Hausarztpraxis im Krankenhaus soll am 1. Juli ihre Pforten öffnen
Leutkirch – Dr. Daniel Gallasch, Ko-Vorstand der Hausarzt-Genossenschaft LeuMed, und Rosemarie Miller-Weber, Vorsitzende der Leutkircher Bürgerstiftung, zeigten sich im Gespräch mit der Bildschirmzeitung „Der Leutkircher“ davon überzeugt: Am 1. Juli 2026 geht die Hausarztpraxis im Krankenhaus an den Start.
Es war ein Schock für die Bürgerschaft in und um Leutkirch gewesen: der jähe Tod der beliebten und hochangesehenen Allgemeinärztin und Internistin Dr. Brigitte Schuler-Kuon im April vergangenen Jahres. Und dann kam im Juni noch die Nachricht vom nicht minder überraschenden Tod von Dr. Lukas Städele. Das Sterben der beiden Mediziner riss eine große Lücke in die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung.
Zuvor schon hatte sich das Entstehen einer Versorgungslücke abgezeichnet und so wurde bereits im Sommer 2024 – noch unter Beteiligung von Dr. Brigitte Schuler-Kuon – eine Ärztegenossenschaft aus der Taufe gehoben, die dem Mangel entgegenwirken sollte. Ein halbes Dutzend am Ort praktizierender Mediziner konnte zur Mitgliedschaft in der Genossenschaft gewonnen werden und auch die Stadt war von Anfang an mit im Boot. „Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in der Stadt ist keineswegs eine Pflichtaufgabe der Kommune“, stellte Bürgermeister Dr. Gallasch im Gespräch mit dem „Leutkircher“ klar. Aber angesichts der Dramatik der Lage habe sich auch die Kommune in der Pflicht gesehen.
600.000 € von der Stadt, 200.000 € über Spenden
Und sie beließ es nicht bei Worten. 600.000 € aus dem Stadtsäckel wurden bereitgestellt, damit der Landkreis als Eigentümer des ehemaligen Krankenhauses im Erdgeschoss Praxisräume baulich herrichtet. Die Ausstattung kostet weitere 200.000 € und hier kommt die Bürgerstiftung ins Spiel: Sie ruft die Bürgerschaft zu Spenden auf und Rosemarie Miller-Weber ist überzeugt davon, dass die Leutkircher für die Hausarztpraxis im ehemaligen Krankenhaus ihr Scherflein geben. „Die Leutkircher halten zusammen“, sagt die ehemalige Bankchefin, die beim – vergeblichen – Kampf um die Erhaltung des Krankenhauses eine Woge des Zuspruches erfahren hatte. Jeder einzelne Spenden-Euro werde zu hundert Prozent für das Projekt verwendet; die Bürgerstiftung, deren Leitung ehrenamtlich arbeitet, könne ihre geringen Verwaltungskosten aus den Zinsen auf ihren Kapitalstock decken.
Ja, die Leutkircher spenden. „Gerade heute ist ein vierstelliger Betrag hereingekommen“, berichtet Rosemarie Miller-Weber im Rahmen des Redaktionsgespräches. Man freue sich über jede noch so kleine Spende und sei zuversichtlich, das angestrebte Ziel von 200.000 € zu erreichen. Zur Zielerreichung tragen auch die Bürgerstiftung selbst, die Stiftung der Familie Miller-Weber und die Thussi-Drexler-Stiftung ihren Teil bei.
In der von der gemeinnützigen Genossenschaft LeuMed eG getragenen Hausarztpraxis im Krankenhaus werden zunächst personelle und sächliche Ressourcen von zwei Praxen aus Leutkirch zusammengefasst. Hier könne die LeuMed dann auch weitere Ärzte im Angestelltenverhältnis beschäftigen. Man sei zuversichtlich, die Stellen besetzen zu können, da junge Ärzte zunehmend eine Anstellung dem Sprung in die Selbständigkeit vorzögen und eben auch gerne in Teilzeit arbeiten würden, sagte Dr. Gallasch, der als Bürgermeister die Stadt in der Genossenschaft vertritt.
Die LeuMed muss an den Kreis Miete zahlen und wenn man am 1. Juli an den Start gehe, liefen zunächst erst mal Kosten auf, während die Vergütungen zeitlich nachgelagert zuflössen. Um diese Lücke zu schließen, gewähre die Stadt der Genossenschaft ein Liquiditätsdarlehen. Generell strebe die Genossenschaft, die gemeinnützige Ziele verfolge, keine Gewinne, sondern eine Kostendeckung an. Das Attraktive an der genossenschaftlichen Trägerschaft sei auch, dass die Ärzte sich voll und ganz ihrer Profession widmen könnten, unbelastet von Verwaltungsdingen.
Die kommende Hausarztpraxis im ehemaligen Krankenhaus ist keine Notfallpraxis. „Eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung können wir nicht darstellen“, sagt LeuMed-Ko-Vorstand Dr. Gallasch (neben ihm fungiert der Arzt Robert Schmidt als weiterer Vorstand).
Der Chirurg Dr. Lehner, der Zahnarzt Dr. Böck, der HNO-Arzt René Franz und die weiteren im Krankenhaus angesiedelten Ärzte (der Internist Dr. Milz, die Urologen Dr. Peter und Dr. Hecker) gehören nicht zu LeuMed. Sie sind lediglich Zimmer-Nachbarn der kommenden Hausarztpraxis.
Die geplanten Hausarztpraxis ist nicht das erste derartige Projekt, das von der 2014 gegründeten Bürgerstiftung unterstützt wird. Auch das vor acht Jahren gegründete Hospiz „Ursula“ wurde von der Bürgerstiftung entscheidend gefördert.
Spenden-Konto
Wer für die Sicherung der hausärztlichen Versorgung spenden möchte, dem sei das Spendenkonto genannt: DE34 6509 1040 0090 4090 00 bei der Volksbank Allgäu-Oberschwaben (GENODES1LEU)
Gerhard Reischmann












