Klosternahes Wohnen der Franziskanerinnen von Reute erhält Innovationspreis
Bad Waldsee-Reute – Mit dem neuen Innovationspreis „Kirche und bezahlbares Wohnen“ zeichnet das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen erstmals herausragende kirchliche Projekte, Konzepte und Initiativen aus Baden-Württemberg aus, die sich auf innovative Weise mit bezahlbarem Wohnraum auseinandersetzen. Die Franziskanerinnen von Reute sind mit ihrem Projekt „klosternahes Wohnen“ unter den 10 Preisträgern, wie das Ministerium am 12. Februar bekanntgab.
Eine Fachjury hatte aus zahlreichen Einsendungen 10 besonders innovative Projekte ausgewählt. Das klosternahe Wohnen in Reute stehe „stellvertretend für das große Potenzial kirchlicher Akteure, Verantwortung für die Wohnraumversorgung zu übernehmen“, heißt es in der Begründung der Preisverleihung. Die Freude über die Preisverleihung ist im Kloster groß. Das Projekt, das Teil des großen Klosterbergprojekts in Reute ist, ist ein Herzensvorhaben der Schwestern. In einem Teil des Mutterhauses werden nicht mehr benötigte Räume zu Wohnungen umgebaut. Jeweils zwei bzw. drei frühere Schwesternzimmer ergeben dann eine kompakte Wohneinheit mit kleiner Küche und Nasszelle. Für jeweils vier Bewohner steht ein großer Gemeinschaftsraum mit eigener Küche zur Verfügung. „Das ist Teil des Konzeptes“ erklärt Generaloberin Sr. Maria Hanna Löhlein. „Wir laden für das klosternahe Wohnen Menschen ein, gemeinschaftlich zu wohnen und zu leben, ihren Alltag zu teilen und Anteil aneinander zu nehmen“.
Verzicht und Gewinn gehören zum Konzept
Für das klosternahe Wohnen verzichten die Bewohner auf eine große Wohnung und teilen sich statt dessen Gemeinschaftsflächen. Doch nicht nur die eigenen vier Wände stehen ihnen zur Verfügung, auch Garten oder Kapelle im Kloster können sie mitnutzen. „Unsere Idee ist, dass die Bewohner an anderer Stelle eine große Wohnung oder ein Haus frei machen, in dem sie alleine leben“, sagt Projektkoordinator Claus Mellinger und ergänzt, dass so ein doppelter Nutzen entstehe, wenn Familien den freiwerdenden Wohnraum übernehmen könnten, die es immer schwerer auf dem Wohnungsmarkt hätten. Darüber hinaus können sich die Bewohner am Klosterleben beteiligen, kleine Aufgaben übernehmen und dafür die Nähe zur Schwesterngemeinschaft genießen.
Bauarbeiten kommen gut voran
Im vergangenen Dezember kamen die Interessierten an dieser Wohnform für vier gemeinsame Tage ins Kloster Reute, um sich kennenzulernen und ihrer Entscheidung für die Wohnform einen Schritt näher zu kommen. Beim Rundgang über die Baustelle konnten sie die neuen Wohnungen schon einmal besichtigen. Die Bauarbeiten kommen gut voran. In einigen Zimmern liegt schon der Parkettboden und der helle Kalkputz an den Wänden sorgt für eine freundliche Atmosphäre. Für Sr. Maria Hanna geht es jedoch nicht nur um schönes und bezahlbares Wohnen. Sie wolle dem Trend zu immer größerem Flächenverbrauch beim Wohnen etwas entgegensetzen und zeigen, dass es auch anders gehe. Das Ziel des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen, „durch die Nutzung und Umnutzung bestehender kirchlicher Gebäude und Liegenschaften Potenzial zur qualitätsvollen Aktivierung von Wohnraum zu erschließen“ gehe hier voll auf.
Öffentliche Baustellenführung am 21. Februar
Stand heute nehmen die Franziskanerinnen weitere Interessierte auf die Interessentenliste. Eine Möglichkeit, die eindrucksvolle Klosterbaustelle zu besichtigen, bietet sich am Samstag, 21. Februar um 14:00 bei der öffentlichen Baustellenführung.














