Schloßstraße 46 in Kißlegg – ein Haus mit bewegter Geschichte
Kißlegg – Ortsheimatpfleger Bernd Mauch hat auch für das Jahr 2026 einen Kalender mit Ansichten zu Alt-Kißlegg herausgebracht. Letzte Exemplare des Kalenders sind zum Preis von 10,- Euro bei Eisenwaren-Martin (St. Anna-Straße 8) erhältlich. Im Januar-Blatt befasst sich Bernd Mauch mit dem Gebäude Schloss-Straße 46 (früher Bahnhofsstraße). Er schreibt:

Dieses Haus in der Kißlegger Schloss-Straße (Nr. 46) ist Gegenstand des Januar-Blattes von Bernd Mauchs Alt-Kißlegg-Kalender. Undatierte Aufnahme.
Erbaut um 1880, erlangte das Anwesen erstmals Bekanntheit als Atelier des 1862 in Kißlegg geborenen Bildhauers Josef Schilt. Die Bildhauerkunst erlernte Josef Schilt bei Meistern in Isny, Gebrazhofen und Tettnang. Danach arbeitete er in Stuttgart, später in München. Dort war er zunächst in einem Atelier für christliche Kunst tätig. 1890 schrieb er sich an der „Königlich bayerischen Academie der bildenden Künste“ bei Professor Syrius Eberle ein. In Augsburg leitete er sieben Jahre lang eine Bildhauerei; in Freiburg gründete er gemeinsam mit einem aus Aichstetten stammenden Architekten ein eigenes Geschäft und blieb drei Jahre im Breisgau. Danach kehrte er in seine Heimat Kißlegg zurück. Hier arbeitete Josef Schilt als selbständiger Bildhauer (Holzbildhauer) bis zu seinem Tod am 27. Januar 1939.
Kreuzwegstationen in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Wangen
Er schuf Skulpturen für Kirchen und Kapellen in Wolfegg, Leupolz, Immenried, Zaisenhofen, Kißlegg, Merazhofen und Unterdrackenstein (bei Göppingen). Seine Werke waren auch in Polen und Portugal, ja sogar in Brasilien zu finden. Besonders bekannt waren seine Werke wie der Ölberg in Leupolz, die Kreuzwegstationen in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Wangen, der heilige Franz Xaver in Zaisenhofen und natürlich die prächtige Altarskulpur in der Kißlegger Kirche.
Nach seinem Tod wurde das Atelier von Bildhauer Franz Mahle weitergeführt und um ein Haushaltswarengeschäft erweitert. Neben Porzellanwaren, Kerzen, Übertöpfen und Kristallgläsern konnte hier auch hochwertig genähte Tischwäsche erworben werden. Zu Zeiten des Dritten Reichs mussten auch andere Textilien genäht werden.
Später wurde im Keller des Hauses eine umfangreiche Leihbücherei eingerichtet, wo sich die Kißlegger Bevölkerung mit Lesematerial eindecken konnte.
Friseur Kopf aus Wangen
Nach der Auflösung von Bildhauerwerkstatt, Laden und Bücherei war das Haus eine längere Zeit ungenutzt, bis Friseur Kopf aus Wangen hier eine Filiale einrichtete und einige Jahre betrieb. Nach der Schließung des Friseurfiliale richtete sich für kurze Zeit ein Laden für italienische Feinkost ein, der aber bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben musste.
Mittlerweile wurde es zu einem reinen Wohnhaus umgebaut und es wird künftig wohl keine Gewerbe mehr darin geben.

Die Altarskulptur für die Kißlegger Pfarrkirche im Atelier Schilt in der Schloss-Straße (damals Bahnhofsstraße). Neben Bildhauer Josef Schilt der damalige Kißlegger Pfarrer Emil Wahr. Undatiertes Bild (ca. 1936 bis 1938).



Im Dritten Reich wurden in dem Haus unter anderem Hakenkreuzfahnen genäht. Undatierte Aufnahmen (nach 1939).

Schaufenster (um 1940).

Werbung im Kißlegger Marktanzeiger (1953).

Werbung im Kißlegger Marktanzeiger (1954).

Werbung im Kißlegger Marktanzeiger 1956.

Werbe-Dia vom Lichtspielhaus Weiland, um 1959.

Das Januar-Blatt von Bernd Mauchs Alt-Kißlegg-Kalender.
Alle Fotos aus dem Archiv Bernd Mauch











