Bürgermeisterstelle in Bad Wurzach offiziell ausgeschrieben
Bad Wurzach (rei / UG ) – Am Samstag, 14. Februar, ist in der Bürger- und Gäste-Information (BürGI, besser bekannt als „Das grüne Blatt“) die Stellenanzeige für die Bürgermeisterwahl in Bad Wurzach am 26. April erschienen. Es ist die Kurzfassung der maßgeblichen Stellenausschreibung, die am 13. Februar im Staatsanzeiger erschienen ist. Die Bewerbungsfrist hat mit der Veröffentlichung der Stellenausschreibung am 14. Februar begonnen; sie endet am 30. März (18.00 Uhr). Amtsinhaberin Alexandra Scherer hat bereits im November erklärt, dass sie wieder antritt. Am 9. Februar ist der Gemeindewahlausschuss unter Vorsitz von Klaus Schütt zusammengekommen und hat Regularien für die Bürgermeisterwahl festgelegt. So wird es am 16. April eine Kandidatenvorstellung im Kursaal geben (auch dann, wenn es nur eine einzige Bewerbung gibt).
Bürgermeisterin Alexandra Scherer ist seit acht Jahren im Amt; bei der Wahl im Jahre 2018 hatte die Verwaltungsfachfrau, die zuvor Bürgermeisterin in Erlenmoos gewesen war, mit 78,7 Prozent gesiegt. Die 55-jährige ist zwar Mitglied der CDU. Sie hat aber bekundet, als unabhängige Kandidatin anzutreten.
Bad Wurzachs CDU begrüßt die Kandidatur der Amtsinhaberin. Emina Wiest-Salkanovic, die Stadtverbandsvorsitzende, und Klaus Schütt, Nummer zwei der Orts-CDU, haben in einem Redaktionsgespräch mit dem „Wurzacher“ deutlich gemacht, dass man mit der bestens eingearbeiteten Fachfrau Alexandra Scherer weitermachen möchte. Nach dem Gespräch, das auf Initiative der CDU zustandegekommen war, bat der „Wurzacher“ die anderen drei kommunalpolitischen Vereinigungen um Stellungnahmen zur Bürgermeisterwahl. Diese schriftlich bei uns eingegangenen Stellungnahmen veröffentlichen wir ungekürzt.
CDU: „Sie macht einen guten Job“
Klaus Schütt und Emina Wiest-Salkanovic betonen neben der Verwaltungskompetenz der Amtsinhaberin auch deren Bürgernähe. Die beiden machen keinen Hehl daraus, dass sie die Bürgermeisterin unterstützen werden. Scherer sei zwar CDU-Mitglied, aber sie trete als unabhängige Kandidatin an. Klaus Schütt begründet dies so: „Alexandra Scherer hat in den acht Jahren bei Anfragen im Gemeinderat keinen Unterschied zwischen CDU, Freien Wählern, Mir Wurzacher oder Grünen gemacht. Im Gemeinderat wird keine Parteipolitik gemacht.“
Sie sei eine Bürgermeisterin für alle, bodenständig und bürgernah. Kritik sei oft „zu Unrecht“ an sie angebunden worden. Vieles, was ihr vorgeworfen wurde, habe sie nicht zu verantworten gehabt, wie etwa den Turmbau im Ried, dessen ursprüngliche Pläne weit vor ihrer Amtszeit angestoßen worden waren. Und beim Biosphärengebiet hätten die Macher in Stuttgart es versäumt, die Bevölkerung von Anfang an „mitzunehmen“.
Auf CDU-Antrag habe die Bürgermeisterin zugestimmt, dass auch Gemeinderatsgruppen mit nur zwei Räten Fraktionsstatus erhielten. Sonst wären nämlich die beiden kleinen Gruppen (Grüne und MirWurzacher) im Gemeinderat nicht in den Ausschüssen vertreten gewesen. „Wir müssen auch diese mitnehmen, um konstruktiv zu arbeiten“, sagte Wiest dazu.
Der Bürgerdialog sei ein neues Projekt von Scherer, das sie nach der Wahl angehen wolle. Emina Wiest begründet auch, warum sie und ihr CDU-Kollege Scherer unterstützen wollen: „Sie macht einen guten Job, ist menschlich zugewandt.“ Und sie bringe einiges mit, was benötigt werde. Sie sei, wenn es sein muss, unermüdlich sieben Tage die Woche unterwegs. Sie kenne die große Flächengemeinde mit den neun Ortschaften und den vielen Weilern bestens. Wiest und Schütt verweisen auch auf die fachliche Expertise der Amtsinhaberin. Emina Wiest: „Eine Bürgermeisterin, ein Bürgermeister sollte ausbildungsmäßig unbedingt aus dem Verwaltungsfach kommen.“ Was bei Alexandra Scherer ja gegeben sei.
Zur Krise im Kurbetrieb sagte die CDU-Stadtverbandsvorsitzende: „Es war wie ein Kinnhaken für uns alle, als die korrekten Zahlen bekannt wurden.“ Klaus Schütt kritisierte unzureichendes Marketing von Seiten der Kurgeschäftsführung (die ja zum Jahresende beendet wurde). In der Stadt und in der näheren und weiteren Umgebung seien die Leistungen des Bad Wurzacher Kurbetriebes mit Vitalium und Restaurant viel zu wenig bekannt. Es müsse dafür geworben werden, „dass man dort auch gut essen kann.“
Für Wiest und Schütt ist das Wurzacher Ried zugleich Segen und Fluch: Segen für den Tourismus, aber auch Fluch, weil es als natürliches Hindernis für die Gewerbeansiedlung wirkt.
Große Hoffnungen setzt Klaus Schütt auch auf den neuen Stadtbaumeister Andreas Heine-Strahl, etwa bei der Verkehrsberuhigung im Sanierungsgebiet West, etwa, was die Ravensburger Straße angeht.
Ein weiteres Problem, das in der kommenden Amtszeit von Bürgermeisterin oder Bürgermeister in Bad Wurzach gelöst werden muss, ist der Hausärzte-Mangel, der sich bereits in diesem Jahr noch verschärfen wird, erklärt Emina Wiest. In der Amtszeit von Frau Scherer sei diesbezüglich eine Initiative zum Ärzte-Recruiting gestartet worden. Klaus Schütt ergänzt: „Ein großes Problem wird auch auf die Kommunen bei der Pflege zukommen.“
Beim sogenannten Sondervermögen, das Bad Wurzach vom Bund zugestanden wird, werde die Stadt laut Emina Wiest zwei Großprojekte finanzieren und keine Streuung vornehmen.
Freie Wähler schicken keinen eigenen Kandidaten ins Rennen
Kurt Miller, Sprecher der Fraktion der Freien Wähler im Bad Wurzacher Gemeinderat, antwortete auf die Fragen des „Wurzachers“ (Wie stehen die Freien Wähler zur erneuten Kandidatur von Frau Scherer? Denken die Freien daran, einen alternativen Bewerber anzusprechen?) wie folgt: „Seitens der Fraktion der Freien Wähler-Vereinigung positionieren wir uns bei der Bürgermeisterwahl neutral und werden nicht aktiv gegen Frau Scherer arbeiten. Wir haben keinen anderen Kandidaten, den wir zu unterstützen gedenken. Allerdings hoffen wir schon, dass sich geeignete Kandidaten auf dieses Amt bewerben, so dass die Bürgerinnen und Bürger auch tatsächlich eine Wahl haben. Wir denken, dass unser Städtle mit seinen vielseitigen Ortsteilen einem Bürgermeister / einer Bürgermeisterin zwar durchaus viel abverlangen, aber auch sehr viel schöne und Lust auf dieses Amt machende Seiten bieten kann.”
Mir Wurzacher: „Verhalten uns neutral“
Franz-Josef Maier von der Fraktion „Mir Wurzacher“ antwortete auf die Anfrage der Bildschirmzeitung wie folgt: „Als Gemeinderäte verhalten wir uns in Bezug auf die Bürgermeisterwahl prinzipiell neutral, zumal aus unseren Reihen derzeit kein Kandidat für dieses Amt erkennbar ist.
Die Gemeinderatsfraktion von Mir Wurzacher steht immer noch unter dem Eindruck der beiden Entscheidungen des Jahres 2025 durch die Wurzacher Bürgerschaft über die Zukunftsprojekte ,Turm im Ried‘ und ,Biosphärengebiet‘. Beide Entscheidungen haben uns gezeigt, dass unser sachorientiertes Ringen um die Zukunft von Bad Wurzach von großen Teilen der Bevölkerung nicht mitgetragen wird.
Wir können nur hoffen, dass bei der anstehenden Bürgermeisterwahl anstelle von Unmut und Befürchtungen wieder Vernunft und Sachlichkeit die Oberhand gewinnen.
Die großen Zukunftsprojekte wurden begraben.
Völlig unabhängig vom Ausgang der Wahl wird jedes zukünftige Stadtoberhaupt samt Gemeinderat den Mut zu einschneidenden Einsparungen brauchen, um die finanziellen Mittel für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Gemeinde freizubekommen.“
Die Grünen: „Viele Bürger wünschen sich eine echte Wahl“
Rainer Deuschel und Anja Halder von der Fraktion der Grünen im Bad Wurzacher Gemeinderat gaben folgende Stellungnahme ab: „Die bevorstehende Bürgermeisterwahl ist eine wichtige Weichenstellung für Bad Wurzach. Sie bietet die Chance, nicht nur eine Person zu wählen, sondern auch darüber zu entscheiden, in welche Richtung sich unsere Stadt künftig entwickeln soll.
Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine echte Wahl – eine Wahl aus mehreren Kandidat*innen, mit unterschiedlichen Ideen, Visionen und Lösungsansätzen. Demokratie lebt vom Vergleich, vom Diskurs und vom Mut zur Veränderung.
Ein zentrales Thema unserer Zeit ist der Klimaschutz. Gerade eine Stadt wie Bad Wurzach, mit ihrer einzigartigen Moor- und Naturlandschaft, trägt hier eine besondere Verantwortung. Doch ehrlich gesagt: Klimaschutz wurde bisher nicht konsequent verfolgt. Einzelne Maßnahmen reichen nicht aus, wenn eine klare Gesamtstrategie fehlt.
Wir brauchen zukünftig entschlossene und verbindliche Maßnahmen: einen sparsameren Umgang mit Bauland, eine klare Priorität für Innenverdichtung statt immer neuer Flächenversiegelung, mehr Mehrfamilienhäuser und vor allem Mehrgenerationenwohnprojekte, die sozialen Zusammenhalt fördern und gleichzeitig ökologisch sinnvoll sind.
Viele Menschen sind unzufrieden mit der aktuellen Amtsführung. Ja, es gab Ansätze – insbesondere in der Teilortentwicklung. Doch was fehlt, sind Visionen für das Ganze. Statt mutiger Zukunftskonzepte erleben wir zu oft Stillstand oder Ablehnung, etwa beim Biosphärenprozess, der eine große Chance für nachhaltige Entwicklung, regionale Wertschöpfung und touristische Perspektiven geboten hätte.
Bad Wurzach steht vor großen Herausforderungen: Klimaanpassung, Wohnraummangel, demografischer Wandel, finanzielle Belastungen der Kommune. Dafür brauchen wir Konzepte, Ideen und den Willen, Lösungen zu entwickeln – nicht nur Verwaltung des Bestehenden. Diese Wahl sollte ein Aufbruch sein. Für mehr Beteiligung. Für mehr Mut. Für eine nachhaltige, soziale und zukunftsfähige Stadt Bad Wurzach.“
Gemeindewahlausschuss legte Modalitäten zur Bürgermeisterwahl fest
Der Gemeindewahlausschuss tagte am 9. Februar, um die Modalitäten der Bürgermeisterwahl am 26. April festzulegen. Alle Beschlüsse ergingen einstimmig.
Unter der Leitung von Klaus Schütt, mit Martin Tapper von der Stadtverwaltung an seiner Seite, legte der Ausschuss, bestehend aus Frank Rogg als Bürgervertreter und den drei Gemeinderäten Rainer Deuschel, Norbert Fesseler und Heinrich Vincon den exakten Ablauf von der Stellenausschreibung im Staatsanzeiger Baden-Württemberg (ist am 13. Februar erschienen) bis zur förmlichen Feststellung des Wahlergebnisses am 27. April bzw. nach einer eventuellen Stichwahl (wäre am 10. Mai) fest.
Martin Tapper erläuterte, dass alle wichtigen Daten wie Namen und Lebensläufe, Termine etc. im Amtsblatt (BürGI) veröffentlicht werden. Man wolle alles möglichst transparent machen. Beim Ablauf habe man sich an der letzten Wahl 2018 orientiert. Die Verwaltung sei verpflichtet, die Bewerbungen sehr schnell zu prüfen und die Bewerber auf eventuell noch fehlende Unterlagen hinzuweisen.
Norbert Fesseler fragte an, ob die Bewerber wieder die Möglichkeit hätten, mit einem Stand auf dem Wochenmarkt Wahlwerbung zu betreiben. Martin Tapper erklärte, dass nach vorheriger Antragstellung ihnen dort ein Standplatz zugewiesen werde.
Klaus Schütt ist Moderator bei der Kandidatenvorstellung
Für die öffentliche Kandidatenvorstellung am 16. April im Kursaal wurde Klaus Schütt als Moderator benannt, im Verhinderungsfall soll dies Karl-Heinz Buschle als zweiter Stellvertreter der Bürgermeisterin übernehmen. Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr. Die Redezeit beträgt pro Bewerber 15 Minuten. Die Fragezeit für Fragen aus dem Publikum wird auf 10 Minuten je Bewerber begrenzt. Pro Besucher ist eine Frage zugelassen.
Die Reihenfolge bei der Kandidatenvorstellung werde analog zum Bewerbungseingang erfolgen. Während der Vorstellung werde aus Neutralitätsgründen nur der eine Kandidat im Saal sein.
Als nächster Sitzungstermin des Gemeindewahlausschusses wurde der Tag des Bewerbungsschlusses am 30. März um 20.00 Uhr festgelegt, um dann die Reihenfolge und Korrektheit der Bewerbungen zu bestätigen.
Die Wahl am Sonntag, 26. April, findet in den üblichen Wahllokalen in Stadt und Land statt; selbstverständlich ist es für die wahlberechtigten Bürger auch möglich, die Stimme brieflich abzugeben. Wahlberechtigt sind Bürger – Deutsche und EU-Bürger – ab 16 Jahre. Eine eventuell notwendig werdende Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Kandidaten ist für den Sonntag, 10. Mai 2026 terminiert.
Uli Gresser / Gerhard Reischmann
Unter „Downloads“ haben wir allgemeine Hinweise für Bewerber und Hinweise zur öffentlichen Bewerbervorstellung am Donnerstag, 16. April 2026, hinterlegt














