Rückblick, Ausblick und eine große Ehrung
Bad Wurzach – Alljährlich lädt die Stadt Bad Wurzach Vertreter von Institutionen, Organisationen, Vereinigungen, aus Handwerk und Unternehmen sowie ehrenamtlich engagierte Bürger zum Neujahrsempfang in den Saal des „Torfstechers“ ein, um zu danken und auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken sowie einen Ausblick auf das aktuelle Jahr zu werfen. Und sie nutzt dabei die Gelegenheit, verdiente Mitbürger vor großem Publikum zu ehren. Eine ganz besondere Ehrung wurde Robert Stützle zuteil, der zum Ehrenbürger ernannt ist; hierüber haben wir schon kurz berichtet; der ausführliche Bericht folgt noch. Musikalisch gestaltet wurde der Neujahrsempfang durch die Stadtkapelle, die stehenden Applaus erhielt und eine nicht eingeplante Zugabe spielen musste.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer konnte, nach dem musikalischen Auftakt durch die Stadtkapelle unter der Leitung von Petra Springer, Vertreter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften, Personen aus Politik und Wirtschaft, Gemeinderäte, die Ortsvorsteher mit ihren Ortschaftsräten zu diesem Empfang begrüßen. MdL Raimund Haser konnte nur kurz verbeischauen, weil er weiter zu einem wichtigen Termin musste. Thomas Lötsch, Dezernent im Landratsamt für Kreisentwicklung, Wirtschaft und ländlichen Raum, und Alexander Dürr, Leiter der Kriminalpolizei Friedrichshafen hatten ein Heimspiel: Beide sind Bürger der Stadt. Besonders freute sich das Stadtoberhaupt, dass die vielen Vertreter von Unternehmen, Betrieben und Banken durch ihr Kommen die Verbundenheit zur Stadt zum Ausdruck brachten. Namentlich begrüßte sie den anwesenden Ehrenbürger Alois Fimpel. Der andere Bad Wurzacher Ehrenbürger, der 90-jährige Altbürgermeister Helmuth Morczinietz, konnte nicht anwesend sein.

Blick in den Saal.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer bei ihrer Neujahrsansprache.
Ein besonderer Gruß der Bürgermeisterin ging an die Vertreter des örtlichen Gesundheitswesens; die hausärztliche Versorgung werde auch in diesem Jahr die Stadt weiterhin sehr beschäftigen. Auch das Thema Bildung beschäftigt die Verwaltung im Jahresverlauf sehr, deswegen freute sich die Bürgermeisterin, dass zahlreiche Schulleiter von Bad Wurzacher Schulen und Leiterinnen der Kindergärten der Einladung gefolgt waren. Bei den Vertretern von Hilfsdiensten wie DRK, DLRG und Feuerwehr bedankte sie sich für deren großartigen, ehrenamtlichen Einsatz für die Allgemeinheit das ganze Jahr über. Neben den Vertretern von Musik- und Sportvereinen konnte Scherer auch Vertreter von ehrenamtlichen Initiativen wie Bürgerstiftung, Helferkreis Asyl oder Kleiderladen als Gäste begrüßen.

Stellvertretend für die Hilfsdienste zeigen wir diese Vertreterinnen des Roten Kreuzes im Bild.
Scherer stieg mit einem Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage ein mit den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, im Nahen Osten, aber auch die Geschehnisse in Amerika, die aktuell sehr großen Anlass zur Sorge bieten. Deutschland mit all seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten koste die Unterstützung der Ukraine und die Aufnahme von Flüchtlingen neben einer hohen Inflation viel Geld. Die von den Regierenden propagierten sogenannten „Sondervermögen“ seien ja nichts anderes als Schulden, die irgendwann von den folgenden Generationen wieder zurückbezahlt werden müssten. „Da es sich dabei um Schulden handelt, die auch wieder zurückbezahlt werden müssen, ist das Wort ,Sondervermögen‘ dieser Tage zum Unwort des Jahres gekürt worden.“
Auch in Bad Wurzach seien im vergangenen Jahr einige Unternehmen nicht von wirtschaftlichen Problemen verschont geblieben, auch wenn eine große Stärke der Stadt deren guter Branchenmix sei. „Neben gut florierenden Firmen bietet die Stadt einen guten Mittelstand, der durch Handwerksbetriebe geprägt ist, die sehr gute Arbeit leisten und sichere und zukunftsträchtige Arbeitsplätze bieten.“
Drei große Themen am Ort
Kommunalpolitisch sei das vergangene Jahr herausfordernd gewesen, wobei drei strittige Themen geklärt wurden: der Turmbau wurde durch Bürgerentscheid abgelehnt, das Biosphärengebiet wurde wie auch in anderen Kommunen vom Gemeinderat abgelehnt. „Und der Wochenmarkt bleibt, wo er ist.“
Vieles wurde geschafft
Lang sei die Liste der Maßnahmen, die geschafft worden waren: Das Jahrhundertprojekt des Breitbandausbaus sei weit fortgeschritten, die Hallensanierung in Seibranz werde im Laufe des Jahres abgeschlossen. Nach Sanierung konnte die Ratperoniusstraße in Arnach für den Verkehr freigegeben werden. In Dietmanns entstand am Platz des ehemaligen Rathauses ein Parkplatz im Verbund mit einer neuen barrierefreien Bushaltestelle. Das von Scherer als „Meilenstein“ für die Ortschaft und die Feuerwehr bezeichnete neue Feuerwehrhaus in Eintürnen wurde eingeweiht. Im Herbst wurde die Erschließung des Baugebietes Ziegelbach Nordwest fertiggestellt. Das Besondere daran: Erstmals wird bei einem Baugebiet die Wärmeversorgung über ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz klimafreundlich sichergestellt. In Dietmanns konnte die Erweiterung des Kindergartens bezogen werden, in diesem Sommer soll es dazu auch noch ein Fest geben, um das Gebäude der Öffentlichkeit vorzustellen.
Die Friedhofssanierung ist auf gutem Weg
Auch die Friedhofsanierung schreite sichtbar voran. „Ich bin sehr erleichtert, dass es uns jetzt endlich gelungen ist, diesen sensiblen Bereich in unserer Stadt wieder soweit auf Stand zu bringen.“ Nicht minder erleichtert sei sie auch, dass die meisten Brücken im Kurpark erneuert sind und dieser wieder durchgängig begehbar. Ebenfalls eingeweiht werden konnten die Jugendräume in der Grundschule. Damit könne mit dem neuen, engagierten Jugendarbeiter und seinem Team den Jugendlichen der Stadt ein tolles Angebot angeboten werden. Bei der Kläranlage schließlich konnte die Stadt durch die Aufstockung des Betriebsgebäudes den Mitarbeitern zeitgemäße Arbeitsplätze schaffen und durch die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach eine klimafreundliche Energieversorgung sichern.
Ein Jahr der Jubiläen
Neben diesen zahlreichen „gut verlaufenen Baustellen“ gab es in der Stadtgesellschaft weitere positive Ereignisse. Es konnte – mit ehemaligen Internierten aus St. Helier – 80 Jahre Kriegsende gefeiert werden. Mit vielen hochkarätigen Veranstaltungen wurde auf 500 Jahre Bauernkrieg geblickt, der Kindergarten Regenbogen wurde 50 Jahre alt und auch die Landjugend Ziegelbach; 60 Jahre alt wurde der Fanfarenzug und feierte dies mit einem großen Fest. Das Naturschutzzentrum feierte sein 40-jähriges Bestehen mit einem kurzweiligen Festakt und einem informativen Festtag. Ziegelbach feierte 750 Pfarrgemeinde. Gebührend mit beeindruckenden Festivitäten wurden 50 Jahre Eingemeindungen gefeiert. „Der eigens dafür erstellte Film ist ein bleibendes zeitgeschichtliches Dokument, das unsere ganze Vielfalt auf besonders schöne Weise aufzeigt und Lust auf Bad Wurzach macht!“
„Und weil unsere rührigen Vereine auch eine ganz hervorragende Jugendarbeit machen, haben wir den Jugendförderbeitrag der Stadt für sie deutlich erhöht, um auch damit unsere Wertschätzung für deren Arbeit zu zeigen.“
Ein weiteres Ereignis mit Strahlkraft war die Verleihung des Friedrich-Schiedel-Literaturpreises an Prof. Dr. Ewald Frie für sein Buch „Ein Hof und elf Geschwister“. Das Buch habe sehr viele Menschen in der Region aufgrund der eigenen ländlichen Herkunft angesprochen. Preisverleihung und Lesung waren sehr gut besucht.
Ein besonderes Lob ging an Martin Tapper, der neben seiner Haupt-Profession als Fachbereichsleiter Büro der Bürgermeisterin bereits zum fünften Mal „nebenher“ die Jahreschronik erstellt hatte. „Das haben Sie wieder sehr gut gemacht!“, lobte sie ihre „rechte Hand“.
„Beim Kurbetrieb kann es kein Weiter-so geben“
In ihrem Ausblick konnte sie bereits einige beherrschende Themen als schon bekannt benennen: Der weitere Ausbau des Glasfasernetzes und natürlich die wirtschaftliche Situation des Kurbetriebes, für den es „ein weiter so“ nicht geben werde und könne. Aktuell seien die Stadtverwaltung bis zur Neubesetzung der Stelle des Kurgeschäftsführers in dieser Sache sehr in der Betriebsleitung eingespannt. Dies könne jedoch kein Dauerzustand sein. Bauthemen werden in diesem Jahr die Sanierung des Rathauses samt Umzug in die vom Salvatorkolleg nicht mehr benötigten Räume im Schloss sowie die maßvolle Erschließung von Baugebieten sein. Für diese vielen Aufgaben sei es sehr gut, mit Andreas Heine-Strahl einen kompetenten und erfahrenen Fachmann für die Stelle des Stadtbaumeisters gewonnen zu haben.
Ein Herzensanliegen: der Bürgerdialog
Besonders am Herzen liegt Alexandra Scherer der von ihr angestoßene Bürgerdialog, den sie aus dem Bürgermeisterwahlkampf heraushalten möchte, aber – im Falle ihrer Wiederwahl als Bürgermeisterin im April – diesen danach forcieren möchte.
Sie beendete ihre Ansprache mit dem Dank an ihre Stellvertreter aus dem Gemeinderat Klaus Schütt, Karl-Heinz Buschle und Heinrich Vincon. Klaus Schütt bedachte sie, da er als Erster Stellvertreter besonders viele Termine für sie wahrgenommen hatte, mit einem Präsent.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer überreicht an ihren Stellvertreter Klaus Schütt ein Geschenk.

Für Schütts Frau Margot, die nicht anwesend sein konnte, gab es Blumen.
In guter Tradition trug Klaus Schütt im Anschluss an die Rede der Bürgermeisterin im Namen des Gemeinderates dessen Sicht vor.
Die Ansprache von Klaus Schütt

Klaus Schütt (Bild) eröffnete seine Ansprache mit einem Zitat aus dem Oberschwäbischen Kalender 2025, der sich dem Thema „Oifach leaba“ gewidmet hatte. Er folgerte daraus: „Oifach leaba“ sei ein Luxusthema. Denn wer, so wie viele von uns, in Wohlstand, Frieden und Freiheit lebe, könne reduzieren, auf etwas verzichten. „In vielen Ländern können das die Menschen nicht.“
Was werde einmal in den Geschichtsbüchern über das Jahr 2025 stehen: Wie ein Mann die Weltordnung innerhalb eines knappen Jahres auf den Kopf stellte, wie ein anderer Mann seit nunmehr vier Jahren ein Volk, einen Staat vernichten will? Beide wollen das Recht des Stärkeren zum Gesetz machen. Die Politik werde missbraucht, um Deals und Geldgeschäfte zu machen, teilweise mit Gewalt.
In seiner Neujahrsansprache hatte Papst Leo gesagt: „Krieg ist wieder in Mode gekommen, eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.“ Schütt zieht daraus folgenden Schluss: „Die fetten sieben Jahre sind vorbei, jetzt kommen die mageren.“
Die Sozialversicherungsysteme in Deutschland müssten dringend reformiert werden. Jeder einzelne werde die wirtschaftlichen Veränderungen spüren und wieder „oifacher leaba“ müssen. Auch in Bad Wurzach seien die Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Veränderungen spürbar, in exportorientierten Betrieben seien bereits Arbeitsplätze in Gefahr. Für den städtischen Haushalt bedeute dies: rückläufiges Steueraufkommen. Klaus Schütt zitierte aus der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers: „„Deutschland ist ein großartiges Land. Lassen wir uns auch in 2026 von Zuversicht und Glauben an unsere Kraft leiten.“ Diese Zuversicht und den Glauben an unsere Kraft wünsche er sich auch für unsere Stadt.
Denn für die Stadt stehe mit der Bürgermeisterwahl eine wichtige Entscheidung an. „Ich bitte Sie, ja fordere Sie auf, nehmen sie ihr Wahlrecht wahr. Wir hier können zu einer demokratischen Wahl gehen. In vielen Ländern ist dies nicht mehr möglich. Leisten wir unseren Beitrag zu einer gelebten Demokratie.“
Schütt dankte namens des Gemeinderates
Er dankte im Namen des Gemeinderates allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, in der Verwaltung, beim Bauhof, bei den Kindergärten, beim Kurbetrieb, für ihre geleistete Arbeit. Ein besonderer Dank ging an Kämmerer Stefan Kunz, der nicht nur seine Arbeit als Kämmerer, sondern aktuell auch noch bis zur Neubesetzung die Tätigkeit des Kurgeschäftsführers ausübt. Was für seine Mitarbeiter in der Kämmerei ein hohes Maß an zusätzlichem Engagement erforderte. Auch Andreas Haufler galt ein besonderer Dank, der nach dem Weggang der Stadtbaumeisterin deren Aufgabenbereich kommissarisch mit übernommen hatte. Auch hier galt ein besonderer Dank den Mitarbeitenden des Stadtbauamtes. Ein besonderer Dank des Gemeinderates richtete sich auch an den Dezernenten des Dezernat 1, Verwaltung, Ulrich Möllmann und sein Team. Dessen Fachbereich war im vergangenen Jahr mit Bundestagswahl, Bürgerentscheid, Umstrukturierungen bei Kindergärten, Personalwechsel in den Fachbereichsleitungen, Umgestaltung des Friedhofes und Neubesetzung der Leitungsstelle in der Bad Wurzach-Info stark gefordert.

Stadtkämmerer Stefan Kunz (rechts) und der neue Stadtbaumeister Andreas Heine-Strahl.
Der Gemeinderat wisse die Arbeit von Martin Tapper besonders zu schätzen: „Auf ihn ist Verlass, er denkt einfach an alles.“ Mit in diesen Dank schloss er auch die Vorzimmer-Damen der Bürgermeisterin ein. Ein weiterer Dank ging an die Vereine für deren großartige Jugendarbeit. Und viele Jugendliche übernähmen dabei schon selbst Verantwortung, etwa als Übungsleiter oder sogar als Vorstandsmitglieder. „Wir wissen ihre Arbeit sehr zu schätzen. All die von mir erwähnten Menschen in unserer Stadt machen Bad Wurzach zu dem, was es heute ist: eine lebendige Stadt, in der man gerne lebt und für die man sich gerne einbringt.“
Am Schluss dankte er auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die im vergangenen Jahr mit vielen Herausforderungen konfrontiert worden war. Er nahm sie auch gegen unfaire Kritik in Schutz, zum Beispiel bei den Bauzeitverlängerungen für die Kurparkbrücken, wofür sie am wenigsten verantwortlich war. „Ich darf mich bei Ihnen im Namen des Gemeinderats und sicherlich auch der Bürger und Bürgerinnen für ihre Arbeit und ihren Einsatz für unsere Stadt, für uns Bürgerinnen und Bürger, recht herzlich bedanken.“
Der Neujahrsempfang wurde von der Stadtkapelle in glänzender Weise musikalisch gestaltet. Nach der herbeigeklatschten Zugabe gab es stehenden Beifall.

Petra Springer dirigiert.


Standing ovations für die Stadtkapelle.
Über die Ehrung des neuernannten Ehrenbürgers Robert Stützle berichten wir gesondert.
Viele Bilder in der Galerie
Zu Beginn des Neujahrsempfangs hatten Bürgermeisterin Alexandra Scherer und ihr Mann alle eintretenden Gäste mit Handschlag begrüßt. Nicht alle Gäste konnten dabei fotografiert werden. Der hier veröffentlichte Bilderreigen beinhaltet keinerlei wertende Gewichtung.
Text und Fotos: Uli Gresser
Unter Downloads haben wir die Ansprachen von Bürgermeisterin Alexandra Scherer und von Bürgermeister-Vertreter Klaus Schütt hinterlegt
Zum Kurzbericht über die Ehrung von Robert Stützle siehe nachstehender Link. Eine ausführliche Berichterstattung folgt noch
















