Zitate und ihre Gesichter
Bad Waldsee – Mainstream ist es nicht, was Marianne Jocham immer wieder im Seenema ausstellt. Und es sind in der Regel auch nicht die arrivierten Kunstschaffenden, deren Werke die Kino- oder Bistrobesucher an den Wänden bestaunen können. Lässt man die Ausstellungen Revue passieren, zieht es sich wie ein roter Faden durch, dass das Seenema unbekannten Künstlern, Autodidakten, Quereinsteigern in die Kunstszene oftmals die erste Chance gibt, ihre Werke einem größeren Publikum vorzustellen. Zur Zeit sind dort Zitate und ihre Gesichter zu sehen (die Ausstellung geht bis 1. März). Die Zitate gesammelt und die Portraits dazu gemalt hat Jo Brösele. Schwabe durch und durch. Unterhaltungs-, Wort und Bildkünstler, Buchautor und Filmemacher aus Schemmerhofen bei Biberach.

Jo Brösele am Saxophon. Und an der Wand.
Man muss beides auf sich wirken lassen, die Gesichter und die Worte. Die mexikanische Malerin Frida Kahlo wird zitiert mit „Ich trank, weil ich meine Sorgen ertränken wollte. Aber jetzt haben die verdammten Dinge gelernt zu schwimmen.“ Otto Waalkes ist vertreten mit: „Dass ich meinen Film gemacht habe, hatte mineralogische Gründe. Ich brauchte Kies.“ Stan und Olli alias Dick und Doof werden mit „Wer es wagt, bei meiner Beerdigung zu weinen, mit dem rede ich kein Wort mehr“ zitiert.

Frida Kahlo.

Otto Waalkes.

Dick und Doof.
Dutzende mehr oder weniger bekannte Gesichter, Schauspieler, Politiker, Musiker hängen mit ihren Worten und Portraits an den Wänden. Eine Gesichter- und Worteschau, bei der die Besucher sicher den einen oder anderen kennen und das eine oder andere Zitat schon mal gehört haben. Die Portraits sind flüssig gemalt, wie für eine Ausstellung extra im gleichen Stil. Immer vor einem dunklen Hintergrund, der sich in der linken Bildseite langsam auflöst. Die Gesichter mit ihren Charakteristika herausgearbeitet. Nicht bunt, mit sparsamen Einsatz von Farbe. Erst bei Marilyn Monroe knallen die Lippen in Rot. Und immer kommt der Karikaturist Jo Brösele durch.

Loriot.

Mahatma Ghandi.

John Wayne.
Damit sind wir bei der Vernissage. Sie verdient wirklich eine besondere Würdigung, denn sie war weit weg von den üblichen Laudationes mit Musikeinlagen. Jo Brösele besorgte das als begnadeter Entertainer alles alleine. Jazz auf dem Saxophon mit elektronischer Begleitung. Gesangseinlagen. Ein Weihnachtsgedicht. Und dann noch eine schnelle Karikatur eines Besuchers. Dazwischen ein Talk mit Marianne Jocham. Ja, er ist vor allem ein Multitalent, das von sich selbst sagt, er liebe es, die Leute zu unterhalten.

Jo Brösele als Schnellkarikaturist. Heinz Erhardt sieht’s mit Wohlgefallen.

Das Werk fast fertig.

Voilà!
„Ich bin auf die Welt gekommen und habe meine Mutter unterhalten“ – mit diesem Zitat von Jo Brösele endet die Ausstellungsbesprechung unseres Reporters Erwin Linder.
Noch bis 1. März
Die Zitate und Gesichter sind noch bis zu 1. März 2026 im Seenema zu den üblichen Kinozeiten zu sehen.
Text und Fotos: Erwin Linder
Erstveröffentlichung am 21. Dezember
















