Stadt muss den Kurbetrieb mit 1,5 Millionen Euro stützen
Bad Wurzach – Der in Schieflage geratene Städtische Kurbetrieb rechnet für das Wirtschaftsjahr 2026 mit einem Defizit von 1,54 Millionen Euro, wofür die Stadtkasse geradestehen muss. Am 1. Januar hat Stadtkämmerer Stefan Kunz die kommissarische Geschäftsführung beim Kurbetrieb übernommen.
In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag (26.1.) wurde in allen Haushaltsreden deutlich, dass es kein „Weiter so“ für den Kurbetrieb – seit einiger Zeit FeelMoor genannt – geben kann. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, stimmten alle Gemeinderäte für die Verabschiedung des vorliegenden Wirtschaftsplanes für den Kurbetrieb, in dem das besagte Defizit genannt ist.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer gab zu Beginn der Sitzung bekannt, dass seit dem 1. Januar Kämmerer Stefan Kunz offiziell kommissarischer Kurgeschäftsführer bis zur Neubesetzung des Postens ist. „Wir arbeiten intensiv daran, dass das bald geschieht.“ Der neue Geschäftsführer wird kein leichtes Erbe antreten, wie die Fraktionssprecher der vier im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen in ihren Haushaltsreden feststellten.
Emina Wiest (CDU) zur Kurkrise
Emina Wiest sagte für die CDU-Fraktion: „Der Kurbetrieb als Aushängeschild der Stadt und Arbeitgeber für über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befindet sich in einer wirtschaftlichen Schieflage. Der im Haushalt 2026 prognostizierte Verlust von 1,5 Millionen Euro stellt eine erhebliche Belastung dar. Klar ist: Diese Situation ist nicht auf die engagierte Arbeit der Beschäftigten zurückzuführen, sondern auf Fehler und Versäumnisse der Geschäftsführung in den vergangenen beiden Jahren. Bereits im vergangenen Jahr wurde mit einer konsequenten Aufarbeitung begonnen. Ziel ist eine nachhaltige und strukturelle Neuaufstellung, um den Betrieb wirtschaftlich zu stabilisieren und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern.“
Kurt Miller (FW) zur Kurkrise
„Die größte Sorge“ brachte Kurt Miller im Namen der Fraktion der Freien Wähler zum Ausdruck: „Gingen wir vor einem Jahr noch von einem Plus für 2025 von gut 300.000 Euro aus, wurden wir Mitte letzten Jahres von sehr unangenehmen Tatsachen und Zahlen eingeholt. Viel zu lange blieb der Geschäftsführung verborgen, dass sich Veränderungen zum Negativen abzeichneten, die eigentlich schon viel früher hätten erkannt werden müssen und es notwendig gemacht hätten, schnellstmöglich gegenzusteuern.“ Deswegen musste im September ein Nachtragshaushaltsplan beschlossen werden, weil statt des erwarteten Gewinns plötzlich ein Verlust von 800.000 € zu händeln war. Doch statt der finanziellen Wende habe sich die Talfahrt fortgesetzt, für den Abschluss des Jahres 2025 müsse mit einem noch höheren Defizit gerechnet werden. Nach Bekanntwerden der kritischen Lage wurde der Geschäftsführung des FeelMoor-Gesundresorts sofort Herr Appelt als Unterstützung aus dem Fachbereich Finanzen zur Seite gestellt. Auch der Kämmerer Herr Kunz sowie Frau Bürgermeisterin Scherer haben sich direkt in die Abläufe des Kurbetriebs eingebunden; ein deutliches Zeichen, dass die schwierige Lage des Betriebs und die Notwendigkeit des Handels erkannt wurde.“ Der für 2026 erwartete Verlust von gut 1,5 Mio. € sei eine extrem bittere Pille, die es zu schlucken gelte, zumal auch für die weitere Finanzplanung bis 2029 mit ähnlich hohen jährlichen Verlusten gerechnet wird. Daher bestehe größter Handlungsbedarf, gemeinsam und zügig einen tragbaren Zukunftsplan für das FeelMoor-Gesundresort zu erarbeiten. „Dabei müssen ALLE Aspekte in Betracht gezogen werden, es darf keine Tabus geben.“ Es dürften dabei keine überstürzten Entscheidungen getroffen werden und es müsse mit viel Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. „Schließlich handelt es sich um einen Betrieb, der von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebt.“ Diesen sprach er ausdrücklich für ihre Arbeit und ihren Einsatz den Dank seiner Fraktion aus.
Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) zur Kurkrise
Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) brachte seine Meinung ebenfalls klar zum Ausdruck: „Bad Wurzach ist ein kleines unscheinbares Nest am Rande einer großen Tourismusregion, nennt sich Kurstadt und Moorheilbad und dümpelt, touristisch betrachtet, im Schatten wesentlich aktiverer Konkurrenten vor sich hin.“ Dem vorangesetzt hatte Maier ein vernichtendes Urteil zu dem von den Bürgern und dem Gemeinderat abgelehnten Projekten von 2025, dem Turm im Ried sowie dem geplanten Biosphärengebiet in der Region. „Aus der Sicht der Fraktion Mir Wurzacher hätten beide Projekte, der Erlebnisturm im Ried und das Biosphärengebiet, das Potenzial gehabt, Bad Wurzach aus diesem Schatten herauszuholen und zu einem überregional bekannten Anziehungspunkt werden zu lassen.“ Denn der Inlandstourismus sei der Motor des aktuellen Tourismusboom in Deutschland. Er bemühte dazu auch das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr e.V., das den wirtschaftlichen Nutzen des Tourismus auf 4 Millionen € für den städtischen Haushalt taxiert hat. Dieses Geld werde in den kommenden Jahren nicht mehr für die städtische Infrastruktur und für freiwillige Leistungen der Stadt verwendet werden können, sondern müssten in das Tourismus und Gesundheitswesen reinvestiert werden, wenn man diese wichtigen Erträge weiterhin erwirtschaften wolle. „Konkret bedeutet dies unter anderem, dass wir die gewaltige Schieflage im städtischen Kurbetrieb FeelMoor begradigen müssen.“ Der Betrieb müsse durch strukturelle Veränderungen in die Lage versetzt werden, sich in diesem schwierigen Geschäftsfeld schneller an veränderte Rahmenbedingungen anpassen zu können. „Die Identität und das gesamte Leben der Stadt Bad Wurzach ist für uns schicksalhaft mit dem Kurwesen verbunden.“
Rainer Deuschel (Die Grünen) zur Kurkrise
Rainer Deuschel sagte für die Grünen-Fraktion zum Thema Kurbetrieb: „Eine immer größere Belastung für den Haushalt stellt der Kurbetrieb dar. In den Jahren 2023 und 2024 summierten sich die Verluste bereits auf rund 2 Millionen Euro. Auch das Geschäftsjahr 2025 wird voraussichtlich nicht besser abschließen. Für 2026 ist ein Abmangel von mindestens 1,54 Millionen Euro eingeplant. Diese Entwicklung muss offen angesprochen und kritisch hinterfragt werden.“
Bürgermeisterin Alexandra Scherer und Kämmerer Stefan Kunz waren bei ihrer Tour durch die Ortschaftsräte der neun Ortschaften mehrfach auf die Misere des Kurbetriebes angesprochen worden. Beide hatten den Ortschafträten die Ursachen für das entstandene Defizit für den Wirtschaftsplan 2024 des Kurbetriebes (Wegfall Energiepreisbremse durch Bundesregierung, Kürzung der Tagessätze durch die Bundeswehr, Erschwerung für Antragstellung einer Kur bei der Bundeswehr, nachdem der Wirtschaftsplan bereits aufgestellt worden war) erläutert. Dennoch hatten alle Ortschaftsräte ebenfalls für den Wirtschaftsplan des Kurbetriebes eine positive Empfehlung abgegeben.
Dieses Ja zum Kurbetrieb spiegelte sich auch in den Haushaltsreden der Fraktionen wider, die alle ihre Zustimmung signalisierten und bei der Abstimmung auch realisierten.
Uli Gresser















