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Zukunftsforum in der Kreissparkasse Ravensburg

Die Redner sind sich einig: Die Energiewende ist alternativlos



Foto: Erwin Linder
Gastgeber beim Zukunftsforum des Landratsamtes: Dr. Patrick Kuchelmeister, KSK-Vorstand, in dessen Räumlichkeiten in der Zentrale in Ravensburg die Veranstaltung stattfand.

Ravensburg – „Energiewende als Beitrag zum Klimaschutz“ – unter dieses Leitwort stellte das Landratsamt Ravensburg sein viertes Zukunftsforum, ausgerichtet in der Kreissparkassen-Zentrale in Ravensburg. Mit Ministerin Thekla Walker, MdB Andreas Jung (CDU) und dem „Chief Operating Officer Systemkritische Infrastruktur“ Dirk Güsewell von der EnBW waren bei dem Forum Mitte November hochkarätige Referenten am Start.

Betrachtet man die Umfragen zu Themen, die die Menschen in Deutschland am meisten umtreiben, steht Klimaschutz nicht an erster Stelle. Ganz anders in Ländern, die nicht nur von gelegentlich stärkeren Gewittern, sondern vom Versinken ihres Landes unter dem Meeresspiegel betroffen sind, wie Andreas Jung in seinem Statement ausführte. Wenn Leib und Leben durch die Erderhitzung ganz existenziell betroffen sind, bekommt das Thema einen anderen Stellenwert.

Die TV-Journalisten Tina Kraus und Kolja Schwartz moderierten den Abend. Gleich zu Anfang wiesen sie auf das BVG-Urteil vom 29.4.2021 hin, mit dem die Rechte junger und künftiger Generationen gestärkt wurden.

Hausherr Dr. Patrick Kuchelmeister ging auf die Umweltkonferenz in Belem ein. Insbesondere ein Detail der Flagge hatte es ihm besonders angetan. Quer über der blauen Kugel ist ein Band mit der Aufschrift „Ordem e Progresso“, zu deutsch Ordnung und Fortschritt. Das brauche man auch beim Umbau der Energie auf Nachhaltigkeit. Wobei er aber die Ordnung nicht gleichsetzte mit Bürokratie. Die KSK stelle sich voll hinter das Anliegen des Landkreises beim Ausbau auf erneuerbare Energien.

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Zahlen und Fakten aus der Praxis

Dirk Güsewell (Bild), Vorstand beim Energieriesen EnBW, eröffnete den Reigen der Vorträge. Mit ihm kam ein echter Praktiker ans Mikrofon. Ohne große Schnörkel, aber mit aussagekräftigen Folien bezifferte er die Kosten der Energiewende für die EnBW. Sein Unternehmen, nebenbei der größte vollintegrierte Energieversorger in Deutschland, bedient rund 5,5 Millionen Kunden. Dafür betreibt es 149.000 km Strom- und 31.000 km Gasleitungen, beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter, liefert 11,2 Gigawatt (GW) Kraftwerksleistungen, davon 6,6 GW aus erneuerbaren Energien, macht rund 34,5 Milliarden Euro Umsatz und erzielt dabei einen Ertrag vor Steuern und Zinsen von 4,9 Milliarden Euro.

Um die Ziele Bezahlbarkeit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit unter einen Hut zu bringen, will die EnBW bis 2030 rund 30 Milliarden Euro in Netze auf allen Spannungsebenen  investieren.

Die Hausaufgaben am besten gemacht

Die Energiewirtschaft hat laut Güsewell bislang ihre Hausaufgaben am besten gemacht. Sie senkte die CO2-Emission seit 1990 um mehr als 60 %. Verkehr, Landwirtschaft und Gebäude hinken hinterher. Die Integration der Erneuerbaren sei ohne negativen Einfluss auf die Versorgungssicherheit gelungen. Allerdings ist Deutschland mit 39 Cent pro kWh Spitzenreiter.

Nach den Berechnungen der EnBW erfordert die Energiewende bis 2035 Investitionen von 1213 Milliarden Euro. Die EnBW erstellte eine Studie, nach der bis 2045 die Systemkosten im Stromsektor um bis zu 32 % und die Investitionen um bis zu 47 % reduziert werden könnten, vorausgesetzt, man setzt auf effiziente und intelligente Lösungen. Zum Beispiel ließen sich mit Freikabeln anstelle von Erdkabeln zweistellige Milliardensummen einsparen.

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Tageszeitbezogener Stromverbrauch

Großen Einfluss auf die Stromrechnung jedes Einzelnen wird in Zukunft sein Verbrauchsverhalten haben. Mit Smart-Metern können die Stromkunden ihren Bedarf in Zeiten billigen Stroms decken. Morgens um acht, beim kWh-Preis von über 30 Cent, wird keiner sein E-Mobil laden, wenn er dieselbe Leistung mittags um 12 für 10 Cent bekommt.

Zum Schluss hatte Dirk Güsewell noch eine gute Nachricht für alle EnBW-Kunden: der Strompreis sinkt.

Deutschland als globaler Vorreiter

Die baden-württembergische Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker (Bild) stellte ihrem Vortrag die These voran: „Die Vollendung der Energiewende ist der beste Weg zum Schutz unseres Wirtschaftsstandortes und gleichzeitig verbessert sie unsere Lebensqualität. Nur als globaler Vorreiter für klimafreundliche Technologien werden wir auch in Zukunft auf Erfolgskurs bleiben.“

Im Gegensatz zum Wirtschaftsmann Güsewell, der das Auditorium mit Zahlen und Daten fast überreizt hatte, blieb die Ministerin mit ihren Aussagen im Allgemeinen. Wichtig waren ihr die Energiesouveränität für Deutschland. Wind und Sonne schicken keine Rechnung, jetzt müssten die Netzentgelte gesenkt werden. Die Energiepreise seien seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges wieder gefallen. Wir müssen als größte europäische Wirtschaftsnation zeigen, dass die Energiewende und die Wirtschaftsleistung zusammen eine Erfolgsgeschichte werden. Wer, wenn nicht wir, so die Ministerin.

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Mehr im System denken

Andreas Jung (Bild), stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Umwelt und Klimaschutz, stellte seinem Vortrag folgende These voran: „Die Ausbauziele bei den Erneuerbaren bleiben – für eine sichere Energieversorgung und für den Klimaschutz. Es wird auch nicht zu schnell gebaut, aber zu wenig im System gedacht. Teilweise müssen wir dann für Strom aus diesen Quellen bezahlen, selbst wenn er gar nicht genutzt werden kann. Deshalb müssen wir jetzt Weichen neu stellen.“

Jung begann seinen Vortrag mit berührenden Bildern. Vom Klimawandel betroffen sind die Menschen, die am wenigsten dafürkönnen. Südseeinseln werden vom Meer überspült. In Bangladesh sind Millionen Menschen erst vom Hochwasser, dann von Wasserknappheit bedroht. Wenn er in die Wälder schaue, könne er heulen. Ein Obstbaum am Bodensee, gepflanzt vor 50 Jahren, habe in den ersten 25 Jahren seines Lebens einen einzigen Hagelschauer über sich ergehen lassen müssen, in den zweiten 25 Jahren sei der Hagel 13 mal auf ihn niedergeprasselt. Klimaschutz sei keine Frage, aber das Wie sei entscheidend. Wie können wir Klimaschutz betreiben und trotzdem wirtschaftlich stark bleiben? Da müsse man die Weichen neu stellen. Klimaschutz müsse effizienter werden. Neue Stromkapazitäten dort schaffen, wo sie auch abgenommen werden können. Man müsse konsequent mit den Erneuerbaren weitermachen. Neue Gaskraftwerke, die für klimaneutral erzeugten Wasserstoff ausgelegt wären, müssten die sogenannten „Dunkelflauten“ überbrücken. Den Einwurf, Deutschland produziere doch nur 2 % des weltweiten CO2-Ausstoßes, entkräftete er mit dem Argument, dass in Deutschland aber auch nur 1 % der Weltbevölkerung lebe.

OB Henle meldet sich zu Wort

Für die anschließende Diskussion hatten sich die Moderatoren einen erfrischenden Break ausgedacht. Ein Stuhl in der Diskussionsrunde war einem Joker vorbehalten, der mit einem Hupknopf einfach in die Runde grätschen konnte.

Als erstes meldete sich OB Henle von Leutkirch zu Wort: „Wir machen was falsch. Jeder wurschtelt ohne Konzept vor sich hin. Als Besserverdiener profitiere ich von der Energiewende. Auf dem Dach mit einer PV-Anlage, an der ich mein E-Mobil lade und dann noch mit einer Wärmepumpe für die Heizung. Wie macht das mein Nachbar in der Mietwohnung?“ Und Walter Göppel von der Energieagentur Ravensburg nannte die Wärmewende die größte Herausforderung. Wie sollen die Leute denn das alles stemmen?
Text und Fotos: Erwin Linder

Anm. d. Red.: Die verspätete Veröffentlichung hat produktionsinterne Gründe. Sie geht nicht zu Lasten unseres Reporters, der zeitig geliefert hat. Die Redaktionsleitung der Bildschirmzeitung ist derzeit verstärkt mit dem Aufbau der Ausgaben Isny und Wangen sowie dem Ausbau der übrigen Ausgaben befasst. Zudem hat mit dem wachsenden Erfolg der Bildschirmzeitung die Fülle des Materials, die wir zu bewältigen haben, stark zugenommen. Deshalb kommt es derzeit zu Verzögerungen bei der Bearbeitung. Wir bitten um Nachsicht. Wir sind bemüht, die Engpässe zu beseitigen.

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