Der Rat des Christian Skrodzki
Reute / Bärenweiler / Urlau – Christian Skrodzki ist in Sachen Altbau-Rettung ein Schwergewicht. Er war die Lokomotive beim Vorzeigeprojekt „Bürgerbahnhof Leutkirch“, der von einer Genossenschaft getragen ist. Die Genossenschaftsidee hat der Leutkircher Altbau-Entwickler auch bei der Genuss-Manufaktur in Urlau eingebracht. Seine ganze Kraft wendet er seit einigen Jahren dem Projekt „Heimat Bärenweiler“ zu, einem einst Waldburg-Zeil’schen Weiler bei Kißlegg, der über Jahrhunderte als Alterssitz-Einrichtung für die bäuerliche Bevölkerung rund um Kißlegg und die weitere Umgebung gedient hatte, mit angeschlossener Landwirtschaft zur Versorgung der Bewohner und selbstverständlich ausgestattet mit einer Kirche, um den Bewohnern auch geistliche Nahrung zukommen zu lassen. Christian Skrodzki hat den Weiler vor wenigen Jahren zur Gänze erworben und ist dabei, ihn zu einem Event-Hotspot zu entwickeln. Dessen ungeachtet schweift sein Blick über das Land, das er liebt, mit seinen Menschen und den Gebäuden, in denen sie leben und gelebt haben. Und wenn er sieht, dass unverzichtbare historische Substanz gefährdet ist, dann ergreift er mutig das Wort. Das gilt auch für das Pfarrhaus in Reute. Nach einem Artikel in der „Schwäbischen Zeitung“ über die Entwicklung um das bedeutende Anwesen, das zum Kauf ausgelobt ist, hatte Skrodzki sich an die SZ Bad Waldsee mit einem Vorschlag zur Rettung gewandt. Wir haben Christian Skrodzki daraufhin gebeten, uns seine Meinung zum Reutener Pfarrhaus darzulegen. Er schreibt:
„Mit Kopfschütteln lese ich die Nachricht, dass selbst bei der Auktion in Berlin kein Käufer gefunden wurde. Das Pfarrhaus in Reute ist aus meiner Sicht ein absolut hochkarätiges Kulturdenkmal, dass in die richtigen Hände kommen sollte. Realistisch gesehen ist es nur schwer möglich, das Haus in ein Wohnhaus zu verwandeln. Entweder man muss Millionär sein oder man zerstört wertvolle denkmalgeschützte Substanz für die Nachwelt.
Ich hatte vor Jahren ein Gebot für das Gebäude abgegeben, weil ich verhindern wollte, dass es in falsche Hände fällt. Dann bekam ich nach längerem Hin und Her sogar den Zuschlag. Ich musste dann aber passen, als sich in der Zwischenzeit in meinem Projekt ,Heimat Bärenweiler’ die finanzielle Situation so zugespitzt hatte, dass ich finanziell nicht mehr in Lage war, das Pfarrhaus als Zwischenkäufer zu retten.
Ich hatte zusammen mit meinen Geschäftspartnern bereits in Aichstetten durch einen Zwischenkauf den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes „Gasthaus Adler“ verhindert. Nach längerem Suchen haben wir damals einen Käufer gefunden, der das Gebäude jetzt nicht mehr abreißen kann, weil die Abrissgenehmigung verwirkt ist.
Das Pfarrhaus in Reute ist zwar noch nicht für den Abriss vorgesehen, aber durch einen Kauf durch eine anonyme Person (Investor), die womöglich weit weg von Oberschwaben wohnt, ist das Gebäude dennoch gefährdet. Das weiß ich aus jahrzehntelanger Erfahrung. Wenn ein wenig erfahrener privater Investor das Gebäude besitzt und dann nichts unternimmt, dann kommt auch kein Denkmalamt mehr ins Gebäude, um weitere Schäden anzumahnen. Zum Beispiel können Löcher nach einem Wintersturm im Dach oft lange unerkannt Wasser ins Haus lassen und dem Kulturdenkmal den Garaus machen. Wenn ein Käufer/Investor weit weg von Reute wohnt, kann es mitunter sein, dass er monatelang das Gebäude nicht betritt …“
„Wenn sich ein Dutzend Menschen findet …“
Der erfahrene Altbau-Entwickler und charismatische Motivator, der es mehrfach schon verstanden hat, Menschen für die Rettung historischer Bausubstanz zu gewinnen – und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde – appelliert an die hiesige Bevölkerung, in Sachen Reutener Pfarrhaus zusammenzustehen: „Wäre ich aus Bad Waldsee oder aus der näheren Umgebung, dann würde ich alle Hebel in Bewegung setzen, um das Gebäude für die Bürgerschaft und die Öffentlichkeit zu sichern. Wenn sich ein Dutzend Menschen findet, die jeweils 25.000 Euro in die Mitte werfen und das Land Baden-Württemberg das Gebäude für 150.000 Euro verkauft, dann können mit den verbleibenden Summen ein paar Dinge im Haus gemacht werden, die die Substanz aufwerten, Wasser draußen halten … und das Gebäude für Ausstellungen oder dergleichen zugänglich macht. Bei einem Gebäude dieser Kategorie dürfte auch das Landesdenkmalamt Geld beisteuern und die eine oder andere Stiftung sicher auch. Ob es sich um einen Verein oder eine Genossenschaft oder eine andere Gesellschaftsform handelt, die sich des Pfarrhauses annimmt, ist einerlei. Wichtig ist anzuerkennen, dass man ein Kulturdenkmal auch retten kann, ohne Millionen zu investieren.
Voraussetzung ist der Willen der Bevölkerung, dieses Gebäude nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Ich bin aber kein Bad Waldseer und kann mich nicht um jedes gefährdete Gebäude der Region kümmern. Ich empfinde es aber als Armutszeugnis für unsere reiche Region, dass sich keine Initiative gründet, die sich des Gebäudes annimmt. Würde das Gebäude in Leutkirch oder Umgebung stehen, hätte ich noch während der Weihnachtsfeiertage zwei Handvoll Menschen zusammengetrommelt und versucht, sie für die Rettung des Gebäudes zu begeistern. Es ist egal, ob es ein Dutzend Menschen ist, die jeweils 25.000 Euro einbringen, oder ob es 30 Menschen sind, die jeweils 10.000 Euro einbringen. Geld in so ein Gebäude einzubringen und zur Rettung beizutragen, ist ein wahrer Heimatwert und wird uns, wo auch immer, vergolten. Mein Motto lautet: ,Ich möchte am Ende meiner Tage keine Euros hinterlassen, sondern Spuren! Spuren in meiner Heimat.‘ Ich bin überzeugt, dass es auch in der Raumschaft Bad Waldsee Menschen gibt, die nicht nur Euros vererben möchten.“
„Ich gebe ein paar Stunden dazu …”
Der vielfach ausgezeichnete Gebäude-Retter Christian Skrodzki, kann sich derzeit in Reute finanziell nicht engagieren. Aber er geizt nicht mit gutem Rat, gespeist aus nachweislich gelungenen Projekten. Skrodzki schreibt: „Wie man so eine Initiative startet, welche Bausteine und Netzwerke nötig sind und wie man ein einfaches Nutzungskonzept auf die Beine stellt, kann ich gerne potenten Bürgern aus der Region Waldsee erklären. Und wenn es am Ende nicht klappt, die entsprechenden Menschen dafür zu begeistern, dann könnte man in Bad Waldsee zumindest abschließend sagen: ,Wir haben es zumindest versucht.‘ Gerne biete ich ein paar Stunden meiner engen Zeit an und instruiere sie, wie man ein Projekt dieser Art angehen könnte.“
Soweit die Motivations-„Rede“ von Christian Skrodzki. Für sein Engagement für den Erhalt unseres baulichen Erbes wurde er, wie gesagt, mit dem Bundesverdienstkreuz und weiteren namhaften Preisen ausgezeichnet.
Gerhard Reischmann / Christian Skrodzki


Im Jahre 2022 wurde Christian Skrodzki von der Brauerei Meckatzer als „Persönlichkeit des Jahres” ausgezeichnet. Die Trophäe übergab Brauerei-Chef Michael Weiß. DBSZ-Archivbild (Meckatzer)

2006 erhielt Christian Skrodzki (links) als einer der Initiatoren des Hilfsprojekts „Wangen hilft Togo“ den Medienpreis „Bambi“ in der Kategorie „Stille Helden“. DBSZ-Archivbild (Burda)

Das barocke Pfarrhaus in Reute. Dass es nicht dem Zahn der Zeit zum Opfer fällt oder in die Hände nichtdenkmalorientierter Investoren gerät, ist ein Anliegen von Christian Skrodzki. Der vielfach ausgezeichnete Gebäudeerhalter ruft die Bad Waldseer zu einer Gemeinschaftsaktion zur Rettung des Gebäudes auf. Foto: Erwin Linder














