, in einem halben Jahr sei Gemeinderatswahl.” Darauf Dr. Friedrich Rockhoff: „Ich trete ja gar nicht mehr an.”

„Das Thema Wasser ist ein großes”

Da hatte der Brunnen-Bewahrer (und: -Erneuerer) Friedrich Rockhoff wohl den Finger in eine Wunde gelegt. Denn auch Werner  Schuwerk (FWK) warnte: „Wasser wird immer knapper.” Wald wirke da bevorratend „wie ein Schwamm“. Schuwerk: „Was ich verhindern möchte, ist, dass sich die Gemeinde das Wasser abgraben lässt.“ In diesem Zusammenhang wollte Daniela Frick (CDU) wissen, „wie tief das Fundament wird“.

Diese Sorge spürte erkennbar auch Windkraft-Planer Dr. Matthias Pavel: „Wir haben jetzt ein Jahr naturschutzrechtliche Untersuchungen gehabt.“ Dann wandte sich Pavel direkt an die Gemeinderatsmitglieder mit den vielen Fragen zum Wasser: „Bitte gehen Sie nicht davon aus, dass diese Prüfungen einfach so durchgehen.“  Das sei schon allein an nur 738 Windkraftwerken in Baden-Württemberg zu erkennen (im Gegensatz zu 3603 in Nordrhein-Westfalen 2022). Bei diesen Untersuchungen der Behörden „da spielt auch das Thema Wasser eine Rolle.“  Pavel: „Das Thema Wasser ist ein großes.“ In diesem Zusammenhang umriss der Planer das Fundament der Türme: „Der betonierte Block ist 1,50 Meter im Boden.“ Dazu der Wind-Turm-Mann: „Wenn wir jetzt irgendwelche grundwasserführende Schichten beeinflussen, würde das das Landratsamt nicht genehmigen.”

Dr. Matthias Pavel: “Wir brauchen normale Straßen – mit 12 Tonnen Achslast.” Dann ging er auf Geräusche ein: „Hinterher müssen wir durch eine Schallschutzprüfung beweisen, dass wir der Prognose entsprechen.“ Falls ein Windkraftwerk dann lauter wirke, „müssen wir die Anlagenleistung senken“.

Im Februar soll’s mit einer eigenen Veranstaltung zur Windkraft weitergehen.




NEUESTE BEITRÄGE

Kisslegg
Am 16. und 17. März

Oberschwäbischen Dorfmusikanten konzertieren im Kurhaus

Bad Wurzach – Die Oberschwäbischen Dorfmusikanten konzertieren am 16. und 17. März in Bad Wurzach. Gründer Peter Schad hat die Leitung an Simon Föhr übergeben, der die Tradition des Ensembles mit dem unverwechselbaren Stil fortsetzt. Karten für Samstag, 16., und Sonntag, 17. März, sind in der Bad Wurzach-Info erhältlich (14 €, ermäßigt 12 €).
5. März

Jugendmusikschule lädt zu Kammermusikforum

Leutkirch – Am morgigen Dienstag, 5. März, findet um 19.00 Uhr in der Festhalle Leutkirch das diesjährige Kammermusikforum der Jugendmusikschule (JMS) statt. Es musizieren Schülerinnen und Schüler der JMS Württembergisches Allgäu.
Aufgspielt wird: Wirtshausmusikanten pendeln zwischen Seibranz, Dietmanns und Unterschwarzach

Die „Wacht am Rhein“ in Seibranz wird zur „Kleinen Kneipe in unserer Straße“

Seibranz / Dietmanns / Unterschwarzach – Das beliebte Wurzacher Wirtshaus-Musizieren hat am 1. März wieder Freunde traditioneller Musik in Scharen angezogen. In drei Wirtschaften rund um Bad Wurzach – in der „Wacht am Rhein“ in Seibranz, im „Hirsch“ in Unterschwarzach und im „Waldhorn“ in Dietmanns – traten drei verschiedene Formationen im Wechsel auf. Alle drei Wirtschaften waren rappelvoll und es herrschte beste Stimmung; die Leute, die zumeist jedes Jahr dabei sind, haben begeistert mitgem…
mit Bildergalerie
veröffentlicht am 3. März 2024
Mittwoch, 13. März, im “Sternen” in Reute

Fachvortrag Agriphotovoltaik und Mitgliederversammlung des VLF Ravensburg-Waldsee e.V.

Bad Waldsee-Reute – Die Mitgliederversammlung des VLF Ravensburg-Waldsee e.V. ist am Mittwoch, 13. März, um 20.00 Uhr im “Sternen” in Reute. Bestandteil ist ein Fachvortrag über Agriphotovoltaik.
Dienstag, 12. März

Hospizgruppe lädt zu „Wir leben weiter“ -Nachmittag

Kißlegg – Nach einer oft langen Zeit des Zurückgezogenseins sind trauernden oder alleinlebenden Menschen alte Kontakte verloren gegangen. Häufig fehlt die Kraft, neue Kontakte zu knüpfen. Die Hospizgruppe Kißlegg bietet deshalb allen Interessierten – ob Trauernde oder Nichttrauernde – mit ihrem Angebot „…und wir leben weiter…“ Begegnung, Austausch, Planung von gemeinsamen Aktivitäten oder einfach nur ein gemütliches Beisammensein.

MEISTGELESEN

Kißlegg
War als Flüchtlingsunterkunft in der Diskussion

Der Landkreis kauft die “Kanone” nicht

Arnach – Der Kreis sieht vom Kauf des ehemaligen Gasthauses “Zur Kanone” in Arnach ab. Zwischendurch war das im Ortszentrum in Schul- und Kindergartennähe stehende Anwesen als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch gewesen.
In Wolfegg-Bainders

Horstbaum unerlaubt gefällt?

Wolfegg-Bainders – Mittwoch, 14. Februar. Am südlichen Abhang von Bainders fällt ein hoher Baum. An sich nichts Außergewöhnliches. Wäre da nicht der örtliche Unternehmer Werner Haller. Noch im Motorsägen-Geheul der drei Waldarbeiter zeigt sich Nachbar Haller wutentbrannt bei ihnen. Warum? Weil sich oben auf dem beachtlichen Baum zwischen Wolfegg und Weißenbronnen ein Horst befunden habe. Also ein Nest für Greifvögel. Solch ein Gewächs ohne amtliche Genehmigung umzumachen, sei verboten, sagt H…
Aufgspielt wird: Wirtshausmusikanten pendeln zwischen Seibranz, Dietmanns und Unterschwarzach

Die „Wacht am Rhein“ in Seibranz wird zur „Kleinen Kneipe in unserer Straße“

Seibranz / Dietmanns / Unterschwarzach – Das beliebte Wurzacher Wirtshaus-Musizieren hat am 1. März wieder Freunde traditioneller Musik in Scharen angezogen. In drei Wirtschaften rund um Bad Wurzach – in der „Wacht am Rhein“ in Seibranz, im „Hirsch“ in Unterschwarzach und im „Waldhorn“ in Dietmanns – traten drei verschiedene Formationen im Wechsel auf. Alle drei Wirtschaften waren rappelvoll und es herrschte beste Stimmung; die Leute, die zumeist jedes Jahr dabei sind, haben begeistert mitgem…
mit Bildergalerie
veröffentlicht am 3. März 2024
Leserbrief

Die WEA vor der Haustür

Zum Widerstand gegen Windkraft in Oberschwaben und im Allgäu
von Walter Hudler
veröffentlicht am 29. Februar 2024
Am 17. März verkaufsoffener Sonntag in Bad Wurzach

Diesjähriger Fit-Fun-Shopping Tag wartet mit einigen Neuerungen auf

Bad Wurzach – Für den diesjährigen Fit-Fun-Shopping-Tag mit verkaufsoffenem Sonntag – wird am 17. März abgehalten – haben sich Johanne Gaipl und Albertine Schoeters als Organisationsverantwortwortliche seitens der Bad Wurzach-Info gemeinsam mit dem HGV wieder einige Neuerungen einfallen lassen, die sie bei einem Pressegespräch gemeinsam mit HGV-Vorstandsmitglied Klaus Michelberger vorstellten.

TOP-THEMEN

Kisslegg
Bad Waldsee – Daniel Steinhauser ist einer, der die Herausforderung liebt. Der an Grenzen geht. Der sich auspowert bi…
Wolfegg-Bainders – Mittwoch, 14. Februar. Am südlichen Abhang von Bainders fällt ein hoher Baum. An sich nichts Außer…

Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk in Allgäu-Oberschwaben

VERANSTALTUNGEN

Kisslegg
ANZEIGE
Cookie Consent mit Real Cookie Banner