Nicht klassisch, aber ins Ziel – Ein anderer Weg der beruflichen Ausbildung
Bergatreute – Dustin Z. (20), ehemaliger Schüler der Gemeinschaftsschule Bergatreute, hat seine 3,5-jährige Ausbildung zum Technischen Systemplaner bei der Firma Ingenieurbüro Werner Schwarz GmbH (ib schwarz) erfolgreich abgeschlossen. In einem betrieblichen Auftrag im Rahmen der Abschlussprüfung, Teil 2, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) erzielte er dabei herausragende 99 von 100 möglichen Punkten. Bemerkenswert ist dieser Erfolg vor allem vor dem Hintergrund, dass Dustin die Schule während der Klassenstufe 10 ohne Schulabschluss verlassen hatte. Der klassische schulische Bildungsweg entsprach damals nicht in vollem Umfang seinen individuellen Stärken.
Sarah Schuler, die seit 2018 als Karrierebegleiterin an der Gemeinschaftsschule Bergatreute tätig ist, ging während dieses 10. Schuljahres in den Austausch mit Dustin, dem Elternhaus und den Lehrkräften. Die Karrierebegleiterin machte sich auf die Suche nach einer passenden beruflichen Perspektive, Dustins Potenzial entsprechend, und landete hierbei u.a. im Bereich der Technischen Systemplanung. Mit der Firma -ib schwarz-, einem regional verwurzelten Unternehmen und langjährigen Bildungspartner der Gemeinschaftsschule Bergatreute, fand sich ein Betrieb, der in diesem Erstversuch bereit war, diesen Weg mitzugehen.
Obwohl die Ausbildung zum Technischen Systemplaner in der Regel mindestens ein mittleres Bildungsniveau voraussetzt, wurde gemeinsam nach einem individuellen Weg gesucht, der Dustins praktischen Fähigkeiten und seiner persönlichen Entwicklung Rechnung trug.
Während dem laufenden Schuljahr in Klasse 10 stieg Dustin bei ib schwarz im Zuge einer Einstiegsqualifizierung (EQ) ein. Diese Phase diente dazu, seine praktischen Fähigkeiten zu erproben, betriebliche Abläufe kennenzulernen und sich schrittweise an die Anforderungen des anspruchsvollen Berufs heranzutasten. Das EQ wurde vorzeitig beendet und mündete in einem Ausbildungsverhältnis, da schnell deutlich wurde, dass Dustin das nötige Potenzial und die erforderliche Eigeninitiative mitbrachte.
„Der herkömmliche Weg in eine klassische Ausbildung ist heute immer öfter nicht für alle jungen Menschen realisierbar “, weiß Sarah Schuler aus ihrer täglichen Arbeit. Umso wichtiger werde es, dass Elternhaus, Schule und Betriebe gemeinsam kreative und zugleich realistische Lösungen entwickeln, was Mut und ein Denken über den Tellerrand hinaus erfordere. „Insbesondere für Jugendliche, die aus schwierigen familiären Verhältnissen oder aus wenig unterstützenden Umfeldern kommen, kann individuelle Begleitung entscheidend sein“, weiß auch Esther Traub von ib schwarz. Es gelte, jungen Menschen die Chance zu geben, ihre Stärken zu erkennen und erfolgreich zu entwickeln, selbst wenn der herkömmliche Bildungsweg nicht optimal funktioniere.
In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit gelte für Sarah Schuler, dass es in der Perspektivfindung ein grundsätzliches „geht nicht“, nicht gebe. Das hätten auch einige weitere positive Beispiele der letzten Schuljahre gezeigt.
„Dustins Ausbildungszeit war nicht immer einfach, sie brachte Höhen und Tiefen mit sich“, so Esther Traub. Ein Bildungsweg wie dieser, weiß Traub, sei deutlich herausfordernder als der klassische Weg, er erfordere viel Selbstdisziplin, Engagement und Durchhaltevermögen – sowohl vom Auszubildenden selbst als auch von allen Beteiligten wie Kollegen, Ausbildern und Begleitern. Dass Dustin den Weg erfolgreich gemeistert habe, lag dabei nicht nur an seinem eigenen Engagement, sondern auch an allen Beteiligten, die ihn auf diesem Weg unterstützt haben, insbesondere seinem Ausbilder M. Mikczynski.
„Dustins Weg ist lediglich ein Erfahrungsbericht, soll aber keinesfalls als Empfehlung verstanden werden, die Schule abzubrechen“, so Traub. Ein regulärer Schulabschluss bleibe nach wie vor die wichtigste Grundlage für eine Ausbildung!
Gemeinsam mit Frau Traub besuchte Dustin jüngst seine ehemalige Schule und brachte stolz seine Abschlussbescheinigung mit. Er bleibt ib schwarz als Technischer Systemplaner im Bereich elektrotechnische Systeme erhalten und hat bereits seinen Arbeitsvertrag unterschrieben. Als erster Abgänger der Gemeinschaftsschule Bergatreute auf diesem alternativen Ausbildungsweg macht Dustins Geschichte Mut: Sein Beispiel zeigt, dass individuelle Begleitung, Vertrauen und engagierte Partner -auch im Falle von Widrigkeiten – nachhaltigen beruflichen dennoch Erfolg ermöglichen.














