Das Ziel heißt: Mehr Raum für Seelsorge schaffen
Zum Kommentar „Lasst die Hände weg von den Pfarreien!” (DBSZ am 26. November)
Im Vorfeld der Diözesanratssitzung am 28. und 29. November 2025 äußern sich besorgte Gläubige zum Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ und kommentieren diese kritisch. Die geäußerten Anliegen, Sorgen und Fragen engagierter Katholik:innen nehmen wir ernst und möchten sie in zentralen Punkten einordnen.
In den Stellungnahmen wird die Bedeutung persönlicher Nähe, seelsorgerlicher Präsenz und lebendiger Gemeinschaften betont und vor möglichen Entfremdungseffekten durch zu große Strukturen gewarnt. Diese Sorge ist nachvollziehbar. Zugleich ist im Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ausdrücklich vorgesehen, die heutigen Kirchengemeinden als vielfältige kirchliche Orte zu erhalten und Haupt- wie Ehrenamtliche durch die Bündelung von Verwaltung zu entlasten. Ziel ist es, mehr Raum für Seelsorge zu schaffen – nicht weniger. Damit soll Nähe vor Ort gestärkt und nicht eingeschränkt werden.
Der Wunsch nach einem konstruktiven Miteinander, nach gegenseitigem Respekt und nach ausreichend Zeit für Entscheidungsprozesse ist berechtigt. Seit Juli wurde auf verschiedenen Ebenen – in der Diözese, in Seelsorgeeinheiten und Dekanaten – über Ziele, Modelle und Hintergründe informiert. Eine Online-Umfrage, Rückmeldekarten sowie persönliche Gespräche ergänzten die Beteiligungswege. Das Beteiligungsverfahren war bewusst nicht als repräsentative Umfrage angelegt, sondern sollte Stimmungsbilder und Einschätzungen aus unterschiedlichen Perspektiven erfassen. Sie fließen in die Unterlagen für den Diözesanrat ein und werden als ein Teil der fachlich breiten Grundlage, auf der der Diözesanrat seine Voten erarbeitet, berücksichtigt.
Es ist richtig, dass durch die Neustrukturierung die Zahl der kirchenrechtlich selbstständigen Körperschaften sinken soll, um Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Dies bedeutet jedoch keine Aufgabe lokaler Kirchorte oder gewachsener Traditionen. Die zukünftigen Raumschaften werden als Netzwerke vieler kirchlicher Orte gestaltet, in denen auch weiterhin Verantwortung vor Ort übernommen werden kann – etwa in Kirchortausschüssen, Themen- oder Projektteams.
Dass viele Gläubige sich noch weitergehende oder frühere Informationen wünschen, nehmen wir ernst. Der Diözesanrat entscheidet ergebnisoffen und verantwortungsbewusst, getragen von der Aufgabe, die Seelsorge in der Diözese langfristig zu stärken.
Das Engagement und die Verbundenheit, die sichtbar werden, sind ein wichtiger Beitrag für den gemeinsamen Weg der „Kirche der Zukunft“. Alle, die sich informieren, mitdiskutieren und ihren Blick auf die Entwicklungen einbringen, sind eine Bereicherung für den Prozess. Nur im Zusammenspiel vieler Perspektiven lässt sich eine zukunftsfähige Seelsorge im Dienst an den Menschen gestalten.
Stabsstelle Mediale Kommunikation der Diözese Rottenburg-Stuttgart




