Beim Jahreskonzert des Musikvereins Mühlhausen war einiges geboten
Mühlhausen – Denn zum einen hatte der Frauenchor Crescentis den ersten Konzertteil übernommen, zum anderen übergab Miriam Aviles Zulueta den Taktstock der Kapelle an ihren Nachfolger Michael Föhr.
Nach der Begrüßung durch die Vorstandssprecherin des MV Mühlhausen Isabelle Branz, steuerte Caroline Mast vom Chor Crescentis eine kleine philosophische Betrachtung darüber bei, was die Weihnachtszeit ohne Musik wäre. Still sehr still, gab sie die Antwort auf diese rhetorische Frage selbst. Weihnachtsmärkte ohne Chor und Bläser, Gottesdienste in der Kirche ohne Orgel und Gesang, die Familie unter dem Christbaum ohne das Singen von Weihnachtsliedern? Ebenso wie der erste Weihnachtsfeiertag in Mühlhausen ohne das Konzert? Einfach undenkbar!

Frauenchor Crescentis
Crescentis, der Frauenchor aus Eberhardzell, ist inzwischen in der Region wohlbekannt, und so war es kein Wunder, dass die 21 Damen mit ihrem musikalischen Leiter Johannes Tress auch in Mühlhausen an diesem Abend des ersten Weihnachtsfeiertages frenetisch gefeiert wurden. Mit „Nur zusammen“ eröffnete der Chor seinen Konzertteil. „Nur zusammen“ ist ein Lied der Joey Kelly´s Family, in der es um die Bedeutung von Zusammenhalt, Familie und Gemeinschaft geht. „Nur zusammen, nur zusammen sind wir stark“ heißt es darin im Refrain. Topaktuell war das nächste Lied „Weil wir Träumer sind“, das erst in diesem Sommer von der Berliner Gruppe Staubkind veröffentlicht wurde. Beide Chorarrangements stammen aus der Kreativ-Feder von Chorleiter Johannes Tress. Auch „Diaf in mir“, im Original von Schobertöne aus Tirol, verpasste Johannes Tress nicht nur ein wunderbares Chorarrangement, sondern er lieferte in bewährter Mannes Sangesmann-Manier gleich noch den schwäbischen Text mit.
Chorsätze von Johannes Tress
Auch bei „Heimkommen“ von den Bayern 3 Moderatoren Sascha Seelemann und Sebastian Winkler und „Dia Gschicht“ , ebenfalls eine schwäbische Adaption von „The Story“ von Phil Hanseroth geschrieben und von Brandi Carlile weltbekannt gemacht, steuerte Johannes Tress ebenfalls die Chorsätze bei. „Somewhere in my memory“ wurde vom Filmmusik-Altmeister John Williams für den Soundtrack des Weihnachtsfilmklassikers „Kevin allein zu Haus“ geschrieben. Crescentis sang das Stück im Chor-Arrangement von Audrey Snyder. Der „Wintersong“ von Sara Bareilles/ Ingrid Michaelson wurde erstmals 2008 veröffentlicht. Dieses gefühlvolle Lied sang der Chor im Arrangement von Mac Huff. Dieses Stück sowie „A million dreams“ aus dem Film „The greatest Showman“ von Benj Pasek/ Justin Paul, das eine der Sängerinnen, Pia Kloos, für Chor arrangiert hatte, waren „seinen Damen auf den Leib“ geschrieben worden.
Selbstredend stammte auch die Chor-Adaption von Freddie Mercury´s „The show must go on“, – ein kleiner musikalischer Wink auf die Veränderungen, die an diesem Abend beim gastgebenden Musikverein anstanden – mit dem die Crescentis ihren Part des Konzertes beenden wollten, von Tress. Das Publikum sorgte natürlich dafür, dass sie die Bühne nicht ohne Zugaben verlassen durften.
Musikkapelle Mühlhausen startete mit Pauken und Trompeten
Die Musikkapelle Mühlhausen unter dem Dirigat von Miriam Aviles Zulueta startete in ihren Konzertteil – man möchte fast sagen: standesgemäß – mit prunkvoll majestätischen Klängen, mit Pauken, Trompeten und Fanfaren mit „A little Opening“ von Thiemo Kraas, wie Laura Haller, die mit Verve an diesem Abend durch das Programm des Musikvereines Mühlhausen führte, dazu ausführte.
Moderiert von Laura Haller
Bei der „Kleine(n) Ungarisch(en) Rhapsodie“ entführte Alfred Bösendorfer die Zuhörer in die ungarische Puszta. Dabei greift der Komponist nicht auf Melodien der ungarischen Folklore zurück, sondern verwendet eigene Motive. Ihrem Charakter nach klingen sie wie magyarische Weisen: Der erste und letzte Teil der Rhapsodie sind in Moll gehalten, die von Liebe und Leid aus dem Leben der Zigeuner erzählen, als plötzlich aus einer Gaststätte ein feuriger Czárdás erklingt. Als Kontrast hierzu hat Bösendorfer einen stimmungsvollen romantischen Mittelteil eingebaut, der den Frieden der Puszta nachzeichnet.
Abschied von Dirigentin Miriam Aviles Zulueta
Mit den „Montanas del Fuego“, den Feuerbergen auf Lanzarote des deutschen Komponisten Markus Götz setzte sich die scheidende Dirigentin Miriam Aviles Zulueta ein kleines musikalisches Denkmal aus ihrer spanischen Heimat. Wie sagte Laura Haller dazu in ihrer Anmoderation: „Was die Feuerberge in Lanzarote können, kann bei uns eine Frau alleine. Miriam schafft es nämlich ohne Probleme, 57 Musikerinnen und Musiker Feuer unterm Hintern zu machen, dazu braucht sie keine Vulkane.“
Eine auch von Blasmusikern gerne gespielte Filmmusik ist „Pirates of the Caribbean“ von Klaus Badelt“. Badelt schuf den Soundtrack des ersten Filmes um den Piraten-Captain Jack Sparrow, mit den markanten Schlagwerk-Rhythmen, die diese Komposition so unverwechselbar macht. Spätere Filmmusiken zu der „Pirates of the Caribbean“ Reihe stammten dann vom Oskar-prämierten Hans Zimmer, in Zusammenarbeit mit anderen Komponisten. „Coldplay on Stage“ vereinigt die drei größten Hits der Band, die seit fast 30 Jahren die größten Stadien füllt, in einem Medley. „Clocks“ – ein Song über die innere Zerrissenheit und den Kampf gegen die Zeit. Bei „Lost!“ geht es um Durchhaltevermögen und Hoffnung. Und natürlich der bekannteste Coldplay-Hit „Viva-la vida“. Er erzählt die Geschichte eines gestürzten Königs, der einst Macht und Ruhm besaß, nun aber über Vergänglichkeit und Einsamkeit reflektiert. Ein Lied über Aufstieg und Fall, über Leben und Veränderung.
Die Polka „Ehrenwert“ schrieb der österreichische Musiker und Komponist Martin Scharnagl – bekannt auch für seine wohl bekannteste Polka „Von Freund zu Freund“ – aus Anlass des 55-jährigen Jubiläums des Musikverlags Rundel im Jahre 2019. Damit wagte er ein Experiment: Das traditionelle Fundament der Blasmusik wurde verbunden mit modernen Elementen aus Sinfonik und Pop. Für die Mühlhausener Musiker ist diese Polka ein Symbol dafür, dass Tradition und moderner ‚frischer Wind‘ keine Gegensätze sein müssen.
Dass zu jedem Blasmusik-Konzert ein guter Marsch gehört, das beherzigte auch Miriam Aviles Zulueta: Sie spielte mit ihren Musikern den „Erzherzog Albrecht-Marsch“ von Karl Komzak. Gewidmet wurde dieser Marsch Erzherzog Albrecht Friedrich von Österreich, einem bedeutenden General. Der Marsch erklang erstmals 1887 zu dessen 60-jährigem Dienstjubiläum und sollte später zu einem der bekanntesten Militärmärsche werden, der auch heute noch mit einer besonderen musikalischen Raffinesse aufwartet.
Dann war es soweit: Miriam Aviles Zulueta übergab den Dirigentenstab an den 26jährigen Michael Föhr aus Hochdorf, der zukünftig die Kapelle musikalisch leiten wird. Föhr sei begeisterter Posaunist, deswegen freue sich das Posaunenregister besonders auf ihn, sagte Annika Kibler vom Vorstandsteam, als sie den neuen Dirigenten auf die Bühne bat. Dieser gab seinen Einstand mit dem Traditionsmarsch „Mein Heimatland“ des österreichischen Musikers und Komponisten Sepp Neumayr.
Miriam Aviles Zulueta berichtete in ihre Dankesrede, wie sie vor etwa eineinhalb Jahren mit dem Musikverein Mühlhausen erstmals ein Blasorchester übernommen habe. Vor den ersten Proben sei sie etwas aufgeregt gewesen. Und habe dabei gleich noch einen Crashkurs des Mühlhausener Dialekts erhalten. „Danke für diesen fundierten Sprachkurs und die Einführung in die schwäbische Kultur.“ Und das „unglaublich nette Orchester“ habe, wie man an diesem Abend deutlich hören konnte, sogar gelernt auch einmal piano zu spielen. Ihr eigenes Instrument, das Fagott, ließ es terminlich nicht mehr zu, das Dirigentenamt auszuüben. Aber sie sei ja noch Dirigentin des Jugendorchesters.
Nach der Stabübergabe gab es noch zwei Zugaben: Das Lied „Kimm guat hoam“ von Alfred Jaklitsch, das Crescentis gemeinsam mit der Musikkapelle präsentierten und traditionsgemäß das Weihnachtslied schlechthin, mit dem die Kapelle schon seit vielen Jahren ihr Weihnachts-Jahreskonzert beschließt und bei dem alle mitsangen: „Stille Nacht.“
Text und Bilder: Uli Gresser
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