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Kritik an Entwicklung der Sanierungskosten – Sondersitzung anberaumt

Gemeinderat beschließt Rundschindeln für den „Löwen”



Foto: EUS-Architekten
Runde Schindeln für den „Löwen“ – statt eckiger. So beschloss es der Gemeinderat Kißlegg am Mittwochabend einstimmig.

Kißlegg – Einmütigkeit. Am 14. Januar hoben alle Mitglieder des Gemeinderats Kißlegg bei ihrer Sitzung im Neuen Schloss die Hände zum Ja für Rundschindeln am „Löwen”. Dessen Baustelle prägte den Abend. Mit zwei Nachrichten. Die schlechte zuerst: Statt 4,95 Millionen kostet das ganze Vorhaben voraussichtlich 5,789 Millionen Euro. Also 839.000 Euro mehr. Die gute Nachricht: Im dann fertigen „Löwen” könnten Grundschulklassen zeitweise zu Mittag essen. So lasse sich womöglich ein neuer Anbau an der Schulmensa einsparen. Und ebenso einen Neubau des Gemeindearchivs. Es finde dann stattdessen womöglich im „Löwen”-Dachstuhl Platz. Fielen die Gesamtkosten für all diese Vorhaben unterm Strich dann sogar geringer aus?

Im Januar 2025 wurden dem Gemeinderat in der „Löwen”-Baustelle vom Ravensburger Architekten Wolff Stottele verschiedene Schindeln – hier rechteckige – gezeigt. Archivbild: Julian Aicher

„Das ist keine angenehme Aufgabe.” So der Ravensburger Architekt Wolff Stottele bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Seine Ankündigung zu den Kosten der Dachsanierung vom Mai 2025 „würde ich heute so nicht mehr machen”, betonte der Baufachmann. Denn einerseits hätte sich die Sicherung des Gebälks als so nicht erwartbare „Notoperation” erwiesen, andererseits gelte: „Wir haben eine veränderte Zeit im Bauen.” Mit viel mehr behördlich-gesetzlichen Bestimmungen. Zum Beispiel für das Gerüst – so sicher, dass es auch einem Auffahrunfall standhalten würde. Dieses Gerüst müsse wohl noch bis Mai stehen – und koste pro Monat etwa 12.500 Euro.

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„Ein Schlag ins Gesicht“

Zuvor hatten sich viele Gemeinderatsmitglieder über die Teuerung beschwert. Albert Schwarz (CDU) nannte Stotteles Kosten „einen Schlag ins Gesicht”. Schwarz sprach dabei auch davon, in solch einem Fall den Auftrag an andere vergeben zu können. Schwarz‘ CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Dürr bestätigte Schwarz’ Stimmung: „Uns hat das schon bestürzt.” Dürr fragte zur Kosten-Entwicklung: „War’s das dann jetzt?” und wollte wissen, „wann wir fertig sind”. Andererseits betonte Dürr: „Wir standen und stehen immer hinter dem ,Löwen’.“  Folge: „Daher spricht sich die CDU für die Rundschindeln aus“ – etwas teurer als rechteckige, aber als passender zum „Löwen” empfunden.

Dux will Deckel

„Es kann so nicht weitergehen”, erklärte Bernd Dux, Vorsitzender der Freien Wähler. Andererseits kam von Dux die gleiche Zusicherung wie vom CDU-Fraktionschef Dürr: „Wir stehen zum ,Löwen’.“ Bernd Dux erinnerte daran, dass die Freien Wähler schon 2025 dazu angeregt hätten, die Ein-Zimmer-Wohnungen für in Not geratene alte Kißleggerinnen und Kißlegger erst später in den „Löwen” einzubauen. Dann erinnerte Dux: „Wir haben schon in der letzten Sitzung einen Deckel vorgeschlagen.” Dies auch vor dem Hintergrund anderer Bauvorhaben. Etwa einer womöglich neuen Sporthalle.

Grüne-Fraktionsvorsitzender Bernhard Klein: „Wir schließen uns unseren Vorrednern an, was die Schindeln betrifft.” Diese also auch für die Grünen eine zur Unterkannte hin ausgeführt runde Sache.

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Essen für Grundschüler teils im „Löwen”? 

„Diese Projekte werden nicht gestoppt”, versicherte Bürgermeister Dieter Krattenmacher zu anderen Planungen in der Mehr-Seen-Gemeinde. Etwa zu Schulausbauten. Seine Zuversicht bezog der Rathauschef aus neuen Überlegungen, im dann fertigen „Löwen” noch andere Nutzungen möglich zu machen. Etwa zwei Tage in der Woche den Mensa-Betrieb der Grundschule. Krattenmacher: „Ich finde es schön, wenn die Kinder in die Gaststätte gehen.” Noch sei diese Idee genauer zu prüfen. Aber in zwei Wochen wolle die Verwaltung den Gemeinderat nochmals in einer Sondersitzung mit genaueren Informationen ins Bild setzen. Dann wisse das Rathaus wohl auch mehr zur Frage, ob es noch weitere Zuschüsse für den „Löwen” von außerhalb gebe.

Schließlich habe die bis jetzt vorbildliche Erhaltung des beachtlichen Dachstuhls die Überlegung beflügelt, ob dort oben das Gemeindearchiv einen neuen Dauerplatz finden könne. Bisher sei es in teils feuchten Kellerräumen des Rathauses untergebracht. Besonders bedankte sich der Bürgermeister für bereits eingegangene Spenden aus der Bürgerschaft.

Einen neuen Mensa-Anbau statt zeitweise Schulspeisung im alten „Löwen” – „das kriegen wir nicht zum Nulltarif”. So Monika Döbler (SPD). Damit drückte sie aus, dass der “Löwen” letztlich helfen könne, Hunderttausende Euro Ausgaben an anderer Stelle einzusparen.

Christian Horn von den Freien Wählern Kißlegg forderte, mit größeren Beschlüssen abzuwarten, bis klar sei „was wir wirklich an Zuschuss kriegen.” Da zeigte sich Bürgermeister Dieter Krattenmacher zuversichtlich: „Am 8. März ist ja Landtagswahl.” Zuvor werde man in Kißlegg da womöglich noch eine frohe Botschaft zum „Löwen” von Landesseite aus bekommen. Christian Horn regte an, die Bauarbeiten am und im „Löwen” so weit voranzubringen, bis das Außen-Gerüst abgebaut werden könne. Und dann, so Horn, „schauen wir: Wie sieht’s aus?”  Horns Herangehen “bringt es so ziemlich auf den Punkt”, lobte Rathauschef Krattenmacher.

Rund oder eckig – das war am 14. Januar die Frage. Das Architekturbüro hat diese Alternativen genannt. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig für runde Schindeln als Wandverkleidung am „Löwen“. Fotos: EUS-Architekten

Einstimmig beschloss der Gemeinderat am Mittwochabend, die Rathausverwaltung Rundschindeln für den “Löwen” zu bestellen zu lassen.
Julian Aicher

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