Wurzacher Narren nehmen Abschied von Katharina, der personifizierten Fasnet
Bad Wurzach – Riedmeckeler, Moorweible, Schnepfla, Muetes und Burgfrau – alle waren sie gekommen um nach dieser kurzen und knackigen Fasnetsaison mit dem großen 75-jährigen Jubiläum unter den Klängen des Fanfarenzuges beim diesjährigen Kehraus unter dem Narrenbaum Abschied von Katharina, der personifizierten Fasnet, zu nehmen.
Es war ein echt-närrischer Trauerzug, der sich am Fasnetdienstagabend unter den traurig schrägen Klängen des Fanfarenzuges dem Narrenbaum näherte. Denn dort sollte sich diese Fasnetsaison in Gestalt der Strohpuppe Katharina alsbald in ein Häufchen Asche verwandeln. Zunftmeister Dominic Neher stimmte im Muetes-Häs die Narrenschar und Gäste mit einem in Reimform gehaltenen närrischen „Gebet“ auf die „Einäscherung“ der Fasnet ein.
„Nach ach so wenig vielen Tagen, müssen wir dich unsere Fasnet, unsere geliebte Katharina zu Grabe tragen“ – O Jerum!“ „Wenn wir daran denken, was du uns gegeben, wie sollen wir ohne dich weiterleben? Wir hatten ein Leben in der Wintersonne, selbst hier in Bad Wurzach war das eine Wonne. Das Leben konnten wir freundlich gestalten, und so mancher hat sich mit sogar mit seinem Nachbarn unterhalten. Aber jetzt ist vorbei die schöne Zeit, jetzt werden Alle normal, des ischt wirklich koi Freud, weil jeder ja doch an sich selber bloß denkt, dr Geldbeutel zuamacht und nix me verschenkt.– O Jerum!“
Nikki Riss, einer der Zunfträte, hatte die Ehre, Katharina zu ihrer letzten Ruhestätte beim Narrenbaum zu geleiten und ihr danach mit Hilfe von Spiritus ein heißes Ende zu bereiten. Und auch darauf zu achten, dass der Narrenbaum keinen Schaden nahm. Während also Katharina in Flammen stand, vergossen die großen und kleinen Narren bittere Tränen, ihre Papiertaschentücher ließen die Flammen immer wieder sich aufs neue entfachen. Unterdessen „betete“ der Zunftmeister die Klagelitanei.
„Mir hond koi Geld meh – wer gibt es uns?“. „Mir hond Löcher in de Strümpf – wer stopft sie uns?“ „Wir haben Durst – wer stillt ihn uns?“ „Mir mond wieder zum Schaffa gau – O Jerum“ heißt es da unter anderem.
Auf dass der Abschied nicht allzu traurig werde, spielte der Fanfarenzug noch einmal all die bekannten Stimmungsstücke, denn es wartete ja der hoffnungsgebende Leichenschmaus. „Im Feuer unter dem Narrenbaum, verglüht unser schönster Fasnetstraum. Doch ehe verglommen ist der allerletzte Funken, wird einmal noch auf Katharinas Wohl getrunken.“
Zunftmeister Neher beendete seine Rede mit den hoffnungsgebenden Worten: „Wenn nach trüben fasnetslose Zeita, unsere Katharina – wieder jung und schön – durch Wurzachs Stroßa wird schreita, ihr Narren das Leben muss weitergehn, Katharina, Katharina bis zum Wiedersehn!“
Und so fand auch diese Jubiläumssaison ihr feuriges Ende und übrig blieb wie alle Jahre ein Häufchen Asche. Die diesjährige Katarina war schon etwas besonderes, denn als der „Totengräber“ in der Asche stocherte, fanden sich noch fast unverbranntes Stroh.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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