Ortsvorsteher gefangen!
Reute / Gaisbeuren – Das Narrenrechtabholen am Freitagabend (6.2.) begann schon vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Gaisbeuren mit einem Bild, das man so schnell nicht vergisst: Das Zigeunervölkle war als Fischer verkleidet angerückt – mit Netzen, Mützen und Gummistiefeln, als wollten sie die Schussen persönlich leerfischen. Vor der Tür drängten sich die Narren, bis schließlich Oberortsvorsteher Achim Strobel öffnete. Doch gegen Zigeunervater Peter Knörle half kein Amtsbonus: Mit trockenem Humor und hartnäckigem Verhandlungsgeschick setzte er den Einlass durch; die Ortsverwaltung musste die närrische Flut passieren lassen.

Narren ante portas: Gleich werden die “Schussentäler” Achims Trutzburg stürmen. Genauer gesagt: Der bisherige Machthaber hatte ein Einsehen und gewährte – widerwillig, aber letztlich doch klug die Übermacht einschätzend – Einlass.
Im Saal übernahm der Fanfarenzug das Kommando und füllte den Raum mit kräftigen Klängen. Danach folgte der traditionelle Machtwechsel: Achim Strobel wurde mit einem Hut feierlich aus dem Amt entstrobelt, während die Ortsvorsteherkette an Gildemeisterin Claudia Schmidt überging. Die Zigeunermusik spielte, die ersten Arme hakten sich ein, und die Schunkelrunde machte klar: Jetzt regieren die Narren!
Das Fischer-Quiz
Für beste Unterhaltung sorgte das große Fischer-Quiz, das Peter Knörle mit spitzem Witz moderierte. Drei Teams – Narrengilde, Fanfarenzug und Ortsverwaltung – traten gegeneinander an und mussten Fragen rund ums Motto „Fischers Fritze fischt in Reute nicht nur Fische, liebe Leute“ beantworten. Von der Länge der Schussen über den Wasseranteil der Erde bis zum Erscheinungsjahr des Liedes „Ein Schiff wird kommen“ war alles dabei. Die Narrengilde angelte sich am Ende den Sieg, während die Verwaltung und der Fanfarenzug eher im Trockendock blieben.
Ehrungen
Im Anschluss ehrte das ANR-Präsidium, das durch Sylvia Sogawe, Andi Heine-Strahl, Fridolin Aierstock und Claudia Bosler vertreten wurde, langjährige verdiente Mitglieder: Hermann Sommer, Peter Knörle und Markus Stein. Ein ausführlicher Bericht zu den Ehrungen folgt.

Sie haben sich um das Brauchtum verdient gemacht.
Der Fanfarenzug legte musikalisch nach, bevor Claudia Schmidt mit einem humorvollen Beitrag zum Motto für weitere Auflockerung sorgte. Danach wurden die Jung- und Narrenräte, die Vorstandschaft sowie der Förderverein für ihren Einsatz gewürdigt.
Ein wehmütiges Adieu
Zum Finale spielte die Schnurrermusik noch einmal auf. Dann trat Peter Knörle ans Mikrofon – mit Harmonika und einem eigens gedichteten Text auf die Melodie von „Ciao Amore“. Zwischen Lachen und leiser Wehmut kündigte er an, nach zehn Jahren sein Amt als Zigeunervater niederzulegen. Ein Moment, der zeigte, wie viel Herzblut, Humor und Hingabe in dieser Rolle stecken.

Das ist die neue Regierung des Ortsteils Reute (in Gaisbeuren haben andere Narren das Sagen).

Der Abgesetzte macht gute Miene. Links neben Ex-Ortsvorsteher Achim Strobel die neuen Machthaberinnen: Gildemeisterin Claudia Schmidt und Präsidentin Julia Schuster.
Seit Freitag liegt das Narrenrecht wieder in närrischer Hand und Reute ist bestens eingestimmt auf die kommenden Tage.
Text und Fotos: Michael Oberhofer















