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Stadtseniorenrat schlägt Alarm

Hausarztversorgung und Pflege im Alter „sehr problematisch”



Foto: Uli Gresser
Unter der Gesprächsleitung von Christian Leggemann (Zweiter von links) diskutierten Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die Landtagsabgeordnete Petra Krebs, Brigitte Landinger (Stadtseniorenrat), Klaus Schütt (Stadtseniorenrat) und andere über den Hausarzt- und Pflegenotstand in Bad Wurzach und generell im ganzen Land. Eingeladen hatte der Stadtseniorenrat. Foto: Uli Gresser

Bad Wurzach – Der Stadtseniorenrat hatte kürzlich zu einem Gespräch mit MdL Petra Krebs und Bürgermeisterin Alexandra Scherer eingeladen, um mit ihnen über die Situation der hausärztlichen und die pflegerische Versorgung im Alter zu sprechen. Neben betroffenen pflegenden Angehörigen waren auch Vertreter von Institutionen wie Sozialstation, Tagespflege und Vertreter des Vereins „Miteinander-Füreinander“ in den Sitzungssaal gekommen. Die Situation in Bad Wurzach wurde allgemein als schwierig gesehen.

Das vierte Gebot

Klaus Schütt, der Sprecher des Stadtseniorenrat-Teams in Bad Wurzach, zitierte bei seiner Begrüßung das vierte Gebot der Bibel: „Du sollst Vater und Mutter ehren“ und sprach damit sogleich eines der Kern-Themen der Diskussion an, nämlich den gesellschaftlichen Umgang mit alten und pflegebedürftigen Menschen. Ein weiteres Thema, das die Diskussionsrunde um Christian Leggemann, Mitglied des Stadtseniorenrates, Vorsitzender des Kreisseniorenrates und Moderator des Abends, mit der Landtagsabgeordneten Petra Krebs (Die Grünen) und Bürgermeisterin Alexandra Scherer diskutierte, war die schwierige hausärztliche Versorgung in der Region. Petra Krebs ist gelernte Krankenschwester und hat in der parlamentarischen Arbeit ihre Schwerpunkte auf Gesundheits- und pflegerische Themen gelegt.

Klaus Schütt, Sprecher des Stadtseniorenrates, benennt die Defizite im örtlichen Gesundheitswesen.

„Sehr problematisch“

Die Situation, was hausärztliche Versorgung speziell auch für ältere Menschen angeht, sieht auch Carolin Schletter, die Leiterin der Sozialstation Gute Beth Bad Waldsee, die in Bad Wurzach ein Büro betreibt, als „sehr problematisch“. Es seien zu wenige Hausärzte vor Ort, Hausbesuche gebe es schon lange nicht mehr und außerhalb der Sprechzeiten eine Verordnung zu bekommen sei schwierig. Außerdem fehlten der Sozialstation Mitarbeiter, zumal diese durch die große Fläche der Stadt auch immer lange Touren zu fahren haben, teilweise bis zu 69 km pro Tour. Bei den Hausnotrufnummern 116 oder 117 dauere es immer sehr lange, jemanden zu erreichen. Oft würden Patienten aus den Krankenhäusern ohne ärztliche Verordnungen am Wochenende entlassen. „Wir gehen dann immer ein großes finanzielles Risiko ein, wenn wir in Vorleistung gehen.“ Den Einwurf von Petra Krebs, dass dies mit der digitalen Krankenakte besser werde, konterte Schletter: „Es fehlt an der Technik, wir warten seit einem Jahr darauf!“

Carolin Schletter, die Leiterin der Sozialstation Gute Beth Bad Waldsee, beklagte, dass es Hausbesuche von Seiten der überlasteten Ärzte nicht mehr gebe.

Die Stadt hat sich aktiv um Ärzteniederlassung bemüht

Bürgermeisterin Alexandra Scherer erklärte, der Ärztemangel habe sich bereits seit über zwei Jahren abgezeichnet. Seitdem versuche die Stadt, obwohl es keine kommunale Aufgabe sei, über ein Ärzte-Recruiting mit einer Agentur zusammen Nachfolger zu finden. Ein einziger Interessent habe einmal einen Tag hier verbracht, aber dann doch abgesagt.

Inzwischen rufen Bürger bei der Stadt an, wenn sie verzweifelt einen Hausarzt suchen. Es gebe verschiedene Modelle wie etwa ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), aber auch diese brauchen Ärzte.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer beschrieb die Bemühungen der Stadt, Ärzte zur Niederlassung in Bad Wurzach zu bewegen.

„Gesundheitsprävention an den Schulen verstärken“

Petra Krebs sieht im digitalen Zugang zu ärztlichen Leistungen Vorteile. Sie erwartet, dass wenn die Arbeitenden drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben können, die Krankheitszeiten kürzer werden, weil ein Arzt bisher meist für eine ganze Woche krankschrieb. Gesundheitsprävention – auch und besonders – an den Schulen hält sie für sehr wichtig, insbesondere Rauchen sei dabei eines der größten Probleme, das viele Zivilisationskrankheiten verursache.

Die Landtagsabgeordnete Petra Krebs ist gelernte Krankenschwester.

Ein dramatisches Beispiel

Klaus Schütt berichtete von einem Erlebnis, das ihn den Glauben an unser Gesundheitssystem verlieren lässt: Eine ältere Bekannte, der es plötzlich nicht gut ging, versuchte, sich Hilfe über die 116 zu holen, mit dem Ergebnis: keine Reaktion. Eine Nachbarin riet ihr, den Notruf 112 anzurufen mit dem Ergebnis: „Wir dürfen sie als nichtakuten Notfall nicht mitnehmen.“

Zu wenig Studienplätze

Bürgermeisterin Scherer bemängelte, dass eine Fachaufsicht wie die Kassenärztliche Vereinigung gerade im sozialen Bereich funktionieren sollte. Bei allen Ideen wie MVZ oder für Seniorenwohnen wie etwa Wohngemeinschaften usw. sei eines immer wichtig: Man braucht dafür Ärzte. Für den Bedarf an Ärzten gebe es zu wenig Studienplätze an den fünf medizinischen Fakultäten des Landes.

Die Hausarztförderung des Landes

Krebs verteidigte das Ausbildungssystem, allerdings sollten die Ärzte dem System erhalten bleiben und nicht etwa in die Pharmaindustrie wie etwa zu Vetter und Boehringer gehen. Um die Hausarzt-Misere anzugehen, hat das Land 150 zusätzliche Studienplätze geschaffen. Wer sich darauf bewirbt, muss unterschreiben, nach dem Studium zehn Jahre als Hausarzt zu arbeiten.

Der Pflegenotstand

Auch in der Pflege herrsche Mangel an Plätzen, sagte Klaus Schütt im Rahmen der Diskussion zum Thema Pflege. In Bad Wurzach gebe es eine Einrichtung mit 54 Plätzen sowie vier  Kurzzeitpflegeplätzen. Und häusliche Pflege müsse man sich auch leisten können.

Das sei ein großes Problem, das sich nicht so leicht lösen lässt, antwortete ihm die Landtagsabgeordnete. „Pflegekräfte kosten auch viel mehr als vor zehn Jahren.“ Darüber hinaus gebe es keine bundes- oder landesweite Pflege-Regelung.

„Was kann man tun, um die häusliche Pflege finanziell zu stärken, weil auch die ambulanten Dienste an ihre Grenzen kommen?“, fragten Stefanie Heinrich und Marlies Mennig von Miteinander-Füreinander. Und Gisela Brodd sagte, dass viele Frauen, die pflegen, Probleme mit ihrer Rente bekommen. Pflegekosten seien Sache des Bundes über die Pflegekasse, erklärte Krebs.

Gut besucht war die Veranstaltung des Stadtseniorenrates.

Ein Bürger aus Aulendorf fragte, wie es sein könne, dass bei einem von vielen Seiten  hochgelobten Projekt einer WG einer Person, welche Sozialhilfe benötigte, diese vom Landratsamt Ravensburg verweigert werde. Moderator Christian Leggemann bat den Fragesteller mit ihm in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisseniorenrates extra das Gespräch zu suchen.

Christian Leggemann, Mitglied des Leitungsteams des Stadtseniorenrates, moderierte die Veranstaltung.

Eine pflegende Angehörige erklärte, 60 bis 80 Prozent der Angehörigen, die zu Hause pflegen, hätten keine Lobby. In die gleiche Richtung ging die Anmerkung von Carolin Schletter, die sagte, den Pflegenden müsse mehr Respekt gezollt werden.

Manfred Braun, für Arnach im Gemeinderat, erklärte, die Bundes- wie auch die Landespolitiker hätten die Altersstruktur seit langem nicht korrekt hochgerechnet. Und die jeweiligen Gesetze seien viel zu kompliziert, um effizient zu sein.

„Die Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern“

Bürgermeisterin Scherer dankte in ihrem Schlusswort den Ehrenamtlichen. „Großen Respekt, denn die Netzwerke in Bad Wurzach funktionieren sehr gut.“ Die Politik müsse allerdings bessere Rahmenbedingungen schaffen, dann könnte man noch mehr bewegen. Sie wünsche sich auch noch mehr Austausch zwischen der Politik und den Kommunen.
Text und Fotos: Uli Gresser

Anm. d. DBSZ-Red.: Die späte Veröffentlichung des vorstehenden Artikels hat produktionsinterne Gründe. Sie geht nicht zu Lasten unseres Reporters, der zeitig geliefert hat. Die Redaktionsleitung ist derzeit verstärkt mit dem Auf- und Ausbau benachbarter Ausgaben befasst.




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