Personelle Wechsel in Vorstand und Aufsichtsrat
Bad Wurzach – Die Kurhausgenossenschaft lud am 3. Februar zu ihrer dritten Generalversammlung (GV) ein. Rund 300 der 900 Anteilseigner waren der Einladung von Vorstand und Aufsichtsrat gefolgt, um die Weichen für die Zukunft zu stellen und zwei Personalien abzusegnen.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Christoph Gschwind (Bild), begrüßte die anwesenden Mitglieder und fasste die Ereignisse der ersten Jahre der vor drei Jahren gegründeten Genossenschaft zur Wiederbelebung des zuvor inaktiven Kurhauses zusammen. Dass 900 Menschen Anteile gezeichnet hatten, wertete er in seiner Einführung als großes Zeichen für die Gemeinschaft. „Wir wollten – nach dem Motto: Packen wir´s an – dass das Gebäude nicht mehr länger leer steht.“ Er bat um Verständnis, dass man mit der GV deutlich im Verzug sei und benannte auch die Ursachen dafür: Die genossenschaftliche Prüfung hätte im Mai 2025 stattfinden sollen, musste aber aufgrund gesundheitlicher Probleme des Prüfers verschoben werden, so dass der Bericht erst Ende Oktober vorgelegen hatte. Mit der entsprechend erforderlichen Vorlaufzeit wäre eine Versammlung erst in der Weihnachtszeit möglich gewesen, so dass man sich entschlossen hatte, die Versammlung auf den Termin Anfang Februar zu legen. Die nächste Versammlung werde dann bereits im kommenden Juni stattfinden.
Der Saal ist das Sorgenkind

Zum Geschäftsverlauf seit der Eröffnung berichtete Gschwind (Bild), dass das Interesse zu Beginn naturgemäß sehr hoch gewesen sei. Beim Saal habe man jedoch nicht ansatzweise jene Zahlen erreicht, die man sich vorgestellt hatte. Die Einführung des Mittagstisches und die Themenabende hätten den spürbaren Besucherrückgang 2025 ein wenig aufgefangen.
„Wir brauchen Gäste, viele Gäste. Im Saal brauchen wir Veranstaltungen, Konzerte und Eigenveranstaltungen, die das Haus zur Kostendeckung füllen. Bringen Sie Leute mit, wir brauchen Botschafter für unsere Genossenschaft“, appellierte Gschwind an die Mitgliederversammlung.
Mitglieder haben Vorteile

Mit der Vorstellung des Mitgliedervorteiles übernahm Vorstand Bernhard Schad (Bild) die Vorstellung und Wertung der detaillierten Zahlen. Der Mitgliedervorteil sieht vor, dass jedes Mitglied bei einem Mindestumsatz von 700 € 10 % Rabatt auf die gesamte Rechnung erhält, dies gelte für Veranstaltungen im Saal, Festivitäten im Restaurant und den Nebenräumen. Dies gelte auch für bereits bestehende Buchungen.
Der Gründer-Krug
Zur Mitglieder-Pflege gehört auch die Ausgabe des Gründer-Kruges. Für die Befüllung desselben haben die Kurhaus-Macher einen Termin: Am 20. März ist Krug-Party.
Hohe Personalkosten

Das Jahresergebnis für 2024: minus 128.900 €.
Mit 401.000 € lag der Personalkostenanteil, bezogen auf die Gesamterträgnisse von 695.000 € im Jahre 2024, viel zu hoch (er sollte nicht höher als 42 % des Umsatzes sein). Schad schlug vor, den Verlust von knapp 129.000 € auf die Jahresrechnung 2025 zu übernehmen.
Auch 2025 sei ein Umsatzrückgang zu konstatieren gewesen. Doch habe man die Kostensituation in den Griff bekommen. Die Speisekarte sei den gastronomischen Wünschen der Mitglieder nach angepasst worden und bis Oktober sei der Geschäftsverlauf sehr gut gewesen. Dann habe es aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage jedoch jede Menge Absagen von Firmen gegeben.
Derzeit 1350 Geschäftsanteile
Da das ursprüngliche Ziel von 1500 Anteilen nicht erreicht worden war (momentan rund 1350) und ein Großteil des Kapitals bereits beim Umbau aufgebraucht wurde, habe man sich daraufhin an die genossenschaftlich erfahrene Hausbank gewandt.

Giorgio Maucher (Bild), bisher Geschäftsführer unterhalb der Vorstandsebene, künftig hauptamtlicher Vorstand, ging in seinem Bericht auf die im operativen Geschäft schon vorgenommenen Strukturveränderungen ein, um mehr Umsatz zu machen. Auch Vorstandsmitglied Sascha Dargel erläuterte die bisher vorgenommenen Änderungen bei den Strukturbausteinen.

Im Eventkalender wurden die für 2026 geplanten besonderen Veranstaltungen im Saal („Kulturschmiede”) und im Restaurant („Torfstecher”) aufgelistet.
Sascha Dargel: „Die Ziele sind realistisch“

Sascha Dargel (Bild) verkündete seinen Abschied aus dem Vorstand, da er seine Mission, die er im Aufbau einer funktionierenden Organisation gesehen hatte, erfüllt habe. An seine Stelle rücke, die Zustimmung der Aufsichtsratsmitglieder vorausgesetzt, Giorgio Maucher in den Vorstand nach.
Dargel umriss die weiteren Ziele: Da wäre zum einen eine kontinuierliche Mitgliederentwicklung, um tatsächlich die 1500 Anteile zu erreichen. Dann wolle man die Anzahl und Qualität der Veranstaltungen so weit ausbauen, dass damit ein Umsatz von 50.000 € monatlich erwirtschaftet werden kann. „Ein durchaus realistisches Ziel.“ Die Personalkosten-Entwicklung gehe in die richtige Richtung und liege aktuell bei etwa 45 % des Umsatzes. Er betonte auch, dass Vorstand und Aufsichtsrat ehrenamtlich tätig seien und ihr Essen jeweils selbst bezahlt hätten.
Genossenschaftsverband gibt Hausaufgaben auf

Dr. Stefan Fimpel (Bild), im Aufsichtsrat bisher für Rechtsfragen zuständig, fasste den Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes zusammen, der im Wesentlichen dem Vorstand und Aufsichtsrat als Hausaufgaben eine wirtschaftliche Verbesserung und eine Ertragssteigerung für die kommenden Jahre ans Herz legte. Danach legte er gemeinsam mit der Versammlung die Modalitäten für die Anerkennung des Jahresabschlusses von 2024 fest. Ob offen oder geheim abgestimmt werden sollte und was mit dem Verlust geschehen sollte, erledigte die Versammlung per offenem, einstimmigem Votum mit den Stimmkarten. Eine Gegenstimme gab es bei der Anwendung des Mitgliedervorteiles.
Die Bürgermeisterin dankte

Bürgermeister Alexandra Scherer (Bild), die um Leitung für die Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat gebeten wurde, dankte in ihrem Grußwort den Beteiligten für ihre ungeschönten Berichte. Ihr sei klar, dass der Betrieb des Kurhauses nicht einfach sei. Sie lobte die Initiatoren dafür, dass sie die genossenschaftliche Idee aufgegriffen hatten und dass damit „von Wurzachern für Wurzacher” agiert werde. Jedem sei klar gewesen, dass diese Aufgabe kein Sprint, sondern ein Marathon sei. Wenn es nicht gut läuft, dürfe man sich nicht in Kritik verlieren, denn die Menschen an der Spitze der Genossenschaft hätten sich viel Gedanken gemacht und viel Hirn und Herzblut investiert.
Stefan Fimpel scheidet aus
Auch Dr. Stefan Fimpel beendet seine Tätigkeit im Aufsichtsrat zum Ende dieser Amtszeit, denn durch seine Tätigkeit als Richter in Augsburg könne er im Aufsichtsrat seinem eigenen Anspruch nicht mehr gerecht werden. Er sei aber überzeugt, „dass das Konzept funktioniert“.

Beifall für den ausscheidenden Dr. Stefan Fimpel.
Nikolai Stürmer rückt in den Aufsichtsrat ein
Christian Gindele, innerhalb des Aufsichtsrates fürs Controlling zuständig, erläuterte, dass er sich zusammen mit der operativen Leitung die Kostenstruktur angeschaut habe. Sowohl beim Personal als auch beim Wareneinsatz hätten die Kennzahlen sich verbessert. Man stehe jetzt an einem Punkt, wo man die Kosten nicht weiter senken könne, nun seien Maßnahmen für die Umsatzsteigerung gefragt. Dafür holte man sich mit Nikolai Stürmer einen Gastronomen als Ersatz für den ausscheidenden Stefan Fimpel in den Aufsichtsrat, der bereits sehr viele Großveranstaltungen gemanagt hatte und im Bereich Catering, in das laut Giorgio Maucher das Torfstecher-Team jetzt einsteigen will, über viel Erfahrung verfüge. Stürmer konnte bei der Versammlung nicht anwesend sein, da er just am Abend der GV den Dresdner Opernball versorgungstechnisch betreute. In einer Video-Botschaft erklärte er, dass er bereit für diese Aufgabe sei und die Situation vor Ort kenne.
Die Abstimmung über die Besetzung des Aufsichtsrates erfolgte en bloc und ergab einstimmige Zustimmung. Bernhard Schad lobte bei der Verabschiedung von Fimpel dessen geleistete Arbeit und pries seinen glasklaren Verstand und dessen herausragende Kommunikation.
Zum Abschluss der Versammlung hatten die Mitglieder die Gelegenheit, Fragen an Vorstand und Aufsichtsrat zu stellen. Heribert Streubel fragte, wie das Gremium auf Nikolai Stürmer gekommen sei. Über Giorgio Maucher, der bereits mit ihm zusammengearbeitet hatte, lautete die Antwort.
Mehr Werbung!
Herbert Birk sagte, dass ihm bei der Beschilderung in der Stadt viel zu wenig Werbung für den „Torfstecher“ gemacht werde. Sascha Dargel antwortete ihm, dass es aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt sei, für einen einzelnen Gastronomiebetrieb Werbung zu machen, dies ginge nur für die gesamte Branche. Aber man sei dran, die Werbung zu intensivieren.
Text und Fotos: Uli Gresser
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