„Eine vertane Chance für unsere Region“
Die Befürworter eines Biosphärengebiets Oberschwaben-Allgäu reagieren mit großem Bedauern auf die Entscheidung, den Prüfprozess zu beenden. In einem offenen Brief an Umweltministerin Thekla Walker äußern sie ihre Enttäuschung über den Abbruch eines Projekts, das ihrer Ansicht nach „Zukunft, Identität und Zusammenarbeit in der Region hätte stärken können“. Nachstehend der Offene Brief im Wortlaut (eingegangen am 13. 11. um 19.24 Uhr):
Sehr geehrte Frau Ministerin Walker,
mit großem Bedauern und ehrlicher Enttäuschung haben wir, die Befürworterinnen und Befürworter eines Biosphärengebiets Oberschwaben-Allgäu, die Entscheidung zur Beendigung des Prüfprozesses zur Kenntnis genommen.
Was in den vergangenen Jahren in unzähligen Arbeitskreisen, Bürgerversammlungen und Fachgesprächen aufgebaut wurde – Vertrauen, Wissen, Dialog – wird nun abgebrochen, kurz bevor greifbare Ergebnisse hätten entstehen können. Wir halten diesen Schritt für einen herben Rückschlag für eine Region, die den Mut gezeigt hat, neue Wege in Richtung Nachhaltigkeit, Identität und gemeinsamer Verantwortung zu gehen.
Ein Biosphärengebiet ist kein Fremdkörper – es ist eine Einladung, unsere Heimat aktiv zu gestalten, statt sie den Krisen unserer Zeit zu überlassen“
Die Entscheidung, den Prozess zu beenden, mag politisch nachvollziehbar erscheinen. Doch sie ist inhaltlich falsch. Denn gerade jetzt – in Zeiten von Klimakrise, Artensterben und wirtschaftlicher Unsicherheit – brauchen wir Orte, an denen Zukunft gemeinsam gedacht und gestaltet wird. Das Biosphärengebiet hätte genau das sein können: ein Motor für nachhaltige Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und gelebte Verantwortung für kommende Generationen.
Wir wissen: Der Dialog war nicht immer einfach. Polarisierung, Falschinformationen und lautstarke Einzelinteressen haben den sachlichen Austausch erschwert. Aber statt diesen Stimmen nachzugeben, hätten wir ihn fortsetzen müssen – mit Geduld, Transparenz und Respekt. Ein solch komplexes Zukunftsprojekt darf nicht an kurzfristigen Stimmungen scheitern.
Die Chance, mit einem Biosphärengebiet Brücken zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Bürgerschaft zu bauen, wurde leichtfertig vergeben. Diese Brücken müssen wir eines Tages wieder aufbauen.
Unser Dank gilt den vielen engagierten Menschen in der Region – aus Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus, Bildung und Bürgerschaft –, die in den vergangenen Jahren Herzblut, Zeit und Expertise in diesen Prozess eingebracht haben. Ihre Arbeit hat gezeigt: Oberschwaben-Allgäu kann mehr, wenn man ihm die Chance dazu gibt.
Wir appellieren an Sie, Frau Ministerin:
Lassen Sie die Idee eines Biosphärengebiets nicht endgültig fallen. Bewahren Sie die erarbeiteten Grundlagen, sichern Sie das Wissen, halten Sie die Türen offen für einen Neustart, wenn der gesellschaftliche Wind wieder günstiger weht.
Das Biosphärengebiet war – und bleibt – eine Vision für eine lebenswerte Zukunft unserer Region. Eine Vision, die zu schade ist, um in Aktenordnern zu verschwinden.
Mit nachdrücklicher Hoffnung und großem Respekt,
die Befürworterinnen und Befürworter eines Biosphärengebiets Oberschwaben-Allgäu
Bernhard Klein, Kißlegg (1. Vorstand, Pro Biosphäre e. V.)
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