Skip to main content
ANZEIGE
Von der Kommune zum mittelständischen Unternehmen

Mike Schmidt berichtete über den Finkhof



Foto: Uli Gresser
Mike Schmidt, Mitbegründer der Schäfereigenossenschaft Finkhof eG, sprach beim Begegnungsmachmittag in Arnach über die 55-jährige Geschichte des Projekts. In der Hand hält er einen Katalog aus der Anfangszeit.

Arnach – Von der Kommune zum mittelständischen Unternehmen: Beim Begegnungsnachmittag im Gemeindehaus St. Ulrich in Arnach berichtete Mike Schmidt, Mann der ersten Stunde, über den Werdegang des Finkhofes, einer Genossenschaft, die aus einer alternativen Wohn- und Produktionsgemeinschaft hervorgegangen ist.

Dieses Team sorgt im Arnacher Gemeindehaus für gemütliche Nachmittage mit Programm. Unser Bild zeigt von links nach rechts: Petra Riedl, Margit Fimpel, Herta Menig, Anette Grad, Andrea Rogg, Sandra Maucher und Sylvia Buchbinder.

Das ehrenamtliche Arnacher Begegnungs-Team lädt fünf Mal in den Wintermonaten zu einem Begegnungsnachmittag im katholischen Gemeindehaus St. Ulrich ein. Wie am vergangenen Donnerstagnachmittag (5.3.) gibt es dabei stets einen Vortrag zu einem bestimmten Thema; am 5. März berichtete Mike Schmidt, Gründungsmitglied der Schäfereigenossenschaft Finkhof, über die Anfänge und die Entwicklung zu einem Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern.

1971 in Isny

Mike Schmidt war als Schüler dabei, als fünf junge Männer im Jahre 1971 in Isny in einem Bauernhaus, dem Ur-Finkhof, eine WG gründeten und – wie er mit einem Augenzwinkern hinzufügt – frech und respektlos auftraten. Sie waren Selbstversorger, bauten Gemüse an und hatten zunächst zwei Schafe, Resi und Lotti. 1976, er hatte gerade seine Ausbildung abgeschlossen, lebten 14 Personen auf dem Hof, die alle gleichberechtigt waren. Beschlüsse wurden nach wilden und nächtelangen Diskussionen gefasst, so wie jener, einen Kredit aufzunehmen, um 50 Schafe zu kaufen. Man wollte alles selbst machen, scheren, die Wolle waschen und bleichen, um sie dann auf den Märkten zu verkaufen. Bei Wiggensbach wurde dann dafür ein Hof gepachtet, ihre Chance, Wanderschäfer zu werden. Auf dem Hof in Wiggensbach lebten damals 14 Leute in vier Zimmern. „Liebesdramen und Wahnsinn kamen dabei auch nicht zu kurz.“ Damals fingen sie mit dem Versandhandel an, hatten zwar wenig Geld, aber in der Rückschau sei es schon eine schöne Zeit gewesen, bekräftigt Schmidt. „Wir wussten, wir brauchten ein größeres Haus.“ Da traf es sich gut, dass der Vater vom jetzigen Inhaber der Härle-Brauerei, Gottfried Härle, ihnen den Tipp mit dem „Adler“ in Arnach unter der Voraussetzung gab, dass sie sein Bier für die Wirtschaft beziehen sollten.

So kam es, dass sie 1979 den Arnacher „Adler“ vom letzten Besitzer Günther Müller übernahmen und die Schäfereigenossenschaft Finkhof gründeten. Das Gebäude war zwar heruntergewirtschaftet, aber es hatte eine lange Geschichte, denn bereits 1541 wurde es erstmals urkundlich erwähnt (einst das Vogtshaus der gräflich-wolfegg’schen Verwaltung). So mancher, der am Donnerstagnachmittag am Kaffeetisch saß, war in den 1980er-Jahren Stammgast in der alternativen Gastwirtschaft. 15 Jahre lang betrieb man die Wirtschaft weiter, es gab Vorträge zu Themen wie Tschernobyl, zu Frauentagen und zum Waldsterben. Das Problem war dann aber, dass die Wirte – wie er – älter wurden, das Publikum aber jünger. Zudem hatten die Finkhöfler den gegenüberliegenden ehemaligen Kuhstall – bis etwa 1980 in Betrieb bei den letzten „Adler“-Pächtern, der Familie Brandl – dazupachten können, um den Versandhandel auf stabilere Beine zu stellen.

Der erste Katalog erschien aus Kostengründen noch mit Zeichnungen, später dann mit Schwarz-Weiß-Fotos. Natürlich – Werbung muss sein – hatte Schmidt auch den aktuellen Katalog mitgebracht. 

Nachdem der Versandhandel immer mehr expandierte, standen die nächsten Entscheidungen an: Leute anstellen. Und fachmännische Wirtschaftspläne aufstellen. Auch hier schimmerte noch einmal die 68er-Generation durch: Die Frage, Arbeitgeber zu werden, auch die Frage, mit nicht selbst erzeugten Waren Handel zu treiben, wurde lang und breit diskutiert. 1997 wurde in der Nähe des Wohnplatzes Paradies ein großer Schafstall gebaut. 2018 wurde die aktive Schafhaltung aufgegeben; man kooperiert nun mit dem dort angesiedelten Falkenhof.

Nebenbei: Dass der Finkhof groß in den Versandhandel einstieg, führte dazu, dass das Arnacher Postamt lange noch erhalten blieb.

Mike Schmidt verschwieg auch nicht, dass die Wanderschäfer in den 80er-Jahren auch mal Knatsch mit dem Alpenverein hatten, der sich so hochschaukelte, dass die Finkhöfler sogar eine Alpe im Kleinwalsertal besetzten. Der „Allgäuer Schafskrieg“ war ein großes Thema in der Presse.

Rupert Veser, mit 96 Jahren der älteste Arnacher, trug Erinnerungen bei.

Helmut Riedl sorgte für die technische Unterstützung des Vortrages von Mike Schmidt.

Die nächste Generation

2018 übernahm die nächste Generation. Inzwischen hat die Genossenschaft 50 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro. Sie konnte inzwischen auch einige Liegenschaften in der Dorfmitte erwerben. In diesem Frühjahr wird Baubeginn für eine Lagerhalle sein.

Zum Abschluss seines Vortrages zeigte Mike Schmidt noch einen 25-minütigen Film, der das Erzählte verdeutlichte.

Chronik des Finkhofes

Eine detaillierte Chronologie zur 55-jährigen Geschichte finden Sie unter diesem Link https://finkhof.de/finkhof-chronologie

Anette Grad (Bild) vom Begegnungsnachmittagsteam freute sich, dass an diesem letzten Nachmittag des Winterhalbjahres der Saal wieder gut gefüllt war und sie darunter auch viele neue Gesichter begrüßen konnte, die zum Teil auch aus anderen Ortschaften gekommen waren. Auch konnte sie namens des Kirchengemeinderates – sie ist KGR-Mitglied – ein kleines Dankeschön an die Ehrenamtlichen übergeben, die auch an diesem Tag wieder die Gäste mit vielen leckeren selbstgebackenen Kuchen verwöhnten.

Pfarrsekretärin Andrea Rogg, zugleich auch Mitglied des Begegnungsnachmittagsteams, bringt die Blumengeschenke für die Teamerinnen herbei.

Blick in den Saal des Arnacher Gemeindehauses St. Ulrich beim Begegnungsnachmittag am 5. März.

Der Begegnungsnachmittag, der letzte, bevor das Team sich in die Sommerpause verabschiedete, ging mit einem zünftigen Vesper zu Ende.

 Blumen für die Teamerinnen: Anerkennung seitens der Pfarrei für die wertvolle Arbeit. Jetzt macht das Begegnungsnachmittagsteam Pause; im Herbst lädt das Team wieder ein.

Im Herbst geht es weiter mit dem Begegnungsnachmittag im Katholischen Gemeindehaus St. Ulrich in Arnach.

Text: Uli Gresser / rei
Fotos: Uli Gresser

 
Die Chronologie des Finkhofes ist über den roten Button unten rechts aufrufbar.



LINKS


NEUESTE BEITRÄGE

Bad Wurzach
Entwendeter Bankautomat wurde ungeöffnet im Wald aufgefunden

Einbruch in der Volksbankfiliale Arnach

Arnach – In der Nacht von Freitag auf Samstag (6.3./7.3.) um 2.51 Uhr versuchten zwei bislang unbekannte Täter auf dreiste Art und Weise, den Bankautomaten in der Volksbankfiliale Arnach zu stehlen. Die Täter befestigten einen Spanngurt um den Bankautomaten und hängten diesen an einen VW Golf an. Anschließend gaben sie Gas, zogen den Bankautomaten aus der Bank und schleiften ihn über die Straße Richtung Hagenjörges in ein nahegelegenes Waldstück (bei der Arnacher Kläranlage). Die zeitnah eint…
Dietmanns

Mann bei Arbeitsunfall tödlich verunglückt

Bad Wurzach-Dietmanns – Bei einem Arbeitsunfall auf einem Gehöft bei Dietmanns ist am Donnerstagmittag (5.3.) ein 68-Jähriger tödlich verunglückt.
Naturschutzzentrum Wurzacher Ried

Moor-Momente: Im Liebeswahn

Bad Wurzach – Mit den länger werdenden Tagen erwacht auch die Natur langsam aus der Winterzeit. Das Konzert der Vogelstimmen ist aktuell noch zaghaft, doch nach und nach stimmen immer mehr Vogelarten mit ein. Nicht mehr lange, dann flöten auch die Amselmännchen wieder lauthals ihre Melodie.
Eva Zitzls Fotos

Die Störche sind da

Das Geräusch ist unverkennbar, der Blick des Passanten wendet sich noch oben: Die Störche sind zurück. Die klappernden Adebars haben das Nest auf dem Kamin des Hotels „Rössle” in Bad Wurzach wieder bezogen und warten, wie wir jetzt alle, auf den nahenden Frühling. Gesehen und gehört von unserer fotografierenden Leserin Eva Zitzl bei einem Rundgang in Bad Wurzach am Montag, 23. Februar.
Verallia erwägt Stellenabbau in Essen

Standort Bad Wurzach könnte gestärkt werden

Bad Wurzach (rei) – „Wenn Daimler hustet, hat das Land Grippe“ – was im Ländle gilt, gilt für Bad Wurzach in Bezug auf die Verallia, einst Oberland-Glas. Zwar hat die Glasfabrik nicht mehr jene dominierende Stellung wie nach dem Krieg, als sie mit Abstand größter Arbeitgeber der Stadt und Motor der örtlichen Wirtschaft war. Aber wenn Verallia hustet, dann hat das nach wie vor Auswirkungen auf die ganze Stadt. Spürbar im vergangenen Jahr, als an die 50 Stellen abgebaut wurden, wie man aus dem …
ANZEIGE

MEISTGELESEN

Bad Wurzach
Entwendeter Bankautomat wurde ungeöffnet im Wald aufgefunden

Einbruch in der Volksbankfiliale Arnach

Arnach – In der Nacht von Freitag auf Samstag (6.3./7.3.) um 2.51 Uhr versuchten zwei bislang unbekannte Täter auf dreiste Art und Weise, den Bankautomaten in der Volksbankfiliale Arnach zu stehlen. Die Täter befestigten einen Spanngurt um den Bankautomaten und hängten diesen an einen VW Golf an. Anschließend gaben sie Gas, zogen den Bankautomaten aus der Bank und schleiften ihn über die Straße Richtung Hagenjörges in ein nahegelegenes Waldstück (bei der Arnacher Kläranlage). Die zeitnah eint…
Wegen des Baus der Bushaltestellen am Kreisverkehr Ziegelwiese

Rückstau bis über den Käskeller hinaus

Bad Wurzach (rei) – Seit Montag, 2. März, wird an der Ostseite der B 465 beim Kreisverkehr Ziegelwiese gebaut. Hier entsteht eine Bushaltestelle. Der starke Verkehr auf der Bundesstraße wird auf Höhe der Baustelle mittels Ampeln gesteuert. Das führt zu Rückstaus bis weit hinter den Käskeller, mitunter sogar bis Niedermühle. Angeblich sei die Ampel auch nachts, wenn die Bauarbeiten ruhen, „scharf“ geschaltet. Eine Stichprobe durch die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ konnte dies nicht bestäti…
Stadtbaumeister Andreas Heine-Strahl

Seit zwei Monaten im Amt

Bad Wurzach – Seit Anfang des Jahres heißt der Stadtbaumeister von Bad Wurzach Andreas Heine-Strahl. Der in Ehrensberg Wohnende nennt sich „Grenzgänger“, weil der Wohnplatz zwar politisch und kirchlich zu Bad Waldsee bzw. Haisterkirch gehört, er selbst aber seit vielen Jahren in der Narrenzunft Haidgau aktiv ist. Und nun in Bad Wurzach seinen Arbeitsplatz hat. Ein Portrait.
Landesmeisterschaft

Fünffacher Triumph für die Haarwerkstatt aus Kißlegg

Kißlegg – Großer Jubel bei der Landesmeisterschaft 2026 des Fachverbands für Friseure und Kosmetik Baden-Württemberg: Ramona Egger aus der Haarwerkstatt in Kißlegg sicherte sich gleich dreimal Gold – und darf sich nun dreifache Landessiegerin nennen.
mit Bildergalerie
veröffentlicht am 5. März 2026
Tag der offenen Tür im Gesundheitszentrum von Herbert Ringer

Ansturm bei Brugg 10

Brugg – Im Jahre 2010 hat Herbert Ringer in Brugg auf dem Gelände der ehemaligen Kegelbahnen des Gasthauses “Rosengarten” seine Physiotherapie-Praxis aufgebaut. Nach der Schließung des Gasthofes und dem Komplettumbau der ehemaligen Gasträume kann Ringer seinen Patienten und Kunden nun ein stark erweitertes Fitnesszentrum bieten, das technisch und organisatorisch top ist. Am vergangenen Sonntag (1.3.) luden er und seine 14 Mitarbeiter die Öffentlichkeit zu einem Tag der offenen Tür ein. Es gab…
mit Bildergalerie
veröffentlicht am 7. März 2026

TOP-THEMEN

Bad Wurzach
Arnach – Von der Kommune zum mittelständischen Unternehmen: Beim Begegnungsnachmittag im Gemeindehaus St. Ulrich in A…
Arnach – In der Nacht von Freitag auf Samstag (6.3./7.3.) um 2.51 Uhr versuchten zwei bislang unbekannte Täter auf dr…
Bad Wurzach (rei) – Im Rahmen der Sonntagabendmesse auf dem Gottesberg am 1. März wurde bekanntgegeben, dass Superior…

Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk in Allgäu-Oberschwaben

VERANSTALTUNGEN

Bad Wurzach