Bürgerfragen zum Lärmaktionsplan führten zu Ergänzung des ursprünglichen Vorschlages
Bad Wurzach – Der Gemeinderat hatte bei seiner Sitzung am 17. November 2025 über Maßnahmen zur Lärmminderung und zur Verkehrssicherheit in der Stadt zu beraten. In diesem Zusammenhang stellten auch Bürger Fragen an Wolfgang Wahl vom Büro Rapp (Freiburg), das den Lärmaktionsplan erarbeitet hat.
Gerhard Reischmann, Sprecher der Initiative für Tempo 60 an der B465 in Brugg, zog die vom Büro Rapp dem Gemeinderat per Lärmberechnung präsentierten Ergebnisse für Brugg in Zweifel. „Die berechnete Lärmbelastung im Bereich der B465 im Weiler Brugg ist insbesondere im Tageszeitraum als gering einzustufen“, war das Fazit der Rapp‘schen Berechnung. Dies, so Reischmann, stehe im krassen Gegensatz zu dem, was die Straßenanlieger erleben: 10.000 Fahrzeuge, davon 1000 Lkw, die Fahrbahn noch dazu auf einem Damm, passieren den Weiler täglich. Dieses Lärmproblem, verbunden mit einem Sicherheitsproblem, hatten die Brugger Bürger in einer Unterschriftenliste moniert.
Reischmann rügte das Gutachten auch insofern als realitätsfern, weil es die Lärmbelastung im Tagesablauf falsch wiedergebe: Während das Gutachten behaupte, in der Nacht sei praktisch der ganze Weiler von Lärmüberschreitungen betroffen, sei es in der Realität genau umgekehrt: In der Nacht sei es erstaunlich ruhig, während es am Tag zu einem permanenten Lärmdruck komme.
Bei einem Gespräch mit dem kommissarischen Stadtbaumeister Andreas Haufler, Arnachs Ortsvorsteher Manfred Braun und ihm selbst (Reischmann) habe Haufler zum Lärmaktionsplan (LAP) erklärt, dass dieser von übergeordneten Behörden (Landratsamt, Regierungspräsidium) geprüft werde. Reischmann stellte dazu nun in der Gemeinderatssitzung die Frage, ob es sich dabei um eine mathematische Nachberechnung der Ergebnisse handle oder lediglich um eine Überprüfung im Zuge der Rechtsaufsicht. Falls nicht nachgerechnet werde, wünschten sich die Brugger eine Überprüfung durch unabhängige Fachleute sowie einen Ortstermin des Ausschusses für Technik und Umwelt.
Die Brugger hätten große Hoffnungen in den Lärmaktionsplan gesetzt, dass es, ähnlich wie im Falle der Bad Wurzacher Innenstadt, wo der LAP für die Durchsetzung von Tempo 30 in den Einfallsstraßen herangezogen werde, zu einer Reduzierung in Brugg auf wenigstens Tempo 60 kommen könnte.
„Zwei große Verkehrsströme treffen aufeinander“
Als weiteres Argument für eine Temporeduzierung führte Reischmann ins Feld, dass die Sicherheit bei der Brugger Kreuzung nicht in ausreichendem Maße gegeben sei. Reischmann nannte die Brugger Kreuzung „die gefährlichste Kreuzung der ganzen Großgemeinde“. Denn dort träfe ein Autobahnzubringer auf eine stark befahrene Landesstraße. „Es kann nicht sein, dass beim Aufeinandertreffen von zwei so großen Verkehrsströmen wie in Brugg – täglich 10.000 Fahrzeuge auf der Bundesstraße und 2000 auf der Landesstraße – Tempo 70 erlaubt ist.“
Auch der Ortschaftsrat Arnach ist in Sorge wegen der Brugger Kreuzung
Zur selben Ansicht sei auch der Arnacher Ortschaftsrat gekommen, der in einer eigenen Resolution die Lärm- und Sicherheitsproblematik in Brugg benannt habe. Es sei vom Ortschaftsrat ein Antrag auf eine Verkehrsschau für den Bereich Brugg und auch Truschwende gestellt worden. Dabei gehe es vor allem um das Thema Sicherheit. Reischmann dankte in diesem Zusammenhang Arnachs Ortsvorsteher Manfred Braun für seinen Einsatz für die Resolution und die Beantragung der Verkehrsschau.

An der Riedhalde gilt derzeit Tempo 70. Foto: Uli Gresser
Um Vergleichbares ging es auch Reinhold Mall, denn oben auf der Riedhalde beim Wohngebiet Reischberghöhe gelte, wenn man von Albers / Dietmanns von der Umgehungsstraße her abbiege, Tempo 70. Für ihn unverständlich, weil danach, wie vom LAP vorgesehen, in der Kirchbühlstraße das Tempo auf 30 reduziert werden müsse.
Malls Vorschläge wie auch die der Brugger Bürger wurden danach im Rahmen der Diskussion des Gemeinderates um den Lärmaktionsplan besprochen.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer stellte vor Beginn des Tagesordnungspunkt Lärmaktionsplan fest, dass die Ampelregelung während des Glasfaserausbaues in der Innenstadt dafür gesorgt habe, dass der Verkehr sich verlangsamte und Viele auf die Umgehungsstraßen auswichen.
Rainer Deuschel (Grüne) fragte im Rahmen der Diskussion zum LAP Wolfgang Wahl direkt, warum die Temporeduzierung von 70 auf 30 in der Riedhalde nicht möglich sei. Dies sei aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht möglich, antwortete Wahl ihm. Außerdem werde allein schon die Temporeduzierung in der Kirchbühlstraße eine Verkehrsminderung bringen. Deuschel insistierte noch einmal und fragte nach, warum man nicht Tempo 50 in diesem Bereich vorgebe.
Karl-Heinz Buschle (FW) empfand es als „Schikane“ für Autofahrer, wenn sie auf der Memminger Straße 800 Meter lang von der Einmündung bei Wiesen bis zur Grundschule mit T30 dahinrollen sollten. Sein Vorschlag lautete, das Tempo wie in anderen Städten stufenweise herabzusetzen. Wahl erwiderte ihm, dass man sich mit T 30 auf jeder innerstädtischen Straße immer mehr anfreunden müsse. Man dürfe das Ziel der Verkehrs- und Lärmreduzierung innerhalb der Stadt auch bei der Memminger Straße nicht aus den Augen verlieren, auch wenn Haufler sagte, bei der Memminger Straße sei ein Spielraum vorhanden.
Klaus Schütt (CDU) forderte für alle Einfallsstraßen konsequent Tempo 30. Für die Achbergsiedlung zum Beispiel sei die Lärmbelastung durch das hohe Gebäude von Bike+ Geyer höher geworden.
Manfred Braun (FW) schätzt das Gefahrenpotential bei der Brugger Kreuzung ähnlich hoch ein wie Gerhard Reischmann. Er brachte zusätzlich auch noch T 60 für die von vielen Schülern und Radfahrern genutzte Querung in Truschwende ins Spiel, die immer noch gefährlich sei. „Hier muss man Brugg und Truschwende gleich behandeln.“ Obwohl Wolfgang Wahl dem Wunsch nach T 60 in Brugg sowie in Truschwende geringe Chancen einräumte, bat Braun darum, für beide Stellen die Temporeduzierung zu beantragen.
Deuschel sprach sich noch einmal ausdrücklich für die konsequente Temporeduzierung in der Memminger Straße aus: „Das ist im Sinne der Wohnqualität der dortigen Bewohner nötig.“
Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) sagte: „Wir wollen den Durchgangsverkehr rausbekommen. Nach langer Diskussion ist es jetzt gut, dass wir diese Möglichkeit über T 30 haben.“
Bürgermeisterin Scherer ergänzte schließlich den Beschlussvorschlag um die Anträge Tempo 60 in Brugg und Truschwende und bei der Riedhalde T 50.
Bei der Abstimmung wurde der ergänzte Beschlussvorschlag von der großen Mehrheit der Gemeinderäte positiv gesehen und bei zwei Gegenstimmen angenommen.
Uli Gresser
Anmerkungen des Redaktionsleiters der Bildschirmzeitung, der zugleich Akteur in dieser Sache ist:
1. Namens der Brugger Weilergemeinschaft, deren Unterschriftenliste er angestoßen hatte, dankt er für die Ergänzung im Lärmaktionsplan (LAP), die vom Gemeinderat am 17. November 2025 beschlossen wurde. In der Ergänzung fordert die Stadt Bad Wurzach mit Blick auf die Lärmbelastung in Brugg (und auch in Truschwende) eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit in Brugg (und Truschwende) auf Tempo 60.
2. Unverändert hält er daran fest, dass die Lärmbeurteilung durch das Büro Rapp, Brugg betreffend, realitätsfern ist. Zusammenfassend war der den LAP aufstellende Rapp-Fachmann zu dem Ergebnis gelangt, dass die Lärmbelastung im an der B465 liegenden Weiler Brugg „gering“ sei.

Die Tabelle zeigt links die Stellungnahme von Gerhard Reischmann bei der Auslegung des LAP, rechts die Wertung hierzu von Seiten des Büros Rapp (die blaue Einfärbung stammt von der Bildschirmzeitungsredaktion).

Hier die Brugger Stellungnahme vom 25. Februar 2025 im Original. Die Tempo-60-Forderung wurde von sämtlichen erwachsenen Einwohnern Bruggs (bis auf 1 Person, die damals erkrankt war) unterzeichnet.
Wie belastend der Lärmdruck im Brugg ist, wird in obiger Stellungnahme, eingereicht bei der Auslegung des LAP-Entwurfs am 25.2.2025, und vor allem beim Appell von Gerhard Reischmann, gesprochen vor dem Gemeinderat am 17.11.2025, deutlich. Den Appell haben wir hier unter „Downloads“ hinterlegt.
3. Da davon auszugehen ist, dass die die Geschwindigkeitshöchstgrenze festsetzende Behörde den im Falle Bruggs realitätsfernen LAP bei ihrer Entscheidung zugrundelegen wird, fordert der Straßenanlieger Gerhard Reischmann namens der Weilergemeinschaft eine unabhängige Beurteilung der Lärmsituation in Brugg durch Messungen vor Ort.
Gerhard Reischmann, Redaktionsleiter und Straßenanlieger
Unter “Downloads” haben wir die LAP-Präsentation von Wolfgang Wahl und den Appell von Gerhard Reischmann hinterlegt











