ravensburg - Anläßlich der zweiten Offenlegung des Regionalplanentwurfs für Bodensee-Oberschwaben fordert ein breites Bündnis aus Klimaaktivisten und Naturschützern eine Änderung , die Klima- und Nachhaltigkeitsziele einhält.

 

Eine bunte Mischung aus Jung und alt hatte sich am Hirschgraben in Ravensburg versammelt, Zuhörerinnen und Rednerinnen, etwa hundert dort am Platz neben der evangelischen Stadtkirche, die durch Läuten ihren Beitrag lieferte, ebenso der Verkehrslärm, der einmal mehr die Notwendigkeit für ein verkehrsfreies Stadtzentrum Ravensburg vor Augen führte, und Corona bedingt über 700 Personen, die die Kundgebung daheim am Rechner verfolgten.

Für die Regionalgruppe der Scientist4Future begründete Manfred Walser, dass dem Entwurf eine überhöhte Annahme von 10,3 % beim Bevölkerungswachstum zugrunde liegt, während das Statistische Bundesamt nur von 2,7 % ausgehe. „Dies sei mit Klima- und Nachhaltigkeitszielen nicht vereinbar“ und weiter geplant wird mehr als das Doppelte an Flächenverbrauch für die nächsten 15-20 Jahre.

Zu den geplanten etwa 2.700 Hektar im Regionalplanentwurf kommen nochmals einige hundert Hektar hinzu: über sogenannte §13b-Flächen, für die keine Umweltprüfung vorgeschrieben ist und weitere Flächeninanspruchnahme durch Planungen auf kommunaler Ebene. Das widerspricht dem Klimaschutz enorm, weil im intakten Boden große Mengen klimarelevanter Gase wie CO2 gespeichert sind. Selbstverständlich sollen beim Wohnungsbau die Bedürfnisse junger Familien berücksichtigt werden. Dies könnte jedoch durch Schaffung von sozialem und bezahlbarem Wohnraum mit adäquaten Wohndichten im Rahmen moderner Wohnprojekte deutlich besser und nachhaltiger geregelt werden, wobei auf eine gute ÖPNV-Anbindung zu achten ist.

Barbara Herzig für das Aktionsbündnis Zukunftsfähiger Regionalplan aus Hoßkirch leitete durch die Kundgebung, bei der sie auch Parolen wie „Kiesexport und Asphaltwahn – ein Katastrophenplan“ einstreute Sie und ihre Mitstreiter*innen waren auch aktiv geworden gegen den 1000-Kühe-Stall in Ostrach, und dieser Widerstand hatte insoweit Erfolg, dass der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Eilverfahren feststellte, die Genehmigung sei rechtswidrig erfolgt. Das Vorhaben ist somit gestoppt.

Nachdem ein Vertreter der Baumbesetzer im Altdorfer Wald seine Wut über die Pläne zum Ausdruck gebracht hatte, sprach ein Demeter-Bauer im Unruhestand aus Leutkirch, Alfred Notz und begründete aus seiner sicht die Einwände gegen Flächenfraß und für die Erhaltung der Böden in der bäuerlichen L andwirtschaft. Dem tatkräftigen Einsatz der Baumbesetzer für den Wald als grüne Lunge Oberschwabens und dem Schutz der Grundwasservorkommen, wird von den Versammelten hohes Lob gezollt. Ein Ausverkauf der Lebensgrundlagen wollen hier alle nicht.

Um die Forderung zu bekräftigen, werden weitere Unterschriften am Aktionsstand gesammelt.

Text und Bild: Gerhard Maucher

 

 

 

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