Die Wohngebietsausfahrt, die niemand braucht …
Zur Erschließung des geplanten Wohngebietes Reischberg VI hat uns folgender Leserbrief erreicht:

Dieses Bild von der Abholzung hat der Autor seinem Leserbrief beigegeben.
Die Reihe der nicht zu Ende gedachten Fehlentscheidungen des Bad Wurzacher Gemeinderates reißt nicht ab. Bad Wurzach entscheidet sich für die aus wirtschaftlicher Sicht und den Flächenverbrauch betreffend schlechteste Erschließungsvariante.
Nun haben sie es also tatsächlich getan. Das Wäldchen am Reischberg mit dem teilweise über hundert Jahre alten Baumbestand wurde am Dienstag (20.1.) in einer Hauruck-Aktion mit einer 18 Meter breiten Schneise durchschnitten.
Niemand von der Bürgermeisterin bis zum Gemeinderat wollte ein Einsehen haben, dass diese Zufahrt und – im Winter bei 13 Prozent Gefälle – vor allem Abfahrt aus der Zeit gefallen ist. Weder die Autos, die an Heiligabend an der L314 Steigfeld in den Graben gerutscht sind, noch die, die wegen Glatteis regelmäßig nicht mehr den Buckel zum Hohen Rain hochgekommen sind, haben zu denken gegeben. Dass es ohne Splitt, mit absehbar noch weniger Geld und noch mehr Personalmangel im Land noch schwieriger wird, im Kuckucksweg für winterliche Verkehrssicherheit zu sorgen, kam ebenfalls niemand in den Sinn. Leichter hätte man einen Schlittenhügel daraus gemacht.
Und wer sind die Leidtragenden? Die Anwohner, deren rechtsgültiger Bebauungsplan trotz massiver Einsprüche einer „Extrawurst“ geopfert wurde. Die zukünftigen Nutzer des unübersichtlichen Straßenabschnitts nach der neuen Ausfahrt, die sich in einem neuen Unfallschwerpunkt wiederfinden. Weitsichtige frühere Entscheidungsträger und Freunde einer vernünftigen Verkehrsplanung, die in Wurzach mit den Ortsumfahrungen eigentlich Großes geleistet haben, um den Verkehr aus der Stadt draußen zu halten. Und nicht zuletzt die Kinder der Grundschule, deren Eltern man gerade per Banner versucht das „Eltern-Schultaxi“ auszureden. Die werden sich nun künftig mit deutlich mehr Berufsverkehr auf dem Schulweg konfrontiert sehen und weiterhin bei Mama und Papa einsteigen. Auch die gesamte Anwohnerschaft der Reischberghalde und der Innenstadt wird zukünftig täglich rund 200 Fahrzeuge (Verkehrsuntersuchung Büro Rapp) mehr ertragen müssen.
Muss nicht die Devise lauten: Baugebiete ja, aber konsequente Ableitung des Verkehrs auf unsere Umgehungsstraßen?
Da kann Bad Wurzach nur noch hoffen, dass wenigstens dieses Mal der „Bund der Steuerzahler“ vom neuesten Wurzacher Streich nichts mitbekommt. Keine „schwäbische Hausfrau“ kann schließlich nachvollziehen, warum eine Stadt, die gerade fünf Millionen Euro Verlust im Stadthaushalt bekannt geben muss, eine Wohngebietsausfahrt bauen will, die eigentlich niemand braucht.
Herbert Birk, Bad Wurzach
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