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Leserbrief

Sind unsere Naturschutzgebiete eigentlich noch geschützt?



Zur Diskussion um den Turm

Mit großem Interesse verfolgen wir als Außenstehende und Steuerzahler (Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg zum Turmbau) seit längerer Zeit die Planung des Turmes im Wurzacher Ried und die Diskussionen darüber.

Auf den Internetseiten der in erster Linie für die Ausnahmegenehmigungen für die Verordnungen zu den Naturschutzgebieten zuständigen Regierungspräsidien Baden-Württemberg wird mit dem Slogan geworben:

Naturschutzgebiete – hier hat die Natur Vorrang

Aber ist das überhaupt noch so oder ist das eine leere Phrase?

Zu welchem überragenden Zweck, der solche massiven Eingriffe in ein Naturschutzgebiet rechtfertigt,  soll  dieser Turm gebaut werden?

Den einzelnen Äußerungen der Turmbefürworter entnehmen wir doch, dass durch den Turm der Tourismus der Stadt Bad Wurzach angekurbelt werden soll. Vom Naturschutzzentrum kommt  Zustimmung, da von diesem Turm aus der wiedervernässte  Bereich des Riedes und die einzelnen Riedformen sehr gut zu überblicken sind und dies Touristen anziehen soll.

Es ist die Steigerung des Tourismus, also ein rein monetärer Grund, der hier den Ausschlag für den  Bau des Turmes gibt. Ist das ein überragender Grund, Ausnahmen von fast sämtlichen Verboten in einer Naturschutzverordnung eines Naturschutzgebiets zu erlassen? Wenn das so einfach ist, ist der Schutz unserer Naturschutzgebiete äußert schwach! Die Natur hat damit in einem Naturschutzgebiet keinen Vorrang mehr!

Die einzelnen Riedformen kann der wirklich interessierte Naturbeobachter wesentlich besser und detaillierter von verschiedenen Standorten  von der Anhöhe bei Wengen oder der Anhöhe in Richtung Dietmanns aus erkennen und genießen. Wer Details im Ried erleben will,  muss ohnehin zu Fuß ins Ried oder noch besser an einer der Führungen des Naturschutzzentrums teilnehmen.

Für einen derart gravierenden Eingriff in ein Naturschutzgebiet gibt es unserer Ansicht nach in diesem Fall keinen Rechtfertigungsgrund. Daher hätten Ausnahmen von der Verordnung zum Naturschutzgebiet Wurzacher Ried  schon aus diesem Grund nicht erteilt werden sollen und dürfen.

Durch die Energiewende wird der Arten- und Naturschutz doch schon laufend eingeschränkt.  Brauchen wir zusätzlich noch derartige Eingriffe in Naturschutzgebiete?

Die Bürger von Bad Wurzach haben am 23. Februar 2025 die Möglichkeit, diese unseres Erachtens fehlgelaufene Planung und Entscheidung  mit ihrer Stimme  zu korrigieren.

Wir hoffen darauf.
Anton Schaefer, Bergatreute  (Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Wurzacher Becken)
Andrea Hagenlocher, Haisterkirch  (Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Wurzacher Becken)




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