Mein Mülltagebuch
Auf unseren Aufruf hin, uns Erfahrungen mit der schleppenden Müllabfuhr mitzuteilen, hat uns Peter Allgaier sein Mülltagebuch zukommen lassen. Mit der Veröffentlichung dieser Chronik wollen wir unser Müll-Forum fürs Erste schließen, zumal wir den Eindruck haben, dass die Akteure (Landratsamt und Entsorger) sehr bemüht sind, das Problem zu lösen. Wir behalten die Angelegenheit aber im Blick und sind offen für Rückmeldungen, falls es zu erheblichen Nichtleistungen kommt oder sich das Problem auf Dauer verfestigt. Allgaier, der im Bereich Gottesbergweg / Espenweg in Bad Wurzach wohnt, hat seinem Bericht den Titel „Eine Chronologie in Stichworten” gegeben:
Eine Chronologie in Stichworten
Letzte Leerung des Biomülls: vor Weihnachten 2025.
Wechsel des Entsorgers seitens des Landratsamtes (LRA) RV.
Ende 2025: Neuen Müllkalender heruntergeladen. Darin: „Nächste Biomüll-Leerung am Samstag, 3. Januar 2026.”
Biomüll am Freitag, 2. Januar 2026, rausgestellt – keine Leerung am nächsten Tag.
Info per Abfall-App: „Verzögerungen wg. Umstellung/Wechsel des Entsorgers.”
Montag, 5. Januar 2026: noch immer keine Leerung.
Nachfrage bei LRA und Entsorger. Antwort des Entsorgers: „Nachleerung am Samstag, 10. Januar 2026.”
Sonntag, 11. Januar 2026: Biomüll noch immer nicht geleert.
Nachfrage bei Entsorger: keine Antwort.
Nachfrage bei LRA: „siehe Abfall-App”. Darin „Verzögerungen” – aber immer noch keine Termine. Die wären allerdings wichtig – man will ja wissen, wann man die Tonnen rausstellen darf / soll / muss.
Kein Platz mehr für den Biomüll. LRA rät: Feuchten Müll im Pappkarton ins Feuchte (Schnee, Eisregen, Regen) rausstellen – „Entsorger ist informiert und nimmt das bei Nachleerung mit.” Klingt nach einer sehr durchdachten Idee. Termin für die Nachleerung? Immer noch Fehlanzeige … Wann also den Karton rausstellen?
Inzwischen haben wir gar keinen Platz mehr für den Biomüll. Dürfen wir den jetzt in den Restmüll packen? Oder droht uns dann eine Geldstrafe? Die App weiß leider keine rechtssichere Antwort. Dafür liefert sie einen sehr energiesparenden Tipp: Jeder dürfe den Biomüll im privaten PKW nach Wangen oder RV zur Deponie bringen und dort KOSTENLOS abgeben.
Hinweis vom LRA: „Bei nicht erfolgter Leerung Tonne wieder reinstellen, Nachleerung individuell für jede Tonne mit digitalem Ticket beantragen.” Zweimal gemacht – keine Reaktion, keine Nachleerung. Ob man den durchnässten Karton auch wieder „reinstellen” soll (wohin eigentlich? Küche oder Wohnzimmer?), hat das LRA leider vergessen, mitzuteilen.
Freitag, 16. Januar 2026: Der zweite reguläre Abfuhrtermin im neuen Jahr (inzwischen zum offiziellen „Nachleerungstermin” deklariert) wird endlich durchgeführt. Die Biotonnen werden im Laufe des Tages geleert – allerdings nicht vollständig. Die Hälfte hängt noch in der Tonne. Im Espenweg türmt sich der Restmüll inzwischen immer höher. Dafür lese ich irgendwann eine Pressemitteilung des LRA – in der auf die App verwiesen wird.
Samstag, 17. Januar 2026 bis Donnerstag, 22. Januar 2026: Jeden Tag laufe ich im Espenweg an noch höheren Müllhaufen vorbei. Der Gestank lässt sich nicht mehr ignorieren.
Donnerstag, 22. Januar 2026: Im Laufe des Tages wird der Restmüll abgeholt. Auch im Espenweg sieht es nach 4 Wochen wieder mehr nach Kurstadt und weniger nach Schwellenland aus. Die Lage hat sich – nach nur 4 Wochen Müllduft in den Straßen des Städtles – deutlich entspannt.
Wie Frau Schmitzer in ihrer Leserzuschrift frage ich mich: Hat das LRA keine Pläne des Vorgängerunternehmens? Konnte die niemand von diesem besorgen? Außerdem frage ich mich, ob man nicht im Zeitalter von GPS, Google Maps und KI einen notdürftigen Plan für den Anfang erstellen kann, der zumindest das größte Chaos abwendet? Und: Werden funktionierende Pläne diesesmal im LRA (für zukünftige Wechsel) archiviert?
Der festgefrorene Biomüll ist entsorgerunabhängig immer noch ein Ärgernis. Warum schaut das LRA nicht mal in eines der 20 Länder auf der Welt, die noch kälter als Deutschland sind, ob es dort besser läuft (und das bei gleichen physikalischen Gesetzen – auch dort liegt der Gefrierpunkt von Wasser bei 0 Grad Celsius). Man könnte ja mal versuchen, im Winter fester an den Biotonnen zu rütteln (oder vielleicht sogar zu klopfen) oder den Arbeitern der Entsorgungsfirmen (die am wenigsten dafür können) geeignetes Werkzeug zu geben, mit dem sie schnell die Innenseiten „freistoßen” können. Man könnte im Winter eventuell. auch kürzere Zyklen für den Biomüll (und zum Ausgleich längere bei anderen Müllsorten) fahren.
Die Entspannung der Lage kommt reichlich spät. Die Kommunikation seitens des LRA war frustrierend und streckenweise desaströs. Verweise auf eine App, der man keine Termine, sondern nur unpraktikable „Tipps” entnehmen kann, helfen nicht. Das einzige, was von Amts wegen immer klar kommuniziert wird, sind die Fristen, die der Bürger einzuhalten hat – und was er zu bezahlen hat. Und die Drohungen, was passiert, wenn der Müll nicht sauber getrennt wird und eine Socke im falschen Behälter landet. Das stärkt nicht gerade das viel beschworene „Vertrauen des Bürgers in den Staat und seine Institutionen”.
Peter Allgaier, Bad Wurzach
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