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Kommentar

Kißlegg auf Kurs




Mittwochabend, 28. Januar ‘26. Gemeinderatssitzung im Neuen Schloss. Dabei befassen sich die Gewählten ausschließlich mit einem Punkt. Nämlich der „Löwen”-Sanierung. Sie findet inzwischen über die Grenzen des Zwei-Schlösser-Orts hinaus Beachtung. Jetzt pochen die Rätinnen und Räte auf stärkere Kostenkontrolle. Heißt: Mehr als drei Millionen Euro sollen aus der Gemeindekasse für den „Löwen” nicht fließen. Auf dieser Grundlage liegt CDU-Ratsmitglied Michael Fick wohl richtig, wenn er am Mittwochabend sagte: „Wir stehen zum Löwen, da müssen wir jetzt durch.” Da widersprach ihm im Rat niemand klar.

Denn nur als fertiggestellt nutzbares Gebäude kann der „Löwen” das bieten, was von ihm erwartet wird: eine „Casa Populo”, ein Haus für die Bevölkerung zu sein. Und zwar eins mit einer langen, teils spannenden Geschichte. Wenn der Gemeinderat jetzt beides wünscht – nämlich Fertigstellung und klaren Kostenrahmen – dann braucht Kißlegg dabei keine Vergleiche zu anderen Orten zu scheuen.

Zum Beispiel zur schönen Kreishauptstadt Ravensburg. Dort sollte das Kornhaus am Marienplatz für 12,6 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht werden. Im Dezember ‘25 heißt es dann, die Sanierungskosten könnten auf 23,3 Millionen steigen. Also fast eine ähnlich scheinende Situation wie in Kißlegg, wo der Gemeinderat vom Architekten Wolf Christian Stottele  Mitte Januar 2026 erfuhr, es müssten für die Instandsetzung des „Löwen”-Gebäudes rund 800.000 Euro mehr ausgegeben werden.

Während aber die Gemeinderatssitzung in Ravensburg (26. Januar) „mangels Themen abgesagt wurde” (wie’s die städtische Pressestelle jetzt der Bildschirmzeitung mitteilte), berief Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher noch für den gleichen Monat Januar den Gemeinderatzu einer Sondersitzung ein. Nein, dort ließen sich noch nicht alle Hürden auf dem Weg zur vollständigen „Löwen”-Sanierung beseitigen – aber es wurde ein Kompromiss gefunden. Der Rat verlangt, den Kostenrahmen bei drei Millionen Euro aus der Gemeindekasse zu halten. Ein Haltepunkt. Und damit ein ehrgeiziges Ziel, das vermutlich in Sachen Kornhaus Ravensburg bisher nur am Horizont erkennbar sein dürfte. Auch wenn in der Schussenstadt jetzt schon einige Ausschüsse des Gemeinderats gut abgewogene Entscheidungen vorbereiten möchten.

Drei Millionen aus der Gemeindekasse Kißlegg. Ergänzt durch erhoffte Zuschüsse vom Bund und vom Land. Dass der Mehr-Seen-Ort damit tatsächlich im Rahmen liegt, zeigt das „Cavazzen”-Haus Lindau. Für dessen Bestandsschutz soll offenbar rund das Zehnfache derjenigen Euro-Summe geflossen sein, die der Gemeinderat Kißlegg derzeit aus der Rathauskasse freigeben möchte. Insofern befindet sich Kißlegg da immer noch vergleichsweise sparsam auf Kurs.

Dabei findet ein Teil der beachtlichen Kosten für den „Löwen” seine Ursache außerhalb des Allgäus. Nämlich beim Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Weil es diese Behörde wünscht, dass möglichst viele der (teils faulen) „Löwen”-Balken im Haus als Originalteile erhalten bleiben, mussten die Baufachleute im Gebäude eine neue Innenwand hochziehen. Kein Zweifel: Das kostet. Da mögen die Wünsche der Landesdenkmalbehörde aller Ehre wert sein. Wenn sie aber Vorgaben macht, wäre es grundsätzlich geboten, dass die gesetzlichen Grundlagen dazu auch festlegen, woher das Geld dafür fließt. Sicherlich bekommt das Rathaus Kißlegg solche Zuschüsse dankenswert großzügig vom Land. Aber ein klarer Rechtsanspruch darauf hätte womöglich die Arbeiten etwas erleichtert, vermutet
Julian Aicher


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