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Zum Thema 500 Jahre Bauernkrieg

Bitterwolf und Skuppin bescherten amüsanten Singabend



Foto: Ulrich Gresser

Bad Wurzach – Im Rahmen des Jubiläumsjahres 500 Jahre Bauernkrieg, zu dem es schon einige Veranstaltungen und Vorträge gegeben hatte, wurde vom Team der Bad Wurzach-Info (BWI) nun ein musikalischer Abend mit bäuerlichen Liedern aus verschiedenen Epochen angeboten. Wer könnte dafür besser geeignet sein, als die beiden in der Region sehr bekannten Barden Barny Bitterwolf und Michael Skuppin, die auch sofort die Zuhörer und Mitsänger an diesem Abend in der Leprosenhauskapelle rasch in ihren Bann zogen, nachdem Bernhard Maier, der Vorsitzende des Leprosenhausvereins, die Gäste begrüßt hatte.

Mit Liederheft zum mitsingen

Bekleidet im bäuerlichen Alltagshäs, dem Blauhemd – oder auch Russenkittel genannt – hatten die beiden verschiedene Musikinstrumente aus jener Epoche mitgebracht. Und nicht zu vergessen ein aufwendig gestaltetes Liederheft mit dem Titel „Für die Freiheit – Bauernlieder aus fünf Jahrhunderten“, das im Eintrittspreis mit inbegriffen war. Damit hatte jeder Besucher Gelegenheit, die von den Beiden vorgeschlagenen Lieder mitzusingen, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Anhand der Liedtexte konnte Bitterwolf auch die Lebenssituation des „gemeinen Mannes“, also der Bauern, die in der Bevölkerung die Mehrheit stellten, nachzeichnen. Die Bauern konnten in den Texten ihrer Lieder sich die Sorgen, Nöte und Ängste, aber auch die Alltagsfreuden von der Seele singen. Dabei wird in zum Teil drastischen Worten von ihrem beschwerlichen Leben erzählt.

Neben den Liedtexten hat Bitterwolf aber auch die Zwölf Artikel von Memmingen vom März 1525 abgedruckt, die in der damals sagenhaften Auflage von 25.000 kurz nach der Erfindung der beweglichen Lettern bzw. des Buchdruckes gedruckt wurden, die sich sehr schnell in ganz Deutschland verbreiteten. Oder das Bauern-Vaterunser, in dem es unter anderem heißt: „geheiligt … werde Dein Name!“ Sie quälen ohne Ruh und Rast und schreien Bauer was Du hast „es komme zu uns.“ Sie rauben, plündern immerdar, und wenn sie könnten, auch sogar – „dein Reich“.

Aber Bernhard Bitterwolf konnte auch einige Unsauberkeiten bei der Umsetzung von Gehörtem zum Schriftlichen aufdecken. Etwa bei dem Lied „Die Glocken vom Bernwartsturm“. Darin ist von einem Büffelhorn die Rede. Büffel gab es jedoch hier nie. Gemeint war sicherlich der Piffel, das Instrument der Viehhirten. Und Bitterwolf kommt nie nach Wurzach ohne seinen Piffel, den er sich nach dem Vorbild des auf dem Deckengemälde der St. Verena-Kirche abgebildeten Instrumentes bauen ließ.

Apropos Kirchen: Er hatte auch ein Bild der Pfarrkirche Gaisbeuren dabei, auf deren Spitze ein Morgenstern prangt, eine in der Zeit vor dem Bauernkrieg tödliche Waffe in den Händen der Landsknechte und Ritter bei kriegerischen Auseinandersetzungen.

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Interessantes zur Geschichte

Michael Skuppin berichtete, da es viele Worte im Deutschen bisher gar nicht gab, dass Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung zahlreiche Worte erfand, die dann Eingang in die deutsche Sprache fanden. Außerdem sei der Spruch „Wir können alles – außer Hochdeutsch“, mit dem die Landesregierung PR macht, historisch gesehen falsch: Die Sueben, die im Rahmen der Völkerwanderung von der Ostsee in den Süden zogen, hätten damals nämlich Alt-Hochdeutsch gesprochen, die Völker im Norden nämlich Nieder-Deutsch. Dass das Christentum erst durch die irischen Missionare wie Colomban und Gallus in den Süden Deutschlands kam, war ebenfalls eine Erkenntnis, die die beiden Barden dem Publikum nahebrachten. Und mit ein Grund für den Ausbruch des Aufstandes war der Ablasshandel, von dem sich die Bauern mangels Finanzkraft ausgeschlossen fühlten.

Zurück zur Musik: Neben den eine falsche Idylle vorgaukelnden Liedern wie „Im Märzen der Bauer“, oder „Hejo spann den Wagen an“ waren Lieder wie „Der arme Bauer“ oder „Der arme Kunrad“ oder „Arg muss sich der Bauer quälen“, schon eher solche, die das harte Leben der Leibeigenen Bauern widerspiegelten.

Unter den Instrumenten, die Bitterwolf präsentierte, war auch ein Vorläufer der späteren Tischzither. Um dieses Instrument zu spielen, holte sich Bitterwolf Martin Tapper, der das Konzert als Vertreter der Stadtverwaltung besuchte, sowie einen weiteren Gast, die das Instrument gut festhalten mussten. Michael Skuppin diente Bitterwolf als Notenständer. Skuppin selbst spielte unter anderem auch bei einem selbstkomponierten Lied die Laute, während Multinstrumentalist Bitterwolf auch noch das Sack– oder auch Schäferpfeifeninstrument – versehen mit dem Kommentar „Es ist immer wieder spannend, das Instrument zu spielen“ – zum Einsatz brachte.

Gemeinsam sang man an diesem Abend „Die Ballade 1525“, die laut Bitterwolf im Original 47 Strophen hatte. Einwurf von Skuppin: „Abraham a Sancta Clara predigte zu seiner Zeit zwischen zwei und drei Stunden!“ Anhand dieses Liedes, das im Stile der späteren Bänkelsängerlieder gehalten war, zeigte Bitterwolf auch auf, wie zu einer bekannten, eingängigen Melodie immer mehr Strophen dazu kamen. Gesungen wurde auch das Lied „Es wollt ein Bauer früh aufstehen“, in dem auch das Lotterleben der Geistlichkeit aufgespießt wird, weswegen im Mittelalter auch der Zölibat eingeführt wurde.

Mit dem neuesten Lied – eine Eigen- und Auftragskomposition von Bitterwolf – „Wir sind die Kraft vom Land“, das Bitterwolf beim Deutschen Bauerntag 2008 in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte, endete dieser mit viel Humor gespickte, aber dennoch auch mit viel Überlegenswertem zum Thema Bauernleben und Bauernkrieg musikalische Geschichtsabend.

Fun Fact zum Abschluss: Woher kommt der Ausdruck „Hinz und Kunz?“ Heinrich und Konrad waren zu der Zeit die häufigsten Namen, Familiennamen kamen erst später auf. Und so wurde aus den beiden Vornamen eben in der Menge Hinz und Kunz.
Text und Fotos: Uli Gresser

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Fotos: Ulrich Gresser

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