Ensemble nimmt Besucher mit auf eine Reise ins Weltall
Bad Wurzach – „Wir sind nicht allein“ – Leben im Weltall – so hieß das Konzert mit Bild- und Filmsequenzen am 5. Februar in der Kirche St. Verena. Volles Haus, Stille, Dunkelheit. Was es dann für 90 Minuten zu sehen und zu hören gab, war außergewöhnlich und faszinierend. Das Ensemble um Clemens Bittlinger bot eine gelungene Mischung aus stimmungsvollen Melodien, Lieder zum Mitsingen mit geistvollen Texten, wunderschönen Aufnahmen von Galaxien und Sternen, und ganz viel Wissen über Alter, Aufbau und Entwicklung des Universums.

Astrophysikalische Erkenntnisse stehen nicht im Widerspruch zur Genesis, dem Schöpfungsbericht in der Bibel. Das war die Botschaft des multimedialen Konzerts in der Verenakirche in Bad Wurzach am 5. Februar. Unser Bild zeigt von links David Plüss am Keyboard, Matthias Dörsam an Sax oder Querflöte und Clemens Bittlinger, mit Gitarre oder Texten. Der Astrophysiker Prof. Dr. Andreas Burkert aus München (hier nicht abgebildet) legte wissenschaftliche Erkenntnisse dar; sie stellen keinen Gottesbeweis dar, können aber auch die Existenz Gottes nicht widerlegen. Das persönliche Zeugnis der vier Protagonisten wurde deutlich: Hinter allem steckt – Gott.
Schon vor zwei Jahren hat die Katholische Kirchengemeinde St. Verena den deutschlandweit bekannten Liedermacher, Autor und evangelischen Pfarrer Clemens Bittlinger und den Astrophysiker Prof. Dr. Andreas Burkert von der Uni München zu einem multimedialen Konzert eingeladen. Musikalisch begleitet werden sie von David Plüss, ein Meister am Keyboard und Matthias Dörsam am Sopran-Saxophon oder mit Querflöte. Das kam so gut an, dass die Gruppe mit rund 100 Konzerten im Jahr, nochmals nach Bad Wurzach eingeladen wurde, diesmal mit neuen Erkenntnissen rund um das Leben im Weltall.
War es ein Schöpfer, der uns das Leben einhauchte?
Die große Frage des Abends lautete: Gibt es noch einen Planeten mit Leben da draußen – oder sind wir die einzigen auf einer Erde, wo alles genau passt, wie der Abstand zur Sonne, die Atmosphäre und Leben entstehen konnte? War es „nur“ die Evolution, die alles so wunderbar entstehen ließ, oder war da ein Schöpfer, ein Gott? Immerhin ist die Erde schon 4,5 Milliarden Jahre alt, wie man weiß.
Clemens Bittlinger ist die Ruhe in Person, er spielte Gitarre und lud alle Besucher zum Mitsingen seiner eigenen Kompositionen ein, der Text wurde mittels Beamer eingeblendet. So sang man gemeinsam über Engel, Sternenstaub, über die kleine blaue Murmel. David Plüss und Matthias Dörsam zauberten zu atemberaubenden Bildern aus fernen Galaxien sphärische Klänge in den dunklen Kirchenraum, der nur mit einigen bunten Lichtquellen intergalaktisch beleuchtet war.
Eine Mischung von Naturwissenschaft und christlichem Glauben

Der Uniprofessor Andreas Burkert (Bild) verstand es hervorragend und sehr amüsant, das vorhandene kompakte Wissen über die Entstehung und Entwicklung des Universums mit seinen mehr 100 Milliarden Galaxien mit noch viel mehr Sternen (wer sie wohl gezählt hat?) dem Publikum verständlich nahe zu bringen. „Um das Wissen übers Weltall aber zu verstehen, dazu brauch ich die Theologie“, betonte der Astrophysiker, denn letztendlich bleibe die Frage, was war VOR dem Urknall, der sogenannte „Tag ohne gestern“, wie konnte alles entstehen und warum? Dass es noch viele Planetensysteme gibt, sei sicher, sie wurden vor Jahrzehnten schon entdeckt. Leben darauf sei durchaus denkbar und sogar wahrscheinlich.
„Der Schöpfer war kreativ, und er war es vermutlich nicht nur einmal“, hieß es, und: Seit dem Urknall, als die ganze Materie und Energie nur die Größe einer Grapefruit hatte, dehnt sich das Universum aus, es entstanden und entstehen unzählige Sterne. Immer wieder wurde an diesem Abend klar: Das Weltall ist schier unendlich groß und weit. Zum nächstmöglichen erdähnlichen Planeten Proxima Centauri sind es 4,2 Lichtjahre, oder 500 Generationen, wenn ein Raumschiff unterwegs wäre. Wir hören nichts da draußen, obwohl seit 50 Jahren mittels Funkanlagen das All abgehört wird, und auch von uns vielerlei Töne gesendet werden. Es scheint, als wäre da kein vergleichbares Leben, weder Aliens noch eine Intelligenz.
Das Weltall ist 13,82 Milliarden Jahre alt
Zeit und Raum – kaum vorstellbar: Vom Urknall zur heutigen Erde war es ein weiter Weg, oder wissenschaftlich gesagt: 13,82 Milliarden Jahre. „Unser Stern“, die Sonne braucht ca. 200 Millionen Jahre, um einmal um unsere Galaxie zu wandern. Doch alles ist im Wandel, entsteht, lebt und vergeht im Universum. Auch unsere Sonne verliert ihre Energie, wird irgendwann zum Roten Riesen, dann zum Weißen Zwerg, zur Gaswolke, und somit ist dies auch das Ende des blauen Planeten bzw. der kleinen blauen Murmel, wie es Clemens Bittlinger in einem seiner Lieder nennt.
Zwischen den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, tat es gut, Musik zu hören, Lieder zu singen. Die Seele kam zur Ruhe, man konnte das Gehörte etwas „verdauen“, konnte über seinen eigenen Glauben nachdenken. Jazzige Klänge gab es zu faszinierenden Bildern einer Gaswolke im Weltall, wo Sterne entstehen. Der Theologe Bittlinger versäumte es nicht, Bibelstellen zu zitieren, die über den Schöpfungsakt erzählen, die unvorstellbare Größe Gottes preisen. „Wir sind Sternenstaub – Kinder des Weltalls“, bestehend aus den Ur-Elementen Wasserstoff, Helium, Stickstoff und Sauerstoff, erläuterte Burkert und Bittlinger las dazu den Urtext des Alten Testaments vor. Gott, der Schöpfer ist eine machtvolle Energie, der alles geschaffen hat.
Die Erde ist unendlich kostbar für uns Menschen
„Wir sind Eintagsfliegen im Weltraum“, meinte Bittlinger in seiner ruhigen, fast meditativen Art, „doch wir Menschen hinterlassen alle Spuren“, und lud zum Singen ein. Die Schluss-Erkenntnis: Unsere Erde ist kostbar und wertvoll, trotzdem machen wir sie zusehends kaputt. „Wir haben keinen anderen Planeten. Wir müssen unsere Erde schützen und bewahren für weitere Generationen“, betonte Seelsorger Bittlinger. Wichtig war ihm auch die cbm (Christoffel Blindenmission), die das Ensemble mit Spenden unterstützt.
Die Kirchenbesucher gaben lange Applaus, so dass es noch eine musikalische Zugabe gab, über den Stern von Bethlehem sowie ein Lied und ein Gebet für den Frieden auf der Welt. Nochmals gab es lange Applaus, bevor die Besucher in die mondhelle Nacht hinausgingen. Sehr gut besucht war der Bücher- und CD-Stand des Ensembles, wo man sich mit noch mehr Informationen und Musik eindecken konnte.

Unsere Galaxie – also die Milchstraße, die wir sehen. Da sind wir nur ein Punkt im Bild (der Pfeil zeigt auf unsere Sonne).
Text und Fotos: Carmen Notz
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