Eröffnung Hummelausstellung im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried
Bad Wurzach – Unter dem Titel „Muskulös und gut isoliert – Hummeln, die Superhelden unter den Insekten“ lädt das Naturschutzzentrum Wurzacher Ried Besucher zu der aktuellen Wechselausstellung im Gewölbegang ein, auf zehn großformatigen, beleuchteten Tafeln sich näher mit dem Leben dieser „Superhelden“ zu befassen. Aus privaten Gründen musste Michael Eick, der Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, auf die Reise nach Bad Wurzach verzichten, so dass Dr. Siegfried Roth, der Leiter des Naturschutzzentrums, kurzfristig die fachliche Einführung übernehmen musste.
Leise summend und doch unverzichtbar: Hummeln zählen zu den faszinierendsten Insekten unserer heimischen Natur. Als besonders leistungsfähige Bestäuber spielen sie eine zentrale Rolle für den Erhalt zahlreicher Pflanzenarten – und damit auch für unser Ökosystem und unsere Ernährung. Gleichzeitig ist ihr Überleben bedroht, denn Lebensraumverlust, Klimawandel und Pestizide setzen ihnen zu.
Die Ausstellung der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg macht die erstaunlichen Fähigkeiten der Hummeln sichtbar: wie sie ihre Flugmuskulatur auf Touren bringen, welche Pflanzen sie bestäuben und wie ein Hummeljahr abläuft. Auf zehn großformatigen, beleuchteten Tafeln lädt die Ausstellung im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried ein, diesen stillen Helden auf die Spur zu kommen und zu erfahren, warum sie unsere Aufmerksamkeit und unseren Schutz verdienen.
Für Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die qua Amtes Stiftungsratvorsitzende der Stiftung Naturschutz als Träger des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried ist, war es eine große Freude, die Ausstellung zu eröffnen. „Besser kann man das Thema nicht präsentieren,“ sagte sie in ihrer Begrüßung der zahlreichen Gäste zu den drei Damen des Naturschutzzentrums, die sich als „Hummeler“ verkleidet hatten, wie die großen Insekten im Schwäbischen heißen.
Dr. Siegfried Roth, der Leiter des Naturschutzzentrums, sagte in seiner fachlichen Einführung: „Oft als die „gemütlichen Cousinen“ der Honigbiene belächelt, sind Hummeln in Wahrheit wahre Hochleistungssportler der Natur und unverzichtbare Pfeiler unserer Ökosysteme. Diese Ausstellung lädt Sie ein, hinter das dichte Pelzkleid der Gattung Bombus zu blicken.
Hummeln sind eine exklusive Gruppe innerhalb der Wildbienen. Während es weltweit über 20.000 Bienenarten gibt, ist die Zahl der Hummelarten deutlich kleiner, was jede einzelne Art umso wertvoller macht. Weltweit gibt es 250-290 Arten, schwerpunktmäßig in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel. In Europa sind 70-80 Arten bekannt, 41 in Deutschland. Allerdings gelten drei davon als ausgestorben oder verschollen. Und 50 % der heimischen Hummelarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Aber es gibt auch Ausnahmen, wie die Dunkle Erdhummel oder die Ackerhummel, weil sie flexibler bei der Nahrungssuche sind. Spezialisierte Arten, die auf bestimmte Pflanzen oder Lebensräume (wie magere Bergwiesen) angewiesen sind, verschwinden dagegen praktisch lautlos. Hauptursachen für deren Verschwinden sind der Verlust an Lebensraum durch landwirtschaftliche Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden und der Klimawandel.
Kältespezialisten
Weil sie als einzige Insektenart richtige Kältespezialisten sind, können sie auch in Höhenlagen über 4000 Metern überleben. Ihre Wiege lag ursprünglich in den Hochgebirgen Zentralasiens. Aber: Trotz ihrer Robustheit gegenüber Kälte sind Hummeln extrem empfindlich gegenüber Umweltveränderungen.
Was können wir tun?
Was können wir tun, um die Arten zu schützen und zu deren Überleben beitragen: Als Nahrungsquelle benötigt die Hummel ein kontinuierliches Blütenangebot, angefangen vom Weidekätzchen im März bis zu den Späten Astern im Oktober. Ebenso brauchen die Hochleistungssportler Nistmöglichkeiten: Totholzstapel oder stehengelassene Mäuselöcher sind die bevorzugten Villen von Hummelköniginnen.
Siegfried Roth lud alle ein, im eigenen Garten oder in der Natur Hummeln zu fotografieren, die Fotos dem Naturschutzzentrum zur Artenbestimmung zu bringen, die dann an einer extra Wand in der Ausstellung ausgestellt werden sollen.
Ausstellung noch bis 21. Juni
Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Juni zu den üblichen Öffnungszeiten von Moor Extrem zu sehen.
Text und Bilder: Uli Gresser
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