Moor-Momente: Im Liebeswahn
Bad Wurzach – Mit den länger werdenden Tagen erwacht auch die Natur langsam aus der Winterzeit. Das Konzert der Vogelstimmen ist aktuell noch zaghaft, doch nach und nach stimmen immer mehr Vogelarten mit ein. Nicht mehr lange, dann flöten auch die Amselmännchen wieder lauthals ihre Melodie.
Tü-dü, dü lü-dü ertönt es dann hoch oben von Dächern, Bäumen oder Sträuchern. Häufig singen mehrere Männchen im Wechsel und versuchen, sich von benachbarten Singwarten aus gegenseitig mit ihrer Gesangsdarbietung zu übertreffen. Der orangegelbe Schnabel und gleichfarbige Augenring der Amselhähne leuchten nun besonders kräftig und bilden einen starken Kontrast zum pechschwarzen, glänzenden Gefieder, das dem Vogel auch den Namen Schwarzdrossel eingebracht hat. Laut Literatur gehört das Amsellied – neben dem Gesang der Nachtigall – „zum Besten, was aus mitteleuropäischen Bäumen und Gebüschen zu hören ist“. Allerdings darf man die Klänge nicht zu früh im Jahr vernehmen, denn laut Volksmund führt dies zu einem erneuten Wintereinbruch mit Spätfrösten und dem Erfrieren von Aussaaten. Und so schön die Flötentöne in unseren Ohren auch sein mögen, sie sind doch eine klare Botschaft an konkurrierende Amselmänner: „Hau ab, hier ist mein Revier“.
Die Paarungszeit ist für Amselmännchen eine anstrengende Sache. Das Gewinnen eines Weibchens und die Verteidigung eines Revieres fordern jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit. Besonders bei letzterem verstehen sie keinen Spaß und liefern sich mit Rivalen wilde Verfolgungsjagden mit rasanten Flugmanövern. Jetzt heißt es für Autofahrer in den frühen Morgenstunden aufgepasst, denn die liebestollen Amseln haben keine Zeit, auf den Straßenverkehr zu achten.
Ein Kulturfolger
Nicht immer hat die Amsel ihr Lied im Siedlungsraum erklingen lassen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war sie ein scheuer Waldvogel und hat sich erst seit dieser Zeit schrittweise in die menschliche Nähe vorgewagt. Die Amsel ist also ein typischer Kulturfolger. Ihre Anpassungsfähigkeit beruht auf einem breiten Nahrungsspektrum, der Flexibilität bei der Nistplatzwahl sowie dem schnellen Ablegen von Scheu. Ihr Wagnis, den schützenden Wald gegen Gärten und Parks einzutauschen, wird insbesondere im Winter belohnt, denn zwischen Gebäuden ist es deutlich wärmer und an Futterhäuschen ist der Tisch reich gedeckt. Und wir Menschen wiederum werden mit den zauberhaften Melodien belohnt, die noch vor Sonnenaufgang unsere Herzen erfreuen. Vogelgesang hebt nachweislich die Stimmung, hilft zu entspannen und spendet uns neue Energie – eine Gratis-Wellness-Behandlung für die Seele. Lassen Sie sich einfach mal darauf ein.
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